Kommunikative Innovationsverhinderung
Kommunikation ist ein entscheidender Faktor, wenn wir Wissen in Kapital umzusetzen wollen. Und oftmals scheitern Innovationsprozesse daran, weil wir glauben, dass mehr Wissen in einem Fachgebiet auch zu den besten Ideen führen. Aber das einzige was wir damit stärken ist, dass wir Innovations- und Kreativitätsprozesse unterbinden, anstatt diese zu fördern.
Kommunikation in Form von Sprache besagt im Wesentlichen, dass wir uns mitteilen oder jemanden teilnehmen lassen an unseren Inhalten. Zentraler Bestandteil jeder Kommunikation ist dabei Wissen. Wissen, auf das wir in unserer Kommunikation zurückgreifen und letztlich nach außen geben oder aufnehmen wollen. Gerade in unserem Geschäftsleben hat der maßgebliche Anteil von Verständigung mit Wissen zu tun. Je umfassender sich dieses Wissen darstellt, desto konturenreicher und inhaltlicher bewegen wir uns dabei im sprachlichen Umgang.
Ähnlich verhält es sich, wenn wir über Innovation sprechen. Auch hier stellt Wissen ein zentraler Baustein für eine erfolgreiche Suche nach dem goldenen Kalb dar. Aber speziell bei Innovationsfindungsprozessen wird uns unser Wissen oft zu einem unwissenden Verhängnis. Die dabei kommunizierten Botschaften stellen sich in vielen Fällen eher innovationshindernd als innovationsfördernd dar. Die dabei angewendete Kommunikation verbunden mit dem Wissen zu einem spezifischen Fachgebiet unterliegt bei Innovationsfindungsprozessen oftmals einem fast schon fatalen Irrtum.
Oft wird dabei das kommunizierte Wissen für kreative Überlegungen in falsche Bahnen geleitet. Werden bei Innovationsfindungsprozessen solche Fehler nicht unterbunden, entstehen virtuelle Räume in den Köpfen der Teilnehmer, die diese Prozesse behindern. Denn dabei werden bereits Überlegungen und Denkrichtungen in den Köpfen der anderen hervorgerufen, die sich in dieser Phase als völlig falsch darstellen. Eine einfach gesprochene Botschaft zu Beginn solcher Prozesse stellt dar, wie dabei Kommunikation das Denken in falsche Richtungen lenkt. Denn es ist ein Unterschied, ob ein Vorgesetzter vor versammelter Mannschaft sagt: Wir brauchen ein neues Fortbewegungsmittel oder wir brauchen ein neues Fahrzeug.
Meist werden dabei Vorgehensweisen angewendet, wie wir sie aus der Schule kennen. Wir grenzen die Spiel- und Denkräume ein und verlassen uns auf den Grundsatz: Der Kopf denkt und lenkt. Dabei geht es aber noch weiter. Denn wir unterbreiten damit Botschaften, die einer äußerst subjektiven Ebene unterliegen. Wir bewegen uns nämlich auf uns viel zu bekannten Spielwiesen. Genau darin liegt ein großes Innovationsproblem verpackt. Wir verwenden in der Phase der Innovationsfindung eine Sprache, die bereits viel zu klare Botschaften enthält. Hier treten oftmals Richter auf, die entscheiden, was an Potential im Neuem steckt und was nicht. Und weil das so ist, wird das oft nichts, mit dem was sich viele darin erwarten. Innovation scheitert bereits an dieser Stelle, weil die angewandte Kommunikation samt deren Techniken sich als völlig falsch darstellen. Es funktioniert schlicht einfach nicht, weil es gar nicht funktionieren kann. Dabei wäre der richtige Ansatz eher jener: Je unkonventioneller die Gedanken, desto zündender die Ideen.
Warum das aber so ist, hat mit mehreren Faktoren zu tun. Zum einen liegt hier ein grundlegendes Problem in unserem Innovationsverständnis vor. Denn, nicht fehlendes Wissen führt zur Erfolglosigkeit bei Innovationsversuchen, sondern zu spezifisches Wissen in einem Fachbereich. Vorausgesetzt, man verwechselt nicht Innovation mit Wissen. Genau genommen führte ein steigendes Bildungsniveau nämlich zu einer höheren Innovationsangst. Was sich letztlich in einem immer höheren Sicherheitsdenken niedergeschlagen hat. Auch das ist oft Teil von falschen kommunikativen Sicherheitsvorgaben. Denn Innovationsfindungsprozesse unterliegen nicht nur dem Wissen, sondern vielmehr der Vielfalt.
Einen weiteren Missstand finden wir in der zur Verfügung stehenden Zeit bei Innovationsfindungsprozessen. 85% aller technischen Innovationen scheitern während der Umsetzung primär in punkto Zeit und Kosten. Auch dieser Umstand ist vielen nicht geläufig.
Einer der größten Innovationskiller stellt das eigene Unternehmen dar. Nur einmal magere 24% an verwertbaren Ideen entstehen im eigenen Unternehmen. Um diese Zahl in ihrer Dramatik noch zu verdeutlichen, beweist die Tatsache, dass ganze 4% dabei in Meetings stattfinden, in denen sich die Mitarbeiter als gefordert betrachten. Es wäre sinnvoller, Mitarbeiter auf Geschäftsreisen zu entsenden, denn dabei finden wir den höchsten Anteil der Ideenfindung, die innerbetrieblich entstehen. Auch darin finden wir einen weiteren Beweis, wie sehr falsche Kommunikation Neues verhindert anstatt fördert.
Wie wichtig es ist, die richtige Kommunikation für eine Innovationsfindung zu verwenden, kann an dieser Stelle gar nicht oft genug erwähnt werden. Dennoch treffen wir vorwiegend auf das Gegenteilige. Aber so, wie wir in der Vergangenheit Produktionsprozesse kontinuierlich verändert haben, müssen wir in unseren Unternehmen Innovationsprozesse für die Zukunft adaptieren. Dass dabei Kommunikation eine entscheidende Rolle spielt, entspricht hierbei keiner Annahme, sondern gilt definitiv als Tatsache.
Wer glaubt, dass das Prinzip der allgemeinen Nachhaltigkeit auch hierbei anzuwenden ist, der irrt. Das einzige, was wir damit stärken, sind lineare Denkansätze. Aber genau diese haben in so wichtigen Prozessen wie der Innovationsfindung nichts verloren. Das einzige was wir damit stärken ist, dass wir Veränderungen unterbinden anstatt diese zu fördern.
Man sagt nicht umsonst: lassen Sie uns spinnen. Und nicht: lasst uns miteinander reden.

