Frohes, neues Jahr?

Eisstufen Machen wir uns nichts vor und sprechen wir es ruhig aus: Es gibt kein »neues Jahr«. Das Neue ist eigentlich das Alte. Wir orientieren uns am Neuen, weil wir uns selbst und unsere Zeit von den vorangegangenen Zeiten und Generationen nicht anders unterscheiden können. Wir leben in einem Strom der Zeit, der für die Welt anfang- und endlos ist. Das Neue, und damit auch das neue Jahr, ist eine Konvention, eine Zeiteinheit, eine Erfindung von uns Menschen, nicht eine der Natur.

Das vermeintlich neue Jahr ist schon alt, bevor wir es überhaupt erkennen. Denn es ist, von der ersten Sekunde an, gefüllt, ja, überfüllt, mit all dem Müll, den Sorgen, Nöten und Lasten, die wir seit Jahren und Jahrzehnten mit uns herumschleppen. Da helfen auch erneut vorgebrachte Vorsätze und Wünsche nichts. Hand aufs Herz: Wann haben Sie die schönen neuen Vorsätze länger als einen Tag lang durchgehalten? Und all die vielen Gesetze und Verordnungen, die mit pünktlicher Regelmässigkeit an einem 1. Januar in Kraft treten, — diese halten nur die Illusion aufrecht, es gehe aufwärts, alles werde gerechter, besser. Mitnichten.

Wirklich neu wäre ein Jahr dann, wenn es blank, völlig leer und unbelastet vor uns hintreten würde. Wenn wir die Chance hätten, bei Null anzufangen, erneut unser Glück zu versuchen, es diesmal ganz anders, besser zu machen. Wenn wir mit frohem Mut in den neuen Zeitabschnitt gehen könnten. Ja, dann würde es auch Sinn machen, uns ein »frohes, neues Jahr« zu wünschen. Aber so … fini

2. Januar 2012 | | , ,

Kommentare: 2

  • 1. R. Pink  |  02. Januar 2012 12:48

    Dennoch: Ein gutes, wenn auch kein neues Jahr ;-) wünsche ich dir, Joachim!
    Ruth

  • 2. Joachim Zischke  |  02. Januar 2012 13:21

    Liebe Ruth,

    herzlichen Dank für das »gute Jahr«. Gerne wünsche ich dir beste Gesundheit und viel Erfolg.

    Apropos: Können Jahre wie Wein reifen? —

    Joachim

Nach oben