Wirtschaft

Leuchttürme der Nachhaltigkeit

Text: Oliver Selaff

Vier Beispiele guter Praxis

In diesem Artikel möchte ich Ihnen Beispiele guter Praxis für nachhaltig arbeitende Unternehmen aufzeigen. Es sind Leuchttürme, die der Orientierung für andere dienen können. Ich ermutige Sie, sich Ihr eigenes Bild zu machen. Vielleicht führt Sie dieser Weg ja auch hin zu eigenen tollen Produkten, die anders und nachhaltig sind.

Vielleicht haben Sie schon viele Definitionen des Begriffs Nachhaltigkeit gelesen, jede war ein wenig oder ganz anders. Ich glaube, Nachhaltigkeit ist etwas sehr Individuelles, das von jedem Menschen anders ausgestaltet wird. Wir können keine Nachhaltigkeit per Beschluss oder Projekt anordnen. Nachhaltigkeit in Unternehmen ist die Summe der individuellen Einstellung eines jeden Mitarbeiters. Die Unternehmensführung spielt dabei eine besondere Rolle, weil von dort die Impulse und Voraussetzungen kommen müssen, wie beispielsweise nachhaltige Lieferanten oder Rohstoffe bestimmt werden können.

In diesem Artikel möchte ich Ihnen Beispiele guter Praxis für nachhaltig arbeitende Unternehmen zeigen. Es sind Leuchttürme, die der Orientierung für andere dienen können. Ich ermutige Sie, sich Ihr eigenes Bild zu machen und auch kritisch zu sein. Vielleicht führt Sie dieser Weg ja auch hin zu eigenen tollen Produkten, die anders und nachhaltig sind.

Coledampfs — Das Küchenkulturzentrum

ktichenColedampfs — das ist Andreas Langholz. Und Andreas Langholz ist auch und vor allem ein exzellenter Geschichtenerzähler. Authentische Geschichten hinter Produkten sind aus meiner Sicht eine tragende Säule in der nachhaltigen Kommunikation. Bei Coledampfs nehmen Sie ein Stück aus dem Ladenregal und erfahren vom Personal die Geschichte zu eben diesem Stück. Oft hat dieses Produkt über die Geschichte auch eine Verbindung zu einem anderen Produkt (cross selling nennt man das im Marketingjargon). So werden die leblosen Waren authentisch mit Menschen, Orten, oft auch mit Handwerkskunst verknüpft. Und Sie werden diese Geschichten weiter erzählen — an Ihre Gäste, wenn Sie mit der vielleicht bei Coldedampfs gekauften Eisenpfanne kochen. Wenn Sie Glück haben, erhalten Sie zusammen mit der Pfanne, dem Messer oder dem Essig auch eine DVD, auf der Sie erleben können, wie Ihr Produkt entstanden ist.
Was hat das jetzt mit Nachhaltigkeit zu tun? Ganz einfach: Die Hersteller der Coledampfs-Produkte haben ihr persönliches Schicksal mit ihren Produkten verbunden, all ihr Können und ihre Liebe in diese hinein gelegt, damit der Kunde Freude daran hat. So bekommt die vom Geiz ist geil stark gebeutelte Frage Was ist eigentlich was wert? eine neue Bedeutung. Und diese Frage ist untrennbar mit Nachhaltigkeit verbunden. Denn das, was die Hersteller in ihre Produkte hineinlegten, wird bei dem Händler Coledampfs weiter geführt, es wird nicht verschüttet, sondern an die Kunden weitergegeben. fini

Alles Essig oder Gegenbauer?

Von Andreas Langholz führt mein persönlicher Nachhaltigkeitskurs direkt zu einem Wiener Leuchtturm: dem Essigbrauer Erwin M. Gegenbauer jun. Ich habe einen Film zum Gegenbauer-Essig bei Coledampfs gesehen. Da wusste ich, dass sich mein Weg mit diesem Essig kreuzen würde. Die Art und Weise wie der Junior von seiner Essigherstellung erzählte, war so faszinierend, dass ich seine Essige unbedingt probieren musste. Überflüssig zu sagen, dass ich heute ein eifriger und überzeugter Kunde der Gegenbauer Essigmanufaktur bin. Gegen die Uniformierung des Geschmacks lautet der Gegenbauersche Leitsatz, die Individualität einer jeder Furcht zu erhalten und optimal bei der Herstellung einzubinden. So gibt es bei Gegenbauer bis heute keinen Erdbeeressig, weil es nicht gelang, den Erdbeergeschmack entsprechend den Qualitätskriterien einzubetten. Und was ist hier nachhaltig? Qualität um jeden Preis, um den Kunden zu überzeugen und zu begeistern. So bleibt ein Kunde ein Kunde und sorgt gleichzeitig für neue Essigkäufer. fini

Das ultimative Brotmesser: Güde

Langholz, Gegenbauer — in meiner Küche kommt dann für meine Gäste der Auftritt des ultimativen Brotmessers von Güde. Es ist ein Werkzeug, das wir vererben könnten und das einzige Brotmesser, das wir uns im Laufe unseres Lebens kaufen müssten — eben ultimativ. In Deutschland, in der Messerstadt Solingen, wird das Brotmesser von echten Könnern und den Erfindern des Wellenschliffs hergestellt. An mehr als 30 Arbeitstationen geht das Messer durch die Hände von Menschen, die um das Wesen von Messern wissen, die sich mit ihren Produkten verbunden fühlen. Dahinter steht der Unternehmer Karl-Peter Born, der trotz aller Widrigkeiten weiter an der Fertigung in Deutschland und an traditionellen Fertigungsmethoden festhält, wohl wissend, dass dies weder zu Reichtum noch zur Ehre führt. Das Wissen um die Verfahren der Messerherstellung bleibt erhalten und sichert gleichzeitig die Qualität der Produkte. Das ist mein dritter Leuchtturm der Nachhaltigkeit. fini

Faszination Zeit im Wein® — die K&U Weinhalle

casksAuch diese Leuchtturmbeschreibung beginnt mit einem Namen: Martin Kössler. Mit Martin habe ich für diesen Artikel ein Interview zu den Themen Nachhaltigkeit und Bio geführt. Mir war aufgefallen, dass auf dem Gegenbauer-Essig keines der weit über 30 in der EU kursierenden Bio-Siegel zu finden war, obwohl der Inhalt ja reine Natur ist. Gleiches beobachtete ich bei den Weinen von Martin. Natürlich bin ich mir bewußt, dass Bio nicht mit Nachhaltigkeit gleich zu setzen ist, dennoch war ich überrascht zu erfahren, dass einige Hersteller absichtlich diese offiziellen Siegel nicht verwenden. Martin Kössler:

»Die nachhaltigen Hersteller, die ich kenne, möchten sich von dem allgemeinen Trend Bio distanzieren. So finden sich heute auf so vielen Produkten diese Siegel und der wichtige Qualitäts- und Nachhaltigkeitsanspruch bei der Herstellung findet keine Berücksichtigung. Deshalb schaffen nachhaltige Qualitätshersteller aus ganz Europa derzeit ihr eigenes Siegel bzw. Zertifikat.«

Die immer schlechter werdende Geschmacksqualität bei Bio-Weinen hat diese Entwicklung gefördert, wie sinnvoll ein weiteres Siegel auch immer sein mag. Der Begriff Bio wird dadurch entwertet, dass biologisch gewachsene Trauben zu Wein verarbeitet werden, ohne die Qualitätsansprüche eines nachhaltig arbeitenden Winzers zu berücksichtigen. Dadurch lassen sich dann Preise um zwei bis drei Euro auch für Bio-Wein durchsetzen — der dann leider nicht schmeckt. Martin Kösslers Antwort auf diese Entwicklung ist langsamer Wein, ein Wein, der nicht auf einen Einheitsgeschmack getrimmt wird, sondern der die Handschrift des Winzers und den Charakter der Region und des Bodens in sich trägt. Ist das nachhaltig? Aus meiner Sicht schon. fini

Das sind meine ganz persönlichen Leuchttürme der Nachhaltigkeit. Es gäbe sicherlich noch viele weitere zu erwähnen. Am Ende bleibt zu sagen: Produkte und Dienstleistungen sind immer dann besonders und wertvoll, wenn diese authentisch mit Menschen verknüpft sind. Mit Menschen, die hinter ihren Leistungen stehen, offen sind für Anregungen und die sehr an den Erfahrungen ihrer Kunden interessiert sind. fini

Links:
Coledampf’s CulturCentrum
Gegenbauer
Güde — die Messer
K & U Weinhalle

Veröffentlicht am 07. August 2008

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Kommentare: 1

  • 1. Erwin M. Gegenbauer  |  07. August 2008 09:56

    sehr geehrter herr zischke,

    haben sie vielen dank für die lobenden worte in ihrer august-ausgabe. schön, dass sie diesen themen raum geben.

    wünsche ihnen noch viel erfolg und verbleibe

    mit edelsauren grüssen

    erwin m. gegenbauer

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