Probleme sind getarnte Chancen
Text: Joachim Zischke
Über den Umgang mit Problemen
Ein Problem muss nichts Negatives sein. Es bedeutet eine Chance für uns, Neues zu lernen, in unseren Fähigkeiten und Fertigkeiten zu wachsen. Wie erfolgreich wir ein Problem lösen, hängt auch von unserer inneren Einstellung und den Fragestellungen ab, mit denen wir an das Aufgabenlösen gehen.

Der Lösung ist es egal, woher das Problem kommt«, las ich neulich schmunzelnd. — Probleme empfinden wir häufig als lästig, sie behindern und verunsichern uns. Besser, wir haben keine Probleme und leben dadurch entspannter und zufriedener. Doch ist dem wirklich so? Wo wären wir Menschen heute, gäbe es keine Probleme?
Probleme bieten uns die Chance, unsere Fähigkeiten und Fertigkeiten zu verbessern und zu erweitern. Ein Gewichtheber wird seine Muskeln nicht vergrössern, wenn er nur Gewichte benutzt, die er mit Leichtigkeit heben kann. Erst durch Ausdauer und Anstrengung und dadurch, dass er bis an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit geht, wird er die Ergebnisse erzielen, der er sich wünscht.
»Ein Problem zu lösen, heißt sich vom Problem zu lösen.«
Empfinden wir Probleme als eine Last, vor der wir uns am liebsten drücken, sie anzupacken, werden wir uns schwer tun, sie zu lösen. Wir werden durch das Gewicht der Probleme nicht stärker oder besser, sondern eher nieder gedrückt, missmutig, vielleicht sogar depressiv. Es geht daher zunächst darum, unsere Einstellung zu Problemen zu überdenken und sie bei Bedarf zu ändern.
Ersetzen Sie das Wort Problem durch das Wort Aufgabe.
Wenn Sie von Problemen sprechen, haben Sie ein Problem. Es gleicht einem Gewicht auf Ihren Schultern, das negative Gefühle und Bilder in Ihnen aufleben lässt. Wenn Sie dagegen von einer Aufgabe sprechen — wie fühlt sich das an? Klingt das nicht nach einer Chance, einer Herausforderung, die es zu meistern gilt? Fühlen Sie die Neugierde, den Wunsch, Neues zu lernen, über sich selbst hinaus zu wachsen? Im Wort Problemlösen stecken Schwierigkeiten, im Wort Aufgabenlösen Ziele.
Ändern Sie Ihre Einstellung gegenüber Aufgaben.
Die Bedeutung, die wir einer Aufgabe beimessen, entscheidet darüber, wie entspannt oder belastet wir an eine Lösung herangehen. Wenn Sie beispielsweise intensiv darüber nachdenken, warum gerade Sie sich mit der Aufgabe beschäftigen müssen, werden Sie sich mehr auf die Aufgabe statt auf die Lösung der Aufgabe konzentrieren. Sehen Sie Aufgaben als die Möglichkeit, unbekannte Inseln zu entdecken und als erfolgreicher Forscher berühmt zu werden.
Ändern Sie die Fragestellungen.
Die Fragen, die wir uns stellen, lenken unsere Aufmerksamkeit. Sie geben unserem Denken eine bestimmte Richtung. Wenn wir in die richtige Richtung denken, die richtigen Fragen stellen, dann erhalten wir auch die Antworten, die wir suchen.
Nicht immer ist es hilfreich, ein Problem detailliert zu analysieren. Häufig ist es sinnvoller zu fragen: Worin liegt das Ziel? Was sind die Perspektiven, gibt es Alternativen? Oder: Was ist gut an diesem Problem? Was ist daran lustig, was überrascht mich? Was kann ich daraus lernen?
Fragen sind die Quelle von Antworten. Stellen Sie sich neue, ungewohnte Fragen. Stellen Sie Fragen, die Sie animieren über Lösungen, statt über den Inhalt der Aufgabe nachzudenken. Tipp: Stellen Sie sich die Wunderfrage:
»Während ich heute Nacht schlafe und es ganz ruhig ist, geschieht ein Wunder. Das Wunder besteht darin, dass das Problem, das ich habe, gelöst ist. Allerdings weiß ich nicht, dass das Wunder geschehen ist, weil ich ja schlafe. Wenn ich also morgen früh aufwache, was wird dann anders sein, das mir sagt, dass ein Wunder geschehen ist und das Problem gelöst ist?«
Nach Steve de Shazer
Stellen Sie sich den Aufgaben.
Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Wenn Sie vor einem Problem stehen, nehmen Sie es an. Begreifen Sie das Problem als Aufgabe, sich zu bewähren, Ihren Erfahrungs- und Wissensschatz zu erweitern. Betrachten Sie die Aufgabe nüchtern, so wie sie ist. Interpretieren Sie nicht Sachverhalte in die Aufgabe hinein, die, objektiv betrachtet, nicht vorhanden sind. Versuchen Sie, die Chance zu entdecken, die in der Aufgabe verborgen ist. Gehen Sie mit Mut und Entschlossenheit an die Aufgabe heran. Und tun Sie alles, um die Aufgabe auch zu Ihrer Zufriedenheit zu erledigen.
Entwickeln Sie die Sicherheit, mit jedem Problem umgehen zu können.
Neue Aufgaben melden Sie nicht immer vorzeitig an. Rechnen Sie also mit Aufgaben, die Sie vor neue Herausforderungen stellen. Überlegen Sie, welche Aufgaben auf Sie zukommen könnten. Entwickeln Sie dann Pläne, wie Sie mit ähnlichen künftigen Aufgaben umgehen. Eine Möglichkeit, zur inneren Sicherheit und Gelassenheit zu gelangen, liegt in Ihren vergangenen Erfahrungen, bei denen Sie erfolgreich Aufgaben lösten. So wie Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die richtige Fragestellung richten, so lenken Sie Ihre Erinnerung auf die positiven Situationen Ihres Lebens. Gehen Sie fünf oder zehn Jahre zurück und sehen Sie sich Ihre Erfolgsfilme noch einmal an. Die positiven Erfahrungen sind es, die Sie darin bestärken, auch mit zukünftigen Problemen fertig werden zu können. 
Veröffentlicht am 04. September 2008