Wirtschaft

Die lebenslange Katalogfreundschaft

Text: Joachim Zischke

Ich pflege Katalogfreundschaften oder, besser gesagt, sie pflegen mich, einige schon seit Jahren. Lesen Sie, welche mir besonders ans Herz gewachsen sind.

winter
Vor einigen Tagen plumpste der neue Garpa-Katalog in meinen Briefkasten. Ach ja, Frühlingszeit ist Gartenmöbelzeit, Inspiration für das Leben im Grünen. Ist der Winter denn schon vorbei? — »Wenn das Frühjahr seine ersten Boten vorausschickt und die Natur wieder erwacht, werden Sie ins Freie gelockt und die Lust auf …«, die ersten Begrüssungszeilen ließen mich nach draußen blicken: Die Natur spielte eine Symphonie in Eis und Weiß. Allein die Summerfield-Bank, nun mit einem Zuckerguß aus Schnee bedeckt, harrte dem Frost, trutzig, stabil, zwar schon mit einer vornehm dezenten Patina in Silbergrau, doch die mehr als fünfzehn Jahre an der nicht immer frischen Luft scheinen an ihr spurlos vorüber zu gehen.

Ich dachte, eines muss man den Garpa-Leuten ja hoch anrechnen: Es ist wirklich Qualität, die sie herstellen lassen und ihren Kunden liefern. Und sie haben mich noch kein einziges Jahr vergessen. Jedes Jahr erhalte ich zweimal einen druckfrischen Katalog, einmal zum Frühjahr und dann im Herbst, und das, obwohl ich schon seit ein paar Jahren gar nichts mehr bestellte — wir verfügen ja jetzt im Garten über genügend Bänke, Tische, Hocker, Deck Chairs …

Ich empfinde das als eine Freundschaftsgeste, so wie man Freunden eine Postkarte von einem schönen Wochenende in den Bergen schickt. Ein Lebenszeichen, das mich freundlich und unaufdringlich erinnert, mir sagt, wir sind für Dich da, wir denken an Dich. Das ist für mich Freundschaft — wenn auch nur eine Katalogfreundschaft.

Wie anders doch das Verhältnis zu hess natur. Ich bestellte aus dem Katalog einen Cardigan aus Kamelhaar. Erst wollte ich das Teil zurückschicken, weil ich befürchtete, die hauchdünne Strickware würde nicht lange formstabil bleiben. Ich behielt die Jacke dennoch, wahrscheinlich, weil ich zu bequem war, die Rücksendungsformalitäten auf mich zu nehmen. Und so kam es, wie ich es erahnte: Nach relativ kurzer Zeit beim Bücherlesen im Armlehnstuhl waren die Ellbogen durchgescheuert, die Knopfleiste hing schief und die Knopfaugen gaben nach, wollten die Knöpfe nicht mehr halten.

Deine Schuld, sagte ich mir, entsorgte den Cardigan und wollte die Sache schon vergessen. Da erreichte mich ein neuer hess natur-Katalog, mit neuen Modellen, neuen Farben, neuen (höheren) Preisen. Ich warf den Katalog in die Tonne. Vier Wochen später folgte dann ein Schreiben, dessen Tenor in etwa so klang: Wenn Sie jetzt nichts bestellen, können wir Ihnen keinen Katalog mehr zuschicken. Er kostet nämlich Geld und umsonst können wir ihn nicht hergeben. Das verstehen Sie doch, oder? Ich verstand völlig. Ich habe von hess natur dann nichts mehr gehört oder gesehen — die auch von mir nicht mehr.

Und dann ist da noch das Weinhandelshaus Pinard de Picard. Den Weinfreund überrascht nicht nur das umfangreiche und sorgsam ausgewählte Angebot, sondern auch die vielfältigen Informationskanäle mithilfe dessen das Unternehmen die Weine und anderen Produkte präsentiert: Seit 1998 erscheint alle drei Wochen die PINWand, ein Newsletter in gedruckter und elektronischer Form, es gibt eine ausführliche Internetseite, die keine Fragen offen lässt und schließlich kommt der mehr als 300 A4-Seiten starke Katalog ins Haus, der sich, spannend, stilvoll und aufwändig illustriert, mit Texten des Wortakrobaten Tino Seiwert angefüllt, wie ein Gesangbuch des Weins liest. Diesen dicken Katalog erhalten natürlich nur Kunden, die eine gewisse Bestellregelmässigkeit aufweisen.

Nachdem ich ein paar PINWands unverrichteter Dinge passieren ließ, erhielt ich einen freundschaftlich gehaltenen Brief, in dem vorsichtig auch meine ausgebliebenen Bestellungen erwähnt wurden. Beigefügt war ein Angebot eines Probekartons ausgewählter Sortimentsweine zu besonderen Konditionen und frei-Haus-Lieferung. Und das Versprechen, nach Erscheinen den neuen Weinkatalog zu erhalten. Nun, das freute mich, machte Laune, noch mehr aber Lust auf neue Weinentdeckungen. fini

Veröffentlicht am 05. Februar 2009

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