Carnevale di Venezia
Text: Joachim Zischke
La Serenissima, die “Allerdurchlauchtigste” zeigt im Karneval den Prunk historischer Gewänder, barocker Perücken und extravaganter Masken. Anders als in Rio oder Köln, lebt Venedig ganz im Zeichen von “eleganza” und betonter “opulenza”. Spannend zu erfahren, was in vergangenen Jahrhunderten über den Carnevale berichtet wurde und dabei in den Notizbüchern manch Frivoles zu entdecken.
»Vom Karneval in Venedig ist überall die Rede. Die grösste Zerstreuung bietet zu dieser Zeit hier die Maskierung, wie übrigens auch zu anderen Festen. Die Venezianer – von Natur aus festlich gestimmt – lieben es, sich in die Massen und Vergnügungen derartiger Anlässe zu stürzen und dabei ihre Identität hinter Vermummungen zu verbergen. In der Tat sind sie ja vor die Notwendigkeit gestellt, Zerstreuungen ausfindig zu machen, die der Natur ihres Wohnortes entsprechen und sie für die entgangenen Vergnügungen der Landbewohner entschädigen. Diese Verkleidungen eröffnen jede Gelegenheit für eine Unmenge an Liebesabenteuern, denn die Amouren von Venedig sind intrigenreicher als in irgend einem anderen Land.«
Joseph Addison (1672-1719), Remarks on several Parts of Italy

Composing 1 | © Maks Dannecker
»Es war mir die Lust angekommen mir einen Tabarro mit den Apartinentien anzuschaffen, denn man lauft schon in der Maske. Hernach dauerte mich aber das Geld und bin ich ihnen nicht schon Maske genug? ich will mir dafür einen Vitruv kaufen und mir eine Freude bereiten die auch ausser Venedig und dem Carneval dauert.«
Johann Wolfgang Goethe, Tagebuch, 4. Oktober 1786
«Die venezianische Maske besteht in einem Mantel von schwarzer Seide, wie die Abbeemäntel, die Bürger tragen sie auch von rothem oder grauen Tuch, weil sie dauerhafter sind. Auf dem Kopfe trägt man eine Bahute oder Kappe, welche den Kopf bis ans Kinn bedeckt, und bis über die Schulter hinab geht. Das Gesicht ist mit einer weissen Wachsmaske bedeckt, welche bis auf den Mund geht, und man setzt einen weissen Federhut dazu auf, um sie fest zu halten … Dieses ist die allgemeine Tracht beyderley Geschlechts, man unterscheidet die Frauenspersonen nur an den unter dem Mantel hervorragenden Röcken.«
Johann Jacob Volkmann, Historisch-kritische Nachrichten von Italien, 1770/71

Composing 4 | © Maks Dannecker
»Die Venezianerinnen sind gewiss reizende Geschöpfe und ganz gemacht zur Wollust … So bald sie nur einen Jüngling ansehen, scheint eine bräutliche Schaamröthe um ihren Mund herum in einem wollüstigen Lächeln aufzugehen, als ob man sie schon vor dem Bett halb entkleidet vor sich hätte. Alles stimmt bey ihnen auf den Hauptzweck, die Wollust, bis auf ihre Gondeln, die die vollkommenste Lage zum bequemsten Genuss anbieten; einen weichen Polster für den Hintern, der den Wollusttheilen völligen Raum und alle Freyheit lässt, und zwey Bänke daneben, die Beine darauf auszubreuten. Jeder Ruck des Gondelführers mit dem Ruder ist ein Wolluststoss.«
Wilhelm Heinse, Tagebuch einer Reise nach Italien, 3. August 1783

Composing 3 | © Maks Dannecker
»Annunziata musste die prächtigsten Kleider anlegen, und von Ratsherren umringt, von Edelknaben und Trabanten begleitet, wandelte Falieri über den vom Volk überströmten Markusplatz. Man stieß und drängte sich halb tot, um die schöne Dogaressa zu sehen, und wem es gelang, sie zu erblicken, der glaubte, er habe ins Paradies geschaut und das schönste Engelsbild sei ihm strahlend und herrlich aufgegangen …«
E.T.A. Hoffmann, Doge und Dogaresse, 1818

Veröffentlicht am 07. Februar 2008