Finanzkrise — quo vadis?
Text: Joachim Zischke
»Enden kann das Ganze nur auf zwei Arten:
Die erste ist, den Zusammenbruch geschehen und den Umständen ihren Lauf zu lassen. Dies bedeutet einschneidende Verluste für einige und entsprechende Gewinne für andere — ein Nullsummenspiel.
Bei der zweiten wird der Steuerzahler zur Bereitstellung der Ressourcen gezwungen, die für die Notoperation am kollabierenden System nötig sind. Auch dies ist ein Nullsummenspiel, wenn auch ein komplexeres.«
Anthony de Jasay, Ökonom und Sozialphilosoph
Veröffentlicht am 05. März 2009
Kommentare: 3
1. Levente Dobszay | 16. März 2009 23:30
Die eigentliche Frage, die man sich stellen sollte, ist nicht, ob das Ganze ein Nullsummenspiel ist oder nicht, denn die wenigen Gewinner werden es als Sieg und die vielen Verlierer werden es als Niederlage betrachten. Die für mich relevante Frage ist, ob wir den Konstruktionsfehler in unserem Geld- und Wirtschaftssystem erkennen und genügend Mumm haben, diesen zu korrigieren beziehungsweise, und ob wir es schaffen, ein System zu etablieren, welches zum Wohle aller dient und genügend stabil ist, um auch locker mehrere hundert Jahre bestehen zu können.
Dass das aktuelle System zum Kollaps verdammt ist, steht für mich ausser Zweifel und wir stehen erst ganz am Anfang der ganz grossen Krise, die sich sogar mathematisch herleiten lässt, wie ich bereits seit einiger Zeit in einem mehrteiligen Beitrag beschrieben habe (siehe Konstruktionsfehler).
2. Joachim Zischke | 17. März 2009 14:52
Hallo Herr Dobszay,
Es steckt ein Konstruktionsfehler in unserem Geld- und Wirtschaftssystem. Das sehen wir heute recht deutlich, und so haben Sie sicherlich Recht mit Ihren Annahmen. Aber was tun? Korrigieren – wie, von wem, in welcher Zeit?
Vielleicht ist ein Kollaps des Systems gar nicht das schlechteste aller Übel. Natürlich würden einige, wenn nicht sogar viele Menschen darunter leiden müssen. Doch müssen Sie das im Falle der Notoperation am kollabierenden System nicht ohnehin?
Die menschlichen Ressourcen – als da sind Mut, Tatkraft, Ideen, Wissen – würden nicht untergehen und einen Neustart durchaus ermöglichen.
Doch Sie und ich sind nicht in der Position, den Hebel, in welche Richtung auch immer, umzulegen …
Beste Grüße
Joachim Zischke
3. Levente Dobszay | 08. April 2009 15:46
Aber wir können die interessierte Öffentlichkeit informieren und damit dazu beitragen, dass die Probleme nicht tabuisiert und kaschiert sondern öffentlich und breit diskutiert werden. Es gilt, die kritische Masse für den dringend notwendigen Wandel zu mobilisieren. Wenn jeder seinen auch noch so kleinen Beitrag dazu leistet, wird dies möglich.