Wege zur einer erfolgreichen Führung
Text: Ruth Pink
Führung im 21. Jahrhundert
2. Teil
Was sollen beispielsweise young professionals beachten, wenn sie zum ersten Mal eine Führungsposition übernehmen? Was sind die häufigsten Fettnäpfchen, in die eine Führungskraft treten kann und wie kann sie souverän damit umgehen? Wie kann man Burnout vorbeugen? Ruth Pink beantwortet im prägnanten Fragen-Antworten-Stil, Fragen, die ihr von (jungen) Führungskräften in Seminaren und Einzelcoachings häufig gestellt werden.
1. Wie soll ich mich verhalten, wenn ich Chef von ehemaligen Kolleginnen und Kollegen werde?
Es ist geschafft: Sie haben die Karriereleiter erklommen und sind Chef geworden! Der ehemalige Kollegenkreis ist teilweise erfreut, teilweise skeptisch, hin und wieder werden Sie auch mit Neid oder Ablehnung konfrontiert. Was immer Ihnen auch widerfährt, so sollten Sie bedenken: Sie haben zwar jetzt eine andere Rolle im Unternehmen, sind jedoch kein anderer Mensch geworden. Verzichten Sie auf vollmundige Versprechungen und konzentrieren Sie sich stattdessen auf Ihre neuen Sachaufgaben. Wenn Skepsis und Widerstand auftreten, dann sprechen Sie dies offen an – sowohl im Team als auch in Einzelgesprächen.
2. Welche Anfangsfehler sollte ich auf alle Fälle vermeiden?
In einem neuen Führungsjob möchte man meist rasch beweisen, dass man die richtige Person am richtigen Platz ist. Verständlich. Doch so schwer es auch fällt: Schrauben Sie Ihr Tempo etwas herunter. Führen Sie viele Gespräche und versuchen Sie zunächst einmal die formellen (und informellen) Strukturen des Unternehmens zu erfassen. Machen Sie sich bewusst, dass Sie die vorgegebenen Strukturen nicht in einer Hauruck-Aktion ändern können/müssen – auch wenn Sie viele neue Ideen haben und am liebsten sofort einige Dinge umkrempeln möchten. Unterbreiten Sie erst dann erst kluge Vorschläge und Ratschläge, wenn Sie fundierte Eindrücke gewonnen haben.
3. Die ersten 100 Tage im Führungsjob: Was ist zu tun?
Sicherlich werden Sie in das eine oder andere Fettnäpfchen treten – das ist niemals gänzlich auszuschließen. Wer jedoch primär ängstlich darauf bedacht ist, Fehler zu vermeiden, wird sich in seinem Engagement zurücknehmen. Statt nach vermeintlichen Fallen Ausschau zu halten, sollten Sie sich auf Ihre Stärken konzentrieren und das Gespräch mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Kunden suchen. Erkundigen Sie sich nach den firmeninternen Prozessabläufen, registrieren Sie Wünsche und Einschätzungen und bilden Sie sich dann eine eigene Meinung. Dies ist und bleibt die Grundlage für gute, verantwortungsvolle Managemententscheidungen.
4. Wie schaffe ich es, aus einer Gruppe ein Team zu machen?
Menschen, die zusammenarbeiten, sind erst einmal eine bunte Gruppe. Zu einem Team werden Sie erst dann, wenn es gelingt, gemeinsame Arbeitsziele zu definieren und umzusetzen. Mein Tipp: Diskutieren Sie als Führungskraft offen mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Projektziele und die Anforderungen, die an jede Person gestellt werden. Schaffen Sie sich ein Meinungs- und Zustandsbild von Ihrem Team und gehen Sie hin und wieder gemeinsam in Klausur – mit Unterstützung von externen Moderatoren/Beratern. Sie haben keine Zeit für solche Aktivitäten, da das Tagesgeschäft alle Energien frisst?
Die Antwort steckt in folgender Geschichte:
»Ein Mann sägte Holz für seinen Kamin. Die Säge war stumpf, aber den Mann störte dies nicht weiter. Er sägte und sägte, schwitze, stöhnte und fluchte. Ein Bekannter, der vorbeikam, staunte und sagte: Warum nimmst Du nicht ein neues Sägeblatt? Dann wirst Du sicher schneller fertig und musst Dich nicht so abmühen. Ich habe keine Zeit dafür, meinte der Mann.«
5. Wie kann ich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motivieren?
Gute Führungskräfte wissen, dass alle Motivationsmittel – seien es materielle oder immaterielle Anreize – stets nur zeitlich bedingt wirken. Dennoch gehört es zu den zentralen Managementaufgaben, Beschäftigte zu motivieren, sie zu fordern und zu fördern. Dabei sind Kreativität und Kommunikationskompetenz gefragt. Ein verbales Lob, ein anerkennendes Schulterklopfen, eine Dankes-Mail oder auch die offene Frage Was motiviert Dich eigentlich? können kleine Wunder bewirken und Motivationsschübe freisetzen. Dazu muss man jedoch die Teammitglieder (etwas) kennenlernen, um zu wissen, wie man sie individuell unterstützen kann.
6. Wie kann ich mit schwierigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umgehen?
Schwierigen Zeitgenossen kann man auf Dauer nicht aus dem Weg gehen. Schwätzer, Nörgler und Besserwisser gibt es überall. Gerade Führungskräfte sollten sich mit diesen Personen auseinandersetzen und dabei ihre Kommunikationskompetenz beweisen. Bereiten Sie sich auf schwierige Gesprächssituationen gezielt vor. Versuchen Sie, das unangenehme Gespräch vor Ihrem geistigen Auge durchzuspielen, vielleicht sogar einen Probelauf in Form eines Rollenspiels durchzuführen. Machen Sie sich schriftliche Notizen über die wichtigsten Punkte, die Sie ansprechen müssen und überlegen Sie, welche Lösungen denkbar wären, um in Zukunft bestimmte Fehler oder Misserfolge zu vermeiden. Diese Aufzeichnungen sollten Sie dann auch im Gespräch als Gedächtnisstütze verwenden. Der Vorteil: Sie vergessen keine wesentlichen Kritikpunkte und zeigen gleichzeitig Ihre Fairness und Souveränität im Umgang mit dem Gesprächspartner. Auch Einzelcoachings können hilfreich sein, um Führungskräfte auf schwierige Kommunikationssituationen vorzubereiten.
7. Wie kann ich Burnout vermeiden?
Gerade junge Führungskräfte neigen dazu, sich auszupowern und wenig auf ihre körperliche Befindlichkeit Rücksicht zu nehmen. Oft stellen sie dabei nicht nur im Job, sondern auch in ihrer Freizeit hohe Anforderungen an sich selbst. Um erst gar nicht in die Burnout-Falle zu geraten, sollte man rechtzeitig dem Berufs- und Freizeitstress vorbeugen. Nehmen Sie sich in regelmäßigen Abständen eine kurze Auszeit vom Alltag, indem Sie spazieren gehen, Musik hören oder einfach nur schlafen. Achten Sie vor allem auf ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung – ohne sich dabei ständig unter Leistungsdruck zu setzen. Auch ein mehrwöchiger Urlaub tut gut, um die eigenen Kraftreserven wieder zu mobilisieren. Und letztendlich gilt: Arbeit ist nicht das ganze Leben. Wer neben dem Beruf auch noch ein gutes Privatleben pflegt (Stichwort: Work-Life-Balance), ist für Burnout kaum gefährdert.
8. Wie kann ich meine individuelle Rhetorik verbessern?
Unser individuelles Sprachverhalten hat sich oft im Laufe von Jahren verfestigt; daher fällt es uns oft schwer, die eigene Sprache zu modifizieren. Rhetorische Vorbilder können uns zwar als Orientierung dienen, dennoch wirken wir dann am überzeugensten, wenn wir authentisch sprechen. Um dies herauszufinden, können Sie beispielsweise Ihre Stimme per Diktiergerät aufnehmen. Hören Sie genau hin: Welche Worte verwenden Sie häufig? Sprechen Sie klar und deutlich? Bilden Sie eher kurze oder eher längere Sätze? Benutzen Sie häufig Beispiele bzw. Metapher oder verwenden Sie meist Zahlen und Fakten? Neben dieser individuellen Analyse kann auch ein Rhetorikseminar eine interessante, aufschlussreiche Erfahrung sein. Hier erhalten Sie Feedback von anderen und können dann entscheiden, welche Anregungen Sie künftig berücksichtigen möchten.
9. Was sollte ich als Führungskraft beachten, wenn ich Meetings moderiere?
Die wichtigsten Aufgaben einer Moderation sind die drei Wächterfunktionen time (Zeit), theme (Thema), team (Gruppe). Das bedeutet, dass eine gute Moderation sowohl für die Einhaltung der Sitzungsdauer, die Themendiskussion als auch für die Einbeziehung aller Beteiligten verantwortlich ist. Wie jede Managementtätigkeit, so ist auch Moderation mit Training und Routine verbunden. Gehen Sie also nicht zu hart mit sich um, wenn Ihre ersten Meetings noch etwas chaotisch und unstrukturiert verlaufen. Nur Übung macht den Meister oder die Meisterin. Reflektieren Sie Ihre Moderationskompetenz, indem Sie sich von externen Trainern/Coaches Feedback einholen, entsprechende Fachbücher lesen oder Weiterbildungsmaßnahmen besuchen.
10. Wie kann ich in der Alltagsroutine meine Kreativität bewahren?
Zunächst ist es wichtig, das Thema Kreativität nicht aus den Augen zu verlieren. Führungskräfte sollten sich in Kreativtechniken schulen und trainieren lassen, damit diese Methoden zum selbstverständlichen Bestandteil ihres Management-Know-hows werden. Kreativmethoden bringen Pepp und Abwechslung in die Teamarbeit, und Sie als Teamleader können dabei mit gutem Vorbild vorangehen. So können Sie beispielsweise sich selbst immer wieder dazu animieren, vertraute Blickwinkel zu verändern. Diskutieren Sie beispielsweise mit Menschen, die in anderen Berufsfeldern tätig sind oder pflegen Sie bewusst ein Hobby, das nichts mit Ihrem Job zu tun hat. Auch verrückte Fragen können neue Perspektiven eröffnen, etwa: Was ist das Positive an diesem Problem? Wie würde ich die Aufgabe lösen, wenn ich statt Ingenieur ein Grafiker oder ein Musiker wäre? 
Liebe Leserin, lieber Leser,
sind Sie vielleicht beim Lesen dieses Artikels auf Fragen gestossen, die nicht beantwortet wurden? DIALOGUS Magazin bietet Ihnen die Chance, Ihre persönlichen Führungsfragen in einem 2-stündigen Coaching direkt mit der Autorin Ruth Pink und dem Herausgeber und Chefredakteur Joachim Zischke zu klären. Treffen Sie beide zu einem kostenlosen Gespräch in Fulda. Was Sie tun müssen? Bewerben Sie sich bis zum 15. Mai 2008 über das Kontaktformular und nennen Sie uns Ihre ganz individuellen Führungsfragen. Das Los wird entscheiden, wer uns in Fulda treffen kann. Mit ein wenig Glück begrüssen wir Sie schon bald in der hessischen Bischofsstadt. Der Rechtsweg ist, wie immer, ausgeschlossen.
Themenartikel:
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Kommunikation und Kreativität — Schlüsselkompetenzen der Zukunft
MF
Veröffentlicht am 01. Mai 2008