Das Fenster zum Park

Wir wissen es wohl: So wie bisher können wir nicht weitermachen. Wir brauchen einen Goldenen Schnitt der Ökonomie, neue Proportionen für Leistungseinsatz und Leistungsertrag. Und das Entdecken von Tugenden, welche Sinn, Werte und Verantwortung wieder in unser Bewusstsein rücken.

Fenster zum ParkDie aktuelle Wirtschaftslage erscheint uns von Tag zu Tag frostiger. Wir hören, im nächsten Jahr müssten wir uns warm anziehen. Wohl dem, der ein dickes Fell sein eigen nennt. Heute, am 14. November, lauteten die Schlagzeilen der 12-Uhr-Nachrichten:

»Die Wirtschaft in der Euro-Zone ist zum zweiten Mal in Folge geschrumpft und damit in einer Rezession. — Die Zahl der PKW-Neuzulassungen in Europa ist im Oktober erneut zurückgegangen. — Die Landesbank Berlin ist in den ersten neun Monaten des Jahres in die roten Zahlen gerutscht. — Die Inflationsrate lag im Oktober bei 2,4 Prozent. — Der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder ist heute auf den niedrigsten Stand seit fast dreieinhalb Jahren gefallen. — Das Wetter: Wechselnd bewölkt, meist trocken, Temperaturen sechs bis zwölf Grad.«

Aufatmen: Der Ölpreis sinkt. —

Ich stehe am Fenster und sehe in den Park. Die Luft ist sehr klar und die Sonne wärmt. Die Menschen, die ich draußen auf den Wegen sehe, nutzen ihre Zeit: Sie bewegen sich, sie treffen sich, sie grüßen sich, manche plaudern, andere gehen still und nachdenklich. Keine Spur von Rezession, Schulden oder Inflation, keine Angst, keine Panik, kein Zaudern. Diese Menschen haben sich entschieden: Sie genießen einen Tag, den ihnen das Leben schenkt.

Es liegt in unserer Entscheidung, wie wir unser Leben gestalten, was wir daraus machen, wie wir unser Glück beschreiben. Streben wir nach einem Glück, das sich aus steigenden Aktienkursen nährt, dürfen wir uns nicht beklagen, wenn die Kurse auch einmal ins Bodenlose fallen und uns vielleicht sogar ruinieren. Eine Unternehmensrendite von acht bis zwölf Prozent galt noch vor wenigen Jahren als absolut normal. Wenn heute ein Unternehmen keine fünfundzwanzig Prozent erwirtschaftet, hat das Management versagt und wird von den Shareholdern gefeuert. Ist das normal?

Was wir brauchen, ist ein sectio aurea economica, einen Goldenen Schnitt der Ökonomie. Ideale Proportionen, die das Verhältnis von Leistungseinsatz und Leistungsertrag menschlich definieren. Es ist an der Zeit, unseren Blick vom Fenster der Zahlen abzuwenden und auf Fenster von Sinn, Werten und Verantwortung zu richten. Vielleicht hilft uns dabei die Wiederentdeckung der Tugenden, die seit Jahrhunderten hochgehalten, dennoch immer wieder — bewusst oder unbewusst — vernachlässigt wurden.

DIALOGUS Magazin wird sich im kommenden Jahr thematisch zwölf Tugenden widmen und diese aus unterschiedlichen Anwendungsperspektiven betrachten. Wir wollen zum Nachdenken anregen, zum mutigen Handeln ermuntern und damit eine Zuversicht auf die Zukunft ausdrücken.

Wissen, Handeln und Hoffen — das soll unser Fenster zum Park sein. fini

Wo tragen Sie Verantwortung?

Bär»Unternehmerische Verantwortung und ethische Werte bleiben blasse Theorie, wenn man sie nicht lebt.« So lautet der Leitspruch der Arcandor AG für das bundesweite Projekt Verantwortung tragen, dem sich DIALOGUS Magazin gerne anschließt. Für dieses Projekt wurde ein kleiner Teddy in limitierter Auflage von 500 Exemplaren hergestellt. Auf seinem lindgrünen Wollfilzschal wurde Verantwortung tragen eingestickt. Herausragende verantwortungsvolle Menschen werden mit dem Teddy ausgezeichnet. — Sie können bei dieser Aktion mitmachen: Schreiben Sie einen Kommentar, was es für Sie bedeutet, persönlich Verantwortung zu tragen. Vielleicht erscheint Ihr Beitrag in einem neuen Buch.

4. Dezember 2008 | | , , ,