Wissen

Was ist spielerisches Lernen?

Text: Joachim Zischke

Spielerisches Lernen hilft uns seit Kindertagen, Zusammenhänge zu erfasssen, Wissen anzueignen und Aufgaben zu lösen. Verblieben ist im Erwachsenenalltag nur das Lernen, häufig auch noch ein erzwungenes Lernen. Das Spiel(en) haben wir zugunsten weniger hilfreicher Methoden aufgegeben. Zeit, uns wieder an das Spielerische in unserem Leben zu erinnern.

On TourWas ist spielerisches Lernen? Diese Frage ließe sich sowohl in einem Buch als auch in einem Satz beantworten. Versuchen wir es mit einem Satz: Spielerisches Lernen beschreibt Methoden und Werkzeuge, mit deren Hilfe Fähigkeiten und Wissen, unter Berücksichtigung der elementaren kognitiven, rezeptiven und praktischen Erfahrungen des Menschen, in einer ungezwungenen, wiederholbaren Art und Weise vermittelt werden.

Spielen und Lernen sollten wir nicht als kindliches Verhalten oder eine leichte, nicht ernst zunehmende Sache ansehen. Spielen kann zuweilen harte Arbeit bedeuten, während das Lernen so nebenbei geschieht. Gerade weil im Spiel(en) häufig eine ausgewogene Balance zwischen Anforderungen und Können erreicht wird, macht das Lernen im Spiel Spaß.

Spielen ist Experimentieren mit dem Zufall.
Novalis

Werkzeuge für das Lernen

Die Werkzeuge für spielerisches Lernen sind vielfältig. Der Zweck bestimmt die Mittel. So kann ein themenbezogenes Trivial Pursuit genau passend sein, wenn Sie mit Schülern einen lockeren Wissenstest durchführen wollen. Möchten Sie Erwachsenen die Zusammenhänge zwischen Aktiva und Passiva einer Finanzbuchhaltung erklären, kann ein haptisches oder computergestütztes Planspiel nützlich sein, in dem die Teilnehmer aktiv in bestimmten Rollen selbst die Lösung erarbeiten. Apropos Rollen: Auch Rollenspiele dienen als äusserst wirksames Mittel, um Lernprozesse spielerisch in Gang zu setzen, die mit herkömmlichen Lehr- und Lernmethoden nicht erzielbar wären. Denken wir an die Team- oder Persönlichkeits-Entwicklung: mit der Methodik des action learning lernen die Teilnehmer während sie aktiv spielen. Zu den Methoden zählen unter anderem auch das Unternehmenstheater und Out-door-Trainings.

Ergebnis einer Schülerumfrage über spielerisches Lernen
»Im Vergleich zu normalen Mathestunden waren die Spielstunden genauso anstrengend, denn man musste genau so viel nachdenken [wie] sonst auch. Aber es war viel lustiger!«
»Im Vergleich zu gewöhnlichem Unterricht war ich in den Spielstunden konzentrierter, weil ich das Spiel unbedingt gewinnen wollte …«
»Ich habe mehr gelernt/geübt als in sonstigen Mathestunden. Im Unterricht sollte viel häufiger gespielt werden, weil es auf diese Art und Weise viel mehr Spass macht zu lernen, als wenn man 45 Minuten still auf seinen Plätzen sitzt und nur auf die Tafel guckt.«
Quelle: Harald Jaquet in Kann Spielen das Lernen im regulären mathematisch-naturwissenschaftlichen Fachunterricht fördern?, 1999, Paderborn.

Das dem spielerischen Lernen innewohnende neugierige, spielerisch-experimentelle Vorgehen führt zu Aha-Erlebnissen, neuen Entdeckungen und Erfahrungen der ungewohnten Art. Es macht den Erwerb von Wissen spannender und führt zur permanenten Weiterentwicklung der Lernkompetenz. Das wiederum erfüllt das Lernen mit mehr Spaß: es ist befriedigender, effizienter und wirkungsvoller.

Funktioniert spielerisches Lernen automatisch?

Ja, denn so wie das Spielen ohne bewusstes Anstrengen und Überlegen funktioniert, erfahren wir auch das Lernen. Jeder Mensch kann spielen, physische Möglichkeiten vorausgesetzt. Das Spiel ist unsere zentrale Lebensform. Wenn wir als Kind, und später als Erwachsene, Unbekanntem begegnen, tun wir das, was wir allgemein mit Versuch und Irrtum bezeichnen. Wir versuchen, probieren oder tüfteln erst einmal, um zu erfahren und herauszufinden, wie etwas funktioniert: Ein Brummbär brummt nur, wenn ich ihn hin und her bewege. Bauklötzer fallen um, wenn ich die Klötzer ungleichmäßig verteilt aufeinander lege. Dazu brauchen wir keine Anweisungen oder Regeln, wir lernen durch das Selbstentdecken. Und das ist spielerisches Lernen.

Natürlich können wir das spielerische trial-and-error-Verfahren nicht einfach 1:1 auf alle Lebensbereiche anwenden. Denken wir nur an das Autofahren oder das Steuern eines Flugzeugs. Das Erlernen von bestimmten Fähigkeiten und das dazu erforderliche Wissen setzt meist klare und eindeutige Regeln und Strukturen voraus. Dennoch kann das Lernen auf die elementarste Art und Weise unseres Lebens erfolgen und es spannender und interessanter gestalten: spielerisch. Wir sind der homo ludens, der spielende, spielerische Mensch. fini

Veröffentlicht am 10. Februar 2010

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