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Informationskompetenz versus Informationsflut

Text: Joachim Zischke

Informationskompetenz gilt als eine der Schlüsselqualifikationen in der modernen Informationsgesellschaft. Beim information handling stossen wir auf vier Problembereiche: Menge, Zeit, Qualität und Kommunikation. Dieser Artikel gibt Anregungen und Tipps, Hindernisse in den Griff zu bekommen und mit der Informationsflut gelassener umzugehen.

Informationskompetenz gilt als eine der soft skills in der modernen Gesellschaft und wird als ein entscheidender Erfolgsfaktor in Studium, Forschung, Lehre und Beruf angesehen. Ursprünglich tauchte der Begriff (engl. information literacy) in den 1970er Jahren im englischen und amerikanischen Bibliothekswesen auf. Man erkannte, dass aufgrund der ständig wachsenden Informationsmenge, besondere Fähigkeiten im Umgang mit Informationen erforderlich sind.

Was bedeutet Informationskompetenz? Wir lesen:

  • Umgang, Bewertung, Filterung und Präsentation von Information. [1]
  • Unter Informationskompetenz versteht man die Fähigkeit, Informationen aus dem Internet, aus Bibliotheken, Zeitungen, Zeitschriften und Rundfunk- und Fernsehen gezielt auszuwählen und sie in den persönlichen Kontext zu stellen. [2]
  • Informationskompetenz, als wichtige Qualifikation für die gelingende Arbeit mit neuen Medien, bezieht sich auf die Fähigkeit aus der Fülle der verfügbaren Informationen, die für den jeweiligen Handlungszusammenhang relevanten selektieren, sowie bewerten und auch präsentieren zu können. [3]
  • Informationskompetenz beschreibt die Fähigkeit, die es ermöglicht, bezogen auf ein bestimmtes Problem Informationsbedarf zu erkennen, Informationen zu ermitteln und zu beschaffen sowie Informationen zu bewerten und effektiv zu nutzen. [4]

Informationskompetenz bedeutet also die Aneignung der folgenden Fähigkeiten:

Informationskompetenz
• Die Fähigkeit einen Informationsbedarf zu erkennen.
• Die Fähigkeit zur Lokalisierung von Informationen.
• Die Fähigkeit zur Organisation von Informationen.
• Die Fähigkeit zur zielgerichteten Selektion von Informationen.
• Die Fähigkeit zur zweckoptimierten Gestaltung und Präsentation.

Wenn wir uns nun diese Informationskompetenz aneignen oder sie stärken wollen, stehen wir unweigerlich vier Hindernissen gegenüber, die wir in unseren Umgang mit Informationen mit einbeziehen müssen:

Das Hindernis der Menge

Wir erleben heute die typische Situation der Informationsarmut im Informationsüberfluss. Uns stehen unendlich viele Informationen zur Verfügung, uns erreicht täglich eine neue Flutwelle der Informationen. Jedoch befindet sich häufig nicht diejenige Information darunter, die wir zur Lösung unserer aktuellen Aufgabe benötigen. Gehen wir auf die Suche nach bestimmten Informationen, stehen wir schnell einem unbezwingbaren Berg von Informationen gegenüber, und sind dann so schlau wie zuvor. Das Mengenproblem lösen wir nur durch konsequentes Filtern, Verdichten und Kanalisieren des immerfort strömenden Informationsflusses.

Tipps
  • Reduzieren Sie im Sinne von zero-based budgeting die Anzahl der Zeitungen, Zeitschriften und internen Verteiler auf das benötigte Minimum. Im privaten Umfeld könnte das bedeuten, dass Sie den Fernseh-Konsum auf das wirklich sehenswerte Angebot beschränken.
  • Lesen Sie gezielter und selektiver.
  • Lernen Sie, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Verwenden Sie aufgrund dieser Unterscheidung verschiedene Lesetechniken, wie zum Beispiel das Speed Reading für diagonales Lesen oder die Methode SQ3R – Survey (Übersicht gewinnen), Question (Fragen formulieren), Read (Lesen), Recall (Erinnern), Review (Prüfen) für intensives Lesen.
  • Nutzen Sie moderne Angebot und Werkzeuge, um mehr in die Tiefe als in die Breite der Informationen vorzudringen: Pressespiegel, personalisierte Nachrichtendienste oder Anbieter von abstracts, also komprimierte Buchinhalte in schnell lesbarer Form.
  • Weichen Sie bei Internet-Recherchen auf Metasuchmaschinen aus, die Werbe-Einblendungen und Shop-Angebote ausklammern.
  • Erlernen Sie Visualisierungstechniken, um Informationen schneller zu erfassen und verstehen zu können.

»I recommend you to take care of the minutes, for the hours will take care of themselves.« [5]

Das Hindernis der Zeit

Die zunehmende Dynamik in unserem Leben sorgt für einen relativen Mangel an Zeit. Kaum gedruckt, ist die Zeitung schon veraltet. Es sind jedoch nicht die Informationen, die uns Zeit stehlen, sondern unser Verhalten, wieviel Zeit wir den Informationen in unserem 24-Stunden-Tag einräumen. Wir verbringen oft mehr Zeit damit, nach vermeintlich neuen Informationen zu suchen, statt die vorhandenen, bekannten auszuwerten und anzuwenden. Informationskompetenz bedeutet in diesem Sinne das disziplinierte Zeiteinteilen und konsequente Umsetzen dieser Zeiteinteilung.

Tipps
  • Setzen Sie sich eine feste Zeitspanne, die Sie zum Lesen und Fernsehen nutzen wollen. Halten Sie sich an diese Zeitvorgabe.
  • Konzentrieren Sie sich bei der Aufnahme von Informationen auf die Inhalte, für die Sie sich tatsächlich interessieren. Lassen Sie sich nicht von Ihren Zielen ablenken. Vermeiden Sie channel hopping beim Fernsehen.
  • Bündeln Sie bestimmte Aktivitäten, wie beispielsweise das Lesen und Beantworten von eMails oder Korrespondenz, zu festgelegten Zeitintervallen.
  • Räumen Sie Kollegen oder Mitarbeitern feste Zeitkorridore ein, in denen Sie ihnen für einen Informationsaustausch bereitstehen.

Das Hindernis der Qualität

Die Qualität einer Information betrifft zwei Bereiche:

  • die Zuverlässigkeit einer Information und
  • den Inhalt einer Information.

Die Frage Woher wissen wir, ob eine Information zuverlässig ist? muss beantwortet werden, bevor eine Information als Grundlage weitreichender Entscheidungen genutzt wird. Das lässt sich durch eine sorgfältige Auswahl der Quellen beantworten. Auch durch die Überprüfung verschiedener Quellen zur gleichen Informationsfrage, können Fehlinformationen rechtzeitig aufgedeckt werden.

Die inhaltliche Frage betrifft die Struktur und den Gehalt von Informationen. Viel Zeit wird häufig darauf verwendet, die entscheidenden Aussagen in einem Wust von irrelevanten Informationen aufzuspüren.

Tipps
  • Achten Sie genau auf die Motive, die hinter einer Information stehen und die Signale, welche auf die Qualität der Information deuten.
  • Ermuntern Sie Kollegen, Mitarbeiter und Geschäftspartner auf die Qualität der Informationen zu achten.
  • Legen Sie Wert auf kompakte, gut strukturierte Informationen. Idealerweise genügen Zusammenfassungen oder Kommentare, um die Relevanz einer Information bewerten zu können.
  • Vermeiden Sie, ziellos und auf Vorrat Informationen zu sammeln. Entweder werden Sie bestimmte Informationen nie wieder benötigen oder diese sind zum Zeitpunkt der Nutzanwendung veraltet.

Das Hindernis der Kommunikation

Informationen entstehen meist nicht dort, wo sie benötigt werden. Das gilt insbesondere für die unterschiedlichen Bereiche in einem Unternehmen. Also müssen wir Methoden und Wege bereitstellen, um die Kommunikation zwischen den Ebenen, beispielsweise zwischen der Führung und den Mitarbeitern, im Unternehmen so zu steuern, dass einserseits die relevanten Informationen alle Beteiligten optimal, zur rechten Zeit, erreichen, andererseits darf die Arbeit nicht durch den Informationsstrom behindert oder gar überflutet werden. Schliesslich ist die informationelle Kommunikation auch eine Frage der Kultur, die in einem Unternehmen herrscht.

Tipps
  • Statt langwierig nach Informationen zu suchen, nutzen Sie Ihre persönlichen und sozialen Netzwerke intensiver, um nur die für Sie relevanten Informationen zu erhalten.
  • Entwickeln Sie Hypothesen, die Ihre Informationssuche lenken und fokussieren. Beschreiben Sie eine mögliche Antwort zu Ihrem Problem und konzentrieren Sie sich nur auf Informationen, welche Ihre Hypothese bestätigen oder widerlegen.

Ein wohlgemeintes Wort zum Schluss:

Zeigen Sie Mut zur Lücke! Machen Sie sich mit dem Gedanken vertraut, nicht alles wissen zu wollen und wissen zu können. Bedenken Sie hin und wieder: Der Aufwand übersteigt oft bei weitem den erreichbaren Nutzen des zusätzlichen Informationsgewinns.

Erfahren Sie es als Gnade, einmal keine Antwort parat zu haben und einen anderen Menschen um Rat fragen zu dürfen. fini

Quellen:
[1] Beat Döbeli Honegger BiblioMap zur Informationskompetenz
[2] Ludwig, Martin; Jung, Christian; Hirt, Christian; Meier, Andreas in der Zeitschrift Machen Medien Schule?, 2006, Text Sekundarstufe II: Thema und Werkzeug Computer als selbstverständliches Pflichtfach?
[3] Höfke, Grit; Müsebeck, Petra; Nieke, Wolfgang in Didaktik der Notebook-Universität, 2004; Text Mobiles und hypertextbasiertes Lernen
[4] Glossar zu Begriffen der Informationskompetenz
[5] Lord Philip Dormer Stanhope, 4th Earl of Chesterfield (1694-1773)

Veröffentlicht am 06. März 2008

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