Power-Splitter

Netzwerken nach dem Fischprinzip

Die Bionik — die wissenschaftliche Entschlüsselung von Erfindungen der belebten Natur und ihrer Umsetzung in der Technik — liefert uns schon zahlreiche Beispiele, wie sich Unternehmen die Intelligenz von Tierschwärmen oder -gruppen zu Nutze machen können. So gibt es in Vogel- oder Fischschwärmen keine festgelegte Hierarchie oder ein Leittier, das als Allein-Entscheider die Richtung bestimmt. Vielmehr ist die Führungsposition einem ständigen Wechsel unterworfen, ohne dass sich die Formation der Gruppe verändert.

Die Forscher fanden drei einfache Regeln heraus, denen die Tiere in einem Fischschwarm folgen:

  • Komme keinem Fisch in die Quere
  • Schwimme ebenso schnell wie deine Nachbarn
  • Folge der Mehrheit in die vorgegebene Richtung

Ein Schwarm kommt voran, ohne das es eines Chefs bedarf. Jeder achtet nur auf seinen Nachbarn und reagiert auf dessen Bewegungen.

Wie in einem Fischschwarm können auch viele kleine Unternehmen oder Freiberufler in einem Netzwerk zusammenarbeiten und damit gegenüber ihren Auftraggebern Größe vorgeben. Recht schwierig für die Netzwerkteilnehmer dürfte sich das Einhalten des Regelwerks darstellen. Das verlangt, angesichts der häufig ausgeprägten Individualität des Einzelnen, schon nach Tugenden wie Disziplin, Flexibilität und gegenseitigem Vertrauen.

Kochen ist Spielen

Alberto Alessi, Chef der weltbekannten Designschmiede, wurde gefragt, warum derzeit überall so viel gekocht wird — im Fernsehen, bei Veranstaltungen, im Freundeskreis. Seine Antwort: Weil Menschen nun mal gerne spielen. Wenn sie kochen, können sie wieder Kind sein. Etwas zusammenmixen, schauen, was dabei herauskommt, einfach alles ungestraft ausprobieren.

Genau das ist es, wovon wir in unserem Alltag mehr benötigen: das ungestrafte Ausprobieren, das spielerische Mal-sehen-was-jetzt-passiert, ein intuitives, normenfreies und vorbehaltloses Herangehen an neue Ideen. — Wie wäre es, wenn sich die Geschäftsleitungen von Unternehmen entschlössen, einmal gemeinsam mit den Mitarbeitern zu kochen und sich zusammen an einen Tisch zu setzen? Dann müssten die Chefs vielleicht auch einmal die Suppe auslöffeln, die sie gekocht haben …

Alberto Alessi im Interview mit Sina Teigelkötter. Die Menschen sehnen sich nach Einfachheit.
Welt-Online. 2008

Entscheidungen und Ziele

Im Wirtschaftsleben spielt Schnelligkeit eine besonders wichtige Rolle. Das sollte jedoch nicht der alleinige Maßstab sein. Manchmal ist es hilfreich, zunächst bestimmte Probleme und Fragestellungen zu verkomplizieren und weitere Optionen einzuführen. In einem kreativen Prozess wird dann diese Komplexität wieder reduziert, denn nur so gelingt es, zu einer guten Entscheidung zu kommen.

Schnelle Entscheidungen erfordern ein großes Selbstvertrauen, und das setzt sich aus Wissen, Erfahrung sowie einem kulturellen Rahmen zusammen. Außerdem ist Bescheidenheit eine wichtige Tugend. Nur wer zuhören kann, öffnet sich für den kreativen Prozess. Selbsttransparenz und Selbstreflexion helfen zu verstehen, warum wir uns gerade für diese eine Lösung entschieden haben.

Strategische Ziele sind sehr wichtig in unserem Leben. Wir sollten überlegen, was wir mit unserem Leben oder unserem Unternehmen erreichen wollen. Unser Gehirn legt großen Wert auf Effizienz und legt eine Art Plan unserer Ziele an. Werden Aufgaben nicht zu Ende gebracht, entsteht eine dauerhafte Frustration. Das beeinträchtigt uns und unser Wohlbefinden.

Ernst Pöppel im Interview mit Ingrid Weidner. Die Evolution strebt nach Einfachheit.
Leaders Lounge

Der kategorische Imperativ der Gegenwart

Die Maxime »Handle unternehmerisch!« ist der kategorische Imperativ der Gegenwart. Ein unternehmerisches Selbst ist man nicht, man soll es werden. Und man wird es, indem man sich in allen Lebenslagen kreativ, flexibel, eigenverantwortlich, risikobewußt und kundenorientiert verhält. Das Leitbild ist zugleich Schreckbild. Was alle werden sollen, ist auch das, was allen droht. Der Wettbewerb unterwirft das unternehmerische Selbst dem Diktat fortwährender Selbstoptimierung, aber keine Anstrengung vermag seine Angst vor dem Scheitern zu bannen.

Ulrich Bröckling: Das unternehmerische Selbst. 2007

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