Weltmarktführer aller Zeiten
Eigentlich hatte ich ja vor, wegen des besonderen Anlasses zum Jahresende — Sie wissen sicherlich, was ich meine — nun auch, wie viele Liebhaber vor mir, in einen jener Apparate zu investieren, die auf sanften Knopfdruck hin herrlichen Cappuccino und köstliche Latte macchiato produzieren.
Ausgesucht hatte ich mir das Spitzenmodell der Sonderklasse eines schweizerischen Herstellers, der sich so nennt, wie der Gebirgszug, der das westliche Rheintal begrenzt.
Ich wollte endlich mein Herz höher schlagen lassen und mich als anspruchsvollster Kaffeeliebhaber vom kompletten Spektrum des Kaffeegenusses auf allerhöchstem Niveau verführen lassen. Vielseitig, einfach und individuell — so wie ich eben bin.
Ich gebe es gerne zu: Mich reizte die stilvoll inszenierte Tassenbeleuchtung. Nicht zu vergessen das Gardemaß der weltweit einzigartigen 153 mm für den Cappuccinoauslauf. Auch, dass die markanten Linien der Apparatur die Form der Kaffeebohne aufgreifen. Und dann natürlich das Fluidsystem, das die Kaffeespezialitäten in bernsteinfarbenem Amber und Milchspezialitäten in strahlendem Weiß erblicken lässt, und das sogar ohne Tassenverschiebung. Beinahe hätte ich den patentierten Zero-Energy- und den Rotary-Switch vergessen.
Ja, das wollte ich wirklich endlich alles besitzen. Ich wünschte mir Genuss in Vollendung und dass meine Kaffeeträume wahr würden: Luxus, Eleganz und Souveränität in Reinkultur.
Doch dann begegnete ich in einer Anzeige für eben jene von mir auserwählten Maschine Roger F., Nummer 1 der Tennis-Weltrangliste, 15-facher Grand-Slam-Gewinner, erfolgreichster Tennis-Champion aller Zeiten. Nein, mit diesem Mann konnte und wollte ich mich nicht messen. Und schon sah ich meine avisierte vierstellige Investition in einer völlig anders inszenierten Beleuchtung. Wollte ich mich mit diesem Mann auf eine Stufe stellen und wirklich, wie er, für alle Zeiten meinen Kaffeegenuss aus dem typgleichen Gerät beziehen?
Nein, da bin ich dann doch einfach zu individuell.
