Wandel

Die Optimisten-Macher

Text: Joachim Zischke

Mutmacher gibt es schon viele. Jetzt kommen die Optimisten-Macher. Und das gleich tausendfach: Die Kampagne OptimismusHoch1000 will auf ihrer Website eintausend Gründe sammeln, was es bedeutet und warum es sich lohnt, beruflich oder privat optimistisch zu sein. DIALOGUS Magazin interviewte Monika Hamrozi, die Mitgründerin der Initiative, in einem eGespräch zu den Hintergründen und Zielen der Aktion.

icon Joachim Zischke: Guten Tag Frau Hamrozi. Vor einigen Monaten starteten Sie, zusammen mit Ihrem Geschäftspartner Murat Cakmakci, eine Kampagne für Optimisten (und alle, die es werden wollen), präsentiert auf der eingängigen und dennoch ungewohnt klingenden Website OptimismusHoch1000. Was war der Auslöser zu diesem Schritt?

Monika Hamrozi Monika Hamrozi | Optimismus1000

icon Monika Hamrozi: Der Auslöser war die persönliche Erfahrung, die wir im Arbeitsleben, aber auch im Privatleben gesammelt haben. Wir haben gemerkt, das Menschen ganz anders reagieren, wenn man ihnen mit einem Lächeln begegnet, wenn man ihnen Mut macht. Wir überlegten, wie wir dieses Thema umsetzen können, um mehr Optimismus zu erreichen.

icon Nun, allein aus einem Lächeln dem Anderen gegenüber defininiert sich noch kein Optimismus. Ich möchte daher etwas nachhaken: Wodurch haben Sie selbst festgestellt, dass Optimismus wichtig ist und in unserem Land Not tut? Welche eigenen Erfahrungen haben Sie vielleicht selbst gemacht?

»Unsere Gefühle hängen nicht von den Ereignissen ab, sondern von unseren Gedanken.«

icon Eine prägende Erfahrung war, als ich jemanden in meinem Bekanntkreis fragte, wie es ihm denn ginge und er mir daraufhin antwortete: »Der Wirtschaftskrise entsprechend«. Über diesen Satz habe ich nachgedacht, denn diese Aussage habe ich mehrfach zu hören bekommen, zwar nicht in diesem Ausmaß, aber in Begleitung dessen, dass es uns in Deutschland furchtbar geht, die Situation katastrophal sei und unerträglich. Aber woher kommen die übertriebenen Gefühle? Der Psychologe Albert Ellis würde jetzt sagen: »Weil unsere Gefühle nicht von den Ereignissen abhängen, sondern von unseren Gedanken.«

Die Mehrheit der Menschen allerdings glaubt, dass die äußeren Ereignisse ihre Gefühle und ihr Verhalten auslösen. Genau an diesem Punkt möchten wir ansetzen. Krisen geben uns immer wieder die Chance zu überlegen, was wir verbessern können, welche Werte für uns in dieser Zeit im Vordergrund stehen. Jeder sollte sich fragen, was Optimismus für ihn bedeutet, in welchen Bereichen der Optimismus für ihn wichtig ist und sich auch auf die kleinen Dinge besinnen, die das Leben lebenswert machen. Denn dann werden wir bei diesem Gedankengang auf jeden Fall ein Lächeln in unserem Gegenüber sehen.

icon Ist es wirklich so, dass uns unsere Gefühle trügen, weil wir unsere Gedanken in die falsche Richtung leiten? Nehmen wir beispielsweise einen arbeitslosen Werftarbeiter, der keinen Job mehr findet. Er wurde arbeitslos, weil sein Betrieb Insolvenz anmeldete. Hier hängen seine, vielleicht negativen und durchaus nachvollziehbaren, Gefühle sicherlich von den Ereignissen ab und nicht allein von seinen Gedanken. Was würden Sie ihm konkret empfehlen, wie er zu neuem Mut und Optimismus kommt?

icon Derartige Ereignisse  haben für die Menschen in den meisten Fällen zwei Seiten. Die einen hadern mit diesen Ereignissen, zweifeln, ob es mal wieder so wird, wie es war, schauen Nachrichten und lassen sich dadurch geradezu blockieren — insbesondere für neue Dinge. Mit angezogener Handbremse lässt es sich eben schlecht fahren und neue Wege finden.      

»Die Chance für Neues sehen.«

Andere wiederum sehen darin die Chance für Neues oder die Gelegenheit für Weiterentwicklung. Diese Menschen versuchen sich selbst und die Situation zu reflektieren und setzen sich mit Fragen auseinander: Was sind meine Stärken? Worin bin ich erfolgreich? Was macht mir Freude? Eine Gelegenheit, die eigenen Kompetenzen heraus zu arbeiten. Wenn derjenige sich darüber Klarheit verschafft hat, findet er zu positiven Lösungsansätzen, die sich als Chance entwickeln können, so dass er am Ende gestärkt aus der Situation hervorgeht. Das bringt ihm Mut, einen Schritt weiterzugehen.          
Als wir die ersten Optimismus-Zitate bekamen waren wir erstaunt über die Vielfalt der Aussagen. Selbstverständlich ist der Job die Basis für vieles. Aber die Kraft für das eigene Tun und Handeln kommt nicht allein durch den Beruf.

Zu guter Letzt: Widerstandsfähigkeit — denn ohne die feste Überzeugung, dass sich die Dinge, früher oder später, zum Positiven entwickeln werden, funktioniert es nicht. Diese feste Überzeugung mündet in — Optimismus!

icon Sie sprachen soeben von Optimismus-Zitaten, die Sie erhielten. Was sind das, wer schickt Sie Ihnen und was machen Sie damit?

»Tausend Gründe optimistisch zu sein.«

icon Die Optimismus-Zitate sind das Herz unserer Kampagne. Vom 16. Februar bis zum 31. März 2009 forderten wir die Menschen in Deutschland auf, uns zu schreiben, warum sie Optimist sind, was Optimismus für sie beruflich und privat bedeutet, wann sie besonders optimistisch sind oder warum es wichtig ist, sich eine optimistische Sicht der Dinge zu bewahren. Aus ganz Deutschland erreichten uns zahlreiche Zitate, durch alle Altersklassen hinweg. Die eintausend originellsten, witzigsten, inspirierendsten und ansteckendsten Zitate werden nun zwölf Monate lang auf der Kampagnenseite, 1000 Gründe optimistisch zu sein, veröffentlicht. Jeder kann sich auch seine tägliche Dosis Optimismus zukommen lassen: Abonnieren Sie unser Tageszitat oder installieren Sie das Zitate-Gadget.

icon Eintausend Optimismus-Zitate — eine erstaunliche Zahl. Und daher stammt ja auch der Name Ihrer Kampagne Optimismus1000. Wenn Sie sich nun an die Optimisten wenden und von ihnen ein Statement erbeten, wie erreichen Sie jene, die derzeit keine Optimisten sind — ich denke an den oben erwähnten arbeitslosen Werftarbeiter? Wie wird er auf Ihre Kampagne aufmerksam? Wie findet er seinen Optimismus wieder?

icon Über diesen Punkt haben wir uns auch direkt am Anfang der Kampagne Gedanken gemacht. Schließlich ist es nicht damit getan, das wir eine Kampagne im Internet starten, von denen die Menschen in Deutschland nichts mitbekommen. Nein, damit ist es nicht getan und so entstand die Idee, uns Partner für die Kampagne zu suchen, die diese unterstützen. Durch diese mediale Unterstützung durch Bannerschaltungen, Newsletter-Einbindungen, Veröffentlichungen des Sponsoren-Siegels auf den jeweiligen Seiten der Partner oder Berichterstattungen zur Kampagne in verschiedenen Blogs, erreichten wir auch Menschen in Deutschland, die sich mit Optimismus bis dato noch gar nicht auseinandergesetzt hatten.

Natürlich hätten wir gerne die großen Medien genutzt, aber dafür fehlt uns bisher das große Budget, denn die Mittel die uns zur Verfügung stehen, sind rein privat finanziert.

Nehmen wir beispielsweise die Kampagne Du bist Deutschland. Diese hat auf Grund der medialen Verbreitung nach eigenen (online) Angaben ca. 35 Millionen Euro gekostet. Als unternehmerische Initiative bewegen wir uns im Vergleich dazu eher im Promille-Bereich. Wir können unser Anliegen mit persönlichem Einsatz, guten Ideen und eben mit der nötigen Dosis Optimismus an die Frau oder an den Mann bringen.

Unsere Aktion Optimismus1000 hat nicht den Anspruch alle Probleme zu lösen. Viele Anwender haben uns aber Rückmeldung gegeben, dass sie die Zitate als Freude schenkend, Lächeln hervorzaubernd und inspirierend empfinden.

icon Frau Hamrozi, Sie haben mit Ihrem beispiellosen Einsatz ja sehr viele Menschen bewegt: Zitaten-Einsender, Sponsoren, Blogger und viele mehr. Was mich jetzt natürlich interessiert: Welches sind die nächsten Ziele, die Sie planen? Wie soll die Kampagne weitergehen? Könnte das für Sie auch ein Geschäftsmodell sein?

optimismusicon Die nächsten Ziele, die wir anstreben, tragen auf jeden Fall den Gedanken des Optimismus in ihrem Mittelpunkt, es geht weiterhin um Mut und Zuversicht. Natürlich interessiert es uns sehr, wie optimistisch unser Bundeskabinett ist! Wir werden dran bleiben, von den Damen und Herren ein Zitat zu erhalten und diese persönlich per Brief und Siegel um ihr Zitat bitten. Aber nicht nur das Bundeskabinett ist gefragt. Wir suchen auch Menschen aus den Medien, die sich zum Optimismus bekennen. Franziska van Almsick, Udo Jürgens, Eckhart von Hirschhausen, Laith Al-Deen gehören bereits zu den Vorbildern, die uns ihr Zitat sandten, ein weiteres von Dr. Florian Langenscheidt wartet nur noch auf seine Veröffentlichung.

»Aufruf!«

Wir rufen auch weiterhin die Menschen in ganz Deutschland auf, uns ihr Optimismus-Zitat einzusenden! Weiterhin bauen wir unsere bunte Optimismus-Schatzkiste aus und erweitern diese mit interessanten Links und Themen rund um den Optimismus. Geplant sind auch Umfragen auf unseren Seiten zum Thema Optimismus. Darin geht es nicht nur um den eigenen Optimismus, sondern um Fragen zum Optimismus, der Zufriedenheit und den Mut in Deutschland. Eine Frage könnte zum Beispiel sein: Schauen Sie optimistisch in die Zukunft? Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Leben? Welche Werte sind für Sie wichtig?

Optimismus1000 selbst wird zu keinem Geschäftsmodell erweitert, aber wir arbeiten parallel an einem neuen Projekt, welches natürlich auch den Optimismus im Herzen trägt! Das nächste Projekt heißt Gründerhoch1000. Wir wurden selbst schon ziemlich beäugt und teilweise für verrückt erklärt, weil wir uns eben gerade in einer vermeintlich schlechten Zeit selbstständig gemacht haben. Immerhin werden in Deutschland jährlich circa 800.000 Unternehmen gegründet. Diese Zahlen sind seit dem vierten Quartal letzten Jahres rückläufig. Mit der Initiative Gründerhoch1000 möchten wir versuchen 1000 dieser Verrückten ins rechte Licht zu rücken.

Neben einer außergewöhnlichen Präsentation, in dem authentisch die Freuden, Leiden und Unternehmen der Unternehmensgründer vorgestellt werden, arbeiten wir parallel an einem Zusatznutzen für diese Unternehmer: Gründer fördern Gründer — einmalig in Deutschland — soll eine Community mit maximal eintausend Gründern und zusätzlichen Kooperationspartnern entstehen, die sich gegenseitig unterstützen und sich damit Erfahrung, Neukunden, Referenzen und ein größeres Netzwerk aufbauen, um langfristig davon zu profitieren.

Wir möchten damit zusätzlich im Rahmen der Gesamtkampagne Vorbilder schaffen und präsentieren, die in Krisenzeiten Mut gezeigt haben und erhoffen uns damit noch mehr Menschen motivieren zu können. Zusätzlich möchten wir eine Plattform schaffen, auf dem Optimisten tatsächliche Wirtschaftsförderung betreiben und miteinander zusammenarbeiten.

Leider kann dieses Projekt nicht kostenlos laufen, da wir uns unsere Unabhängigkeit wahren möchten. Wir sind und bleiben in erster Linie privatfinanziert und benötigen Media-Partner, damit wir auch den Werftarbeiter aus ihrem Beispiel erreichen können. Wir haben uns aber intern auf eine Aufwandpauschale geeinigt, die mehr als gründerfreundlich ist und möchten mit dem Projekt Gründer fördern Gründer den teilnehmenden Optimisten ein Vielfaches dieser Aufwandpauschale zurückgeben.

icon Da haben Sie sich ja wirklich viel vorgenommen für die nahe Zukunft. Ich bin sicher, das wird Ihnen zwar eine Menge Arbeit, aber auch sehr viel Freude und neue Kontakte einbringen. Ich wünsche Ihnen dazu guten Erfolg und alles Gute. Frau Hamrozi, vielen Dank für unser Gespräch. fini

Link:
OptimismusHoch1000

Veröffentlicht am 02. Juli 2009

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