Leben

Das Glücksspiel: Ein Spiel um welches Glück?

Text: Wolff Horbach

Das Glücksspiel wird meist als Spiel um die Millionen gesehen. Glück hängt jedoch weniger von den zufälligen Chancen ab, deren Mathematik jeder Spieler kennen sollte. Unsere Chancen zum Glück können wir beträchtlich erhöhen, wenn wir etwas für unser Glück tun.

rouletteLotto, Totto, Pferdewetten, Rubellose, Pokern. Der Mensch ist fasziniert vom Glücksspiel. Wöchentlich verzocken Millionen Abermillionen Euro. Und wenn der Lottojackpot 10 Millionen übersteigt, kommen unsere Nachbarn aus den Benelux-Staaten, Dänemark, Polen und der Schweiz, um hier das große Glück zu suchen. Dabei kann man mit Spielen sein Glück tatsächlich steigern – aber anders als die meisten denken.

Zwei Aspekte sind beim Glücksspiel zu unterscheiden: das Spiel zum Zeitvertreib, wie man es in fast jeder Kneipe beobachten kann, und der Spieleinsatz, um durch einen glücklichen Zufall zu viel Geld zu kommen. Gegen das kleine Spiel mit Freunden am Stammtisch, wo es nur um geringe Spieleinsätze geht, hat sicher niemand etwas einzuwenden. Aber wenn Menschen hohe Beträge ausgeben, in der Hoffnung bald ein besseres Leben führen zu können und glücklich zu sein, dann ist doch ein Nachdenken angebracht.

Die Triebkraft für das Glücksspiel ist im Grunde eine falsche Glücksvorstellung. Der bekannte Spruch Geld macht nicht glücklich ist von der modernen Glücksforschung vielfach bestätigt worden. Wenn wir ein Dach über dem Kopf und ausreichend zu essen und zu trinken haben, trägt Geld kaum noch zum subjektiven Wohlbefinden bei. Millionäre sind nicht viel glücklicher als Hartz-IV-Empfänger, obwohl letztere das sicher heftig bestreiten werden.

Das Spiel mit der Wahrscheinlichkeit

Mathematik genießt bei vielen Menschen keinen guten Ruf. Erinnerungen an trockenen und abstrakten Stoff aus der Schule lässt viele angewidert davonlaufen. Dabei sollte jeder Glückspieler seine Chancen kennen. Ohne Mathematik und Statistik geht das nicht. In einem jiddischen Witz ist die Wahrscheinlichkeit noch sehr einfach:

Jedes Wochenende betet Jossele zu Gott: »Gib, dass ich gewinn die Lotterie!« Seit Jahren geht das schon so. Am zwanzigsten Jahrestag fällt er wieder auf die Knie und fleht zum Himmel: »Gib, dass ich gewinn die Lotterie!« Plötzlich ist der Raum hell erleuchtet und Jossele hört eine Stimme: »Jossele, Jossele, gib mir a Chance, kauf dir a Los!»

Wenn Jossele sich kein Los kauft, ist die Wahrscheinlich zu gewinnen, gleich Null. Würde Jossele in Deutschland Lotto spielen, wäre die Wahrscheinlichkeit für einen Sechser gleich 1 zu 14 Millionen. Die Wahrscheinlichkeit, den Jackpot zu knacken, ist noch um Faktor 10 geringer, nämlich 1 zu 140 Millionen. Trotz der extrem geringen Chance, werden die Lottoannahmestellen bei einem hohen Jackpotbetrag regelrecht gestürmt.

Ihr Einsatz bitte

Die Gewinnchance reicht aber alleine nicht aus, um ein Glücksspiel zu beurteilen. Man muss auch die Einsätze und Gewinnquoten beachten. Recht fair erscheint uns das Roulette-Spiel: Auf dem Spielfeld gibt es die Zahlen 1 bis 36. Wenn man auf Zahl setzt, bekommt man den Einsatz im Gewinnfall 36fach zurück. Das sieht doch recht gut aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine der Zahlen 1 bis 36 fällt ist 1:36 und der Gewinn 36:1. Das wäre total ausgeglichen 36:36, wenn es nicht einen kleinen Haken gäbe – die Zahl 0 (Zero). Die Null zählt wie alle anderen Zahlen auch und vermindert damit die Quote auf 36:37. Ein kleiner Vorteil für die Spielbank, die damit aber jährlich viel Geld verdient.

Beim Lottospiel sieht es schon sehr viel ungünstiger aus. Hier wird nur die Hälfte der Einsätze wieder ausgespielt. Die Quote beträgt also nur 50:100. Mit anderen Worten: Wer oft Lotto spielt, erhält maximal die Hälfte der Einsätze zurück. Man kann sich aber damit trösten, dass die staatlichen Lottogesellschaften die hohen Überschüsse gemeinnützigen Zwecken zuwenden. Lottospielen ist somit eine Form von freiwilliger Steuer.

Achtung: Suchtgefahr

Man könnte den Glückspielen gelassen zusehen, wenn sie nicht eine fatale Wirkung hätten – die Gefahr, süchtig und abhängig zu machen. Dostojewski beschrieb in seinem Roman Der Spieler eindrücklich, wohin das führen kann: Beziehungen und Freundschaften werden zerstört, Existenzen ruiniert, Spott und Verachtung sind die Folge. Am Ende bleibt keine Hoffnung – es sei denn, wir erwarten das Glück nicht von außen, sondern suchen es in uns selbst. Und das kann sehr wohl spielerisch geschehen.

Luck vs. Happiness

Wir haben in Deutschland ein Problem mit dem Begriff Glück, weil wir ihn für zwei völlig verschiedene Dinge verwenden. Unsere Freunde in England und den USA können da besser unterscheiden: Sie sprechen von luck, wenn unerwartet etwas Positives geschieht. Sind sie dagegen in einem glücklichen Zustand, so nennen sie dies happiness. Luck kommt von außen, happiness ist das innere, positive Empfinden, das tolle Gefühl. Glücksforscher sprechen auch von dem subjektiven Wohlbefinden.

Obwohl Glück haben, im Sinne von luck, sehr vom Zufall abzuhängen scheint, sind die Chancen nicht so ganz willkürlich. Menschen, die in ihrem Leben viel Glück haben, tun eine Menge dafür, ihre Chancen zu erhöhen. Beim Kauf des Lotterieloses ist das offensichtlich. Aber auch in vielen anderen Lebensbereichen ist das so: Wer nur zu Hause herumsitzt und nie auf Partys geht, kann kaum erwarten, den Traumpartner zu finden. Wer sich nie bewirbt, wird keinen Job erhalten. Das sind keine Garantien für Glück, aber die Wahrscheinlichkeit für glückliche Umstände steigt beträchtlich an.

Homo ludens

Zu den Grundbedürfnissen des Menschen gehört das Spiel. Daher wurde der Mensch sogar homo ludens genannt (lateinisch: der spielende Mensch). Das Spiel setzt Kreativität und Energie in uns frei. Im Wettkampf oder auch im friedlichen Miteinander sind wir geneigt, Neues auszuprobieren – zu spielen. Heute wird sogar das Spielen können als eine wesentliche Managerfähigkeit angesehen. Kreativität ist eine wichtige Eigenschaft, um Innovationen zu erschaffen.

Mit dieser Art von Spieltrieb können wir uns unserem Glück nähern – spielerisch so zu sagen. fini

Roulette | © morguefile.com

Veröffentlicht am 03. April 2008

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