Kommunikation und Kreativität — Schlüsselkompetenzen der Zukunft
Text: Ruth Pink
Kommunikation ist mehr als nur reden. Kommunikation ist ein vielschichtiger Prozess, der Denken, Sprechen, Zuhören, körpersprachliche Signale und vieles mehr umfasst. Zum kreativen Kompetenzfeld gehören Mut, Neugierde, Offenheit, Flexibilität, vielseitiges Wissen, Phantasie und kritisches Urteilsvermögen. Beide, Kommunikation und Kreativität, bilden die Schlüsselkompetenzen für beruflichen und persönlichen Erfolg.
In Stellenanzeigen, Wirtschaftsmagazinen oder TV-Kommentare wird immer wieder deutlich: Kommunikation und Kreativität gelten als die Schlüsselkompetenzen der modernen Arbeitswelt und werden von Berufstätigen aller Branchen entweder explizit verlangt oder als selbstverständliche Fähigkeiten vorausgesetzt. Was ist jedoch unter diesen Begriffen im Einzelnen zu verstehen und warum werden sie als wichtig erachtet?
Was ist Kommunikation?
Kommunizieren bedeutet mit anderen sprechen, sich mit anderen austauschen, sich verständigen. Die Fähigkeit zu reden, lernen wir von Kindheit an, und als Erwachsene können wir meist unserer Muttersprache problemlos anwenden. Dennoch kommt es immer wieder zu Missverständnissen in beruflichen wie privaten Gesprächen. Die Kommunikationsforschung bemüht sich seit langem um Antworten auf die Frage, warum in vielen Gesprächen im wahrsten Sinne des Wortes an-einander vorbei statt mit-einander geredet wird. Es sind vor allem zwei Aspekte, die die gegenseitige Verständigung behindern:
- Wir vergessen oft, dass wir auch ohne Worte reden. Auf die Bedeutung der Körpersprache weisen Kommunikationsstudien schon seit vielen Jahren hin, u.a. der kürzlich verstorbene Psychologe Paul Watzlawick mit dem Satz Es ist nicht möglich, nicht zu kommunizieren. Da wir stets in Kommunikation mit anderen sind, auch wenn wir nicht reden (weil ja unser Körper ständig spricht), sollten wir uns verdeutlichen, welche körpersprachlichen Signale wir selbst aussenden. Denn nur, wenn verbale und nonverbale Sprache miteinander in Einklang sind, wirken wir glaubwürdig und überzeugend.
- Wir vergessen oft, dass jede Kommunikation Sach- und Beziehungsaspekte enthält. Wenn wir genau zuhören, andere und uns selbst beim Sprechen beobachten, dann können wir feststellen, dass in Gesprächen viele bewusste und unbewusste Botschaften transportiert werden. So geht es in einer Konversation nie nur um Sachfragen oder Sachinhalte, sondern stets auch darum, wie etwas gesagt wird und welche Atmosphäre (Beziehung/Kontakt) zwischen den Beteiligten herrscht.
Kommunikation ist also mehr als nur reden. Es handelt sich um einen vielschichtigen Prozess, der Denken, Sprechen, Zuhören, körpersprachliche Signale und vieles mehr umfasst. Um gut kommunizieren zu können, bedarf es also bestimmter Fähigkeiten, wie beispielsweise analytischen Verstand, Flexibilität im Denken, Konzentrationsfähigkeit, Offenheit und Neugierde für andere Menschen. Diese Eigenschaften sind es unter anderem auch, die kreative Persönlichkeiten auszeichnen.
Was ist Kreativität?
Kreativität ist keine singuläre Fähigkeit. Analog zu den kommunikativen Skills umfasst das kreative Kompetenzfeld ebenfalls ein breites Bündel verschiedener Eigenschaften. Dazu gehören Mut, Neugierde, Offenheit, Flexibilität, vielseitiges Wissen, Phantasie und kritisches Urteilsvermögen. Kreativität – abstammend vom lateinischen creare, was erschaffen, erneuern bedeutet – ist ein Prozess, welcher Ideenfindung, Ideenauswahl und Ideenumsetzung umfasst. Kreativmethoden, wie beispielsweise Brainstorming, Brainwalking oder Mind Mapping, sind Arbeitsmittel und Werkzeuge, die dabei helfen, Wege aus der (gedanklichen) Routine zu gehen und neue Lösungen zu entwickeln.
Kreative Menschen sind in der Lage, Probleme zu erkennen, sie zu analysieren und neuartige Lösungen zu finden. Phantasie und Logik sind dabei wichtige Bestandteile des kreativen Denkprozesses, sollten allerdings in unterschiedlichen Phasen angewandt werden. Wenn wir über ein Thema oder eine Aufgabe nachdenken, ist es zunächst sinnvoll, erstmal vor sich hin zu spinnen und der Phantasie freien Lauf zu lassen – oft genügen dabei 15 bis 20 Minuten. Erst danach sollten wir dazu übergehen, unsere Ideen zu strukturieren und zu ordnen: Wir wählen Ideen aus, setzen Prioritäten und nutzen so unsere logisch-analytischen Fähigkeiten.
»Trenne die Ideenfindung von der Ideenbewertung.«
Wenn vorab gesagt wurde, dass Kommunikation mindestens zwei Axiome umfasst
- Es ist nicht möglich, nicht zu kommunizieren
- Jede Kommunikation beinhaltet Sach- und Beziehungsaspekte,
so kann man als eine goldene Regel der Kreativität festhalten: Trenne die Ideenfindung von der Ideenbewertung. So einfach sich diese Vorgehensweise anhört, so schwer ist sie jedoch in der Praxis umzusetzen. Denn wer von uns hat nicht schon mal Ideen bereits im Keim erstickt? Unser Zensor im Kopf funktioniert nämlich recht gut. Die Folge: Wir denken viele Ideen erst gar nicht zu Ende, weil wir sie entweder für völlig absurd oder bedeutungslos erachten. Auf diese Weise untergraben wir unsere eigene Kreativität – leider oft unbewusst. Denn wir ignorieren oder vergessen häufig die Tatsache, dass jeder kreative Prozess der bewussten zeitlichen Trennung von Ideensuche und Ideenkritik bedarf. Auch hier wird eine Parallele zwischen Kreativität und Kommunikation deutlich. Vielleicht ist es Ihnen schon einmal passiert, dass Sie eine unbekannte Person, der Sie auf einer Party oder in einem Meeting begegnen, nach wenigen Minuten bereits in eine Schublade ablegen. Wir heften Menschen rasch ein Etikett an – statt zunächst tatsächlich offen für andere zu sein und sie erst dann zu bewerten, wenn wir sie besser kennengelernt haben.
Warum sind Kommunikation und Kreativität als Schlüsselkompetenzen so wichtig?
Kommunikative Kompetenz kann als ein wesentlicher Bestandteil von Kreativität angesehen werden. Jede kreative Idee ist ohne Kommunikation zur Wirkungslosigkeit verurteilt. Denn ein Einfall ist und bleibt eine Einfall, eine Kopfgeburt. Nur im kommunikativen Austausch mit anderen, im Werben für eine Idee und in der konkreten Realisierung wird Kreativität sichtbar. Beide Themen beeinflussen sich also wechselseitig und scheinen zudem für viele Menschen Wertvorstellungen wie Prestige, Lebensqualität und Erfolg zu beinhalten. So ist es kein Wunder, dass aus Unternehmenssicht die kommunikativen und kreativen Kompetenzen von Beschäftigten immer mehr zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor in einer zunehmend komplexeren Welt werden.
Der Kampf um die besten Köpfe hat längst begonnen, wie aus zahlreichen betrieblichen Innovationsinitiativen ersichtlich wird. Doch auch die individuelle Förderung kommunikativer und kreativer Qualifikationen ist durchaus sinnvoll. Immer mehr Menschen erkennen, dass beide Themenfelder auch für die persönliche Entwicklung von Nutzen sind. Wer sich beispielsweise ein neues berufliches Tätigkeitsfeld sucht, Schritte in die Selbstständigkeit wagt oder im Ausland ein neues Leben beginnt, wird diese Umbruchphasen besser durchstehen, wenn er/sie fähig ist, gut zu kommunizieren und das eigene kreative Potenzial zu entfalten. Es lohnt also – jetzt und in Zukunft – in die individuelle kreative und kommunikative Fitness zu investieren! 
Literatur:
de Bono, Edward: Serious Creativity, Stuttgart, 1996.
Foster, Jack und Corby, Larry: Einfälle für alle Fälle, Wien/Frankfurt, 1998.
Pink, Ruth: Bewusst kreativ, Regensburg/Düsseldorf/Berlin, 2000.
Pink, Ruth: Kommunikation ist mehr als nur reden, Stuttgart, 2001 (4. Auflage).
Schulz von Thun, Friedemann: Miteinander reden, Band 1-3, Reinbek b. Hamburg, 2001.
Voigtmann, Martin: Genies wie Du und ich, Heidelberg, 1997.
Watzlawick, Paul u.a.: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien; Göttingen 2000.
Veröffentlicht am 06. März 2008