Das Planspiel in der Personalentwicklung
Text: Joachim Zischke
Teil 2: Einsatzmöglichkeiten von Planspielen
Planspiele sind vergnüglich, unterhaltsam und spannend. Planspiele verpacken die Aufgabenstellung in einer thematischen Geschichte, die fesselt und fasziniert. Spiele, die menschliche Konfliktsituationen behandeln, benötigen keine streng systematischen und ausgetüftelten Lösungsverfahren. Das Erreichen des Zielergebnises erfolgt durch eine intelligente Steuerung des Spiels mittels des Regelwerks.
Planspiele lassen sich in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung vielseitig einsetzen. So kann ein spezifisch ausgearbeitetes Planspiel als Starter eines Kurses eingesetzt werden. Das Spiel(en) fokussiert die Aufmerksamkeit auf das Thema, verstärkt die Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit und sorgt für einen optimalen Kursbeginn. Ebenso eignet sich das Planspiel als verbindendes Element, wenn es sich wie ein roter Faden durch den gesamten Ausbildungskurs zieht. Das Planspiel bietet sich schliesslich als Verstärker oder Unterbrecher an, um auf besondere Inhalte hinzuweisen oder einen umfangreichen Lernstoff zu gliedern.
Teamentwicklung
In einem Team funktioniert irgend etwas nicht: Die Leute kommen scheinbar nicht miteinander klar, die Ergebnisse sind jenseits von optimal, ständige Reibung erhitzt die Gemüter. Reden, diskutieren, verordnen? Das wäre vielleicht kontraproduktiv und vertane Zeit. Stattdessen lassen wir das Team miteinander spielen. Es geht um die sagenumwobene Königsstadt Taganamà, die irgendwo um den 25. Breitengrad im Wüstensand verschwand und wegen ihrer Schätze entdeckt werden soll. Das Team muss sich selbst organisieren, Aufgaben und Zuständigkeiten an die Teammitglieder verteilen: Proviant, Technik, Navigation, den Verbrauch von Wasser und Nahrungsmitteln planen und kontrollieren, Meinungsverschiedenheiten diskutieren und aushalten, Konflikte lösen, Fehler eingestehen und aus ihnen lernen, schließlich den Weg durch das unbekannte, unwirtliche Land finden. Im Laufe des spielerisch-ernsten Trainingstages kommen sich die Team-Mitglieder näher, lernen sich und andere einzuschätzen, entdecken Alternativen und Lösungen, die vorher mangels klarer Sicht unmöglich erschienen. Das Team entsteht neu. Und einige Wörter Arabisch lernt es obendrein.
Führen und Durchsetzen
Einzelnen Mitarbeitern wurden Führungsaufgaben übertragen. Aufgrund ihrer langjährigen Zugehörigkeit im Unternehmen fällt es ihnen schwer, sich gegenüber ihren ehemaligen Kollegen durchzusetzen und die Erledigung definierter Ziele konsequent einzufordern. In einem dafür entwickelten Rollen-Planspiel geht es darum, Dialoge menschlich und doch zielgerichtet zu führen sowie übertragene Aufgaben auch in extremen Situationen im Team zu erfüllen. Das Setting: Im Tal Cucapacacha in den Anden soll eine Silbermine exploitiert werden. Es entstehen Konflikte zwischen Indios, Siedlern und Bergwerksarbeitern. Ein Mitarbeiter des Teams stellt sich (laut Regiebuch) quer und versucht hinterrücks, das Anrücken der Maschinen zu sabotieren. Aus der wirtschaftlichen Dimension entsteht zusätzlich eine politisch-menschliche Dimension. Die Vorgabe für den Projektleiter: keine Gewalt, keine Repressalien, keine höheren Kosten, dennoch planmäßiger Abbau-Beginn in der Mine. Im Planspiel agieren die Teilnehmer ohne ein Wissen über die fiktiven Rollen ihrer Mitspieler. So werden alle Teilnehmer zu intensiv geführten Dialogen und auch spontanen Reaktionen gezwungen. Das fortschreitende (simulierte) Anrücken der Baumaschinen bringt eine zeitliche Komponente ins Spiel und übt Druck aus auf die Dialogbereitschaft und Lösungsfindung der Planspiel-Teilnehmer.

AC alternativ
Wenn es um die Überprüfung von Kompetenzen im Rahmen der Personalauswahl und der Leistungs- und Personalbeurteilung geht, setzen nahezu die Hälfte der deutschen Unternehmen auf das Methodeninstrumentarium des Assessment Centers. Die wichtigsten Kriterien bei der Anwendung sind Kommunikationsfähigkeit und Durchsetzungskraft der Probanden. Als die am meisten eingesetzten Übungen werden Gruppendiskussion, Präsentation und Rollenspiel genannt. Dennoch wird die Diskrepanz zwischen dem Aufwand und der Effizienz der Prognose eines AC zunehmend kritisch eingeschätzt. Kritiker hegen Zweifel an der prognostischen und konstruktischen Validität und sehen das AC sogar als machtpolitisches Prüfungsverfahren. Angesichts der immer schneller wachsenden Dynamik und Komplexität der uns umgebenen Systeme, gelangt das Merkmal des Lernpotenzials (d.h. nicht nur die Lernfähigkeit, sondern auch und vor allem die Lernwilligkeit) immer mehr in den Vordergrund der Überprüfungen. Somit entsteht aus der Verknüpfung von diagnostischer und pädagogischer Verfahren ein elementarer Ansatzpunkt für die Personalarbeit.
Das Medium Unternehmensplanspiel bietet sich hier für umfangreiche Beobachtungen der Teilnehmer auf fachlicher, soziologischer und psychologischer Ebene an. Dadurch, dass die Teilnehmer im Rahmen eines realitäts- und problemnahen Aufgabenfeldes handeln. Daher finden Planspiele bei den Teilnehmern im Allgemeinen hohen Anklang. Planspiele verkörpern zudem nicht den typischen Auswahl-Charakter eines AC. Es findet keine Bewertung von Eigenschaften statt, die nicht in Zusammenhang mit dem vorgesehenen Arbeitseinsatz eines Mitarbeiters stehen.
Fazit
Planspiele beinhalten Aktionen, Regeln und Ressourcen, in denen stets Menschen als Mitspieler Rollen übernehmen und konkrete Entscheidungen treffen müssen. Durch das freie spielerische Handeln werden Kreativität und Spontaneität entwickelt, die das Arbeiten des Einzelnen, wie auch von Gruppen und Teams fördert. Learning by doing steht im Vordergrund. Eine hohe Teilnehmeraktivität dient als Grundprinzip der Planspiele. So kann sich dem Lernen mit allen Sinnen, dem buchstäblichen Be-Greifen bei haptischen Planspielen, so gut wie niemand verschließen. 
Teil 1: Die Planspiel-Methode
Veröffentlicht am 05. März 2009