Wenn ich ein Buch lese …
Wenn ich ein Buch lese, das mir nützliche Hinweise für meine Arbeit als Autor und Berater verspricht, wende ich zwei Verfahren an, um mir während des Lesens Notizen zu machen. Wann ich welches Verfahren benutze, hängt davon ab, ob ich das Buch nach dem Lesen noch aufbewahren möchte oder ob ich es dem Altpapier schenken will.
Möchte ich ein Buch noch aufbewahren, schreibe ich nicht in das Buch hinein, sondern benutze Notizzettel im Format DIN-A6. Aus alten, nicht-digitalen Kalenderzeiten habe ich noch ungezählte Notizzettelpäckchen vorrätig. Also kann ich sie recht großzügig verwenden.
Oben rechts notiere ich den Buchtitel in Kurzform. Die Notiz beginne ich links mit einer Seitenzahl, häufig ergänzt durch mein Absatzzeichen »/« und einer Zahl, welche entweder den Absatz genau bezeichnet oder die Position auf der Buchseite beschreibt, sowie einem Doppelpunkt. Es folgen dann mehrere Stichwörter oder Begriffe. Ein Beispiel:
Briefe Paris
401: “enzyklopädisches Diner” ?
423 ff: Stehbrief + Sitzbrief > DIALOGUS
448/2: Gründlichkeit der Deutschen !
539/3: Staberl … Krebse einfangen …
Ich habe mir einige »Satzzeichen« angewöhnt, die mich über das mögliche Anwenden der gefundenen Textpassagen informieren oder mich zu Recherchen oder weiterem Nachdenken auffordern. Der Zettel wandert dann entweder als Lesezeichen von Seite zu Seite mit, oder er findet sein vorläufiges Zuhause zwischen der letzten Seite und der Umschlagseite.
Im anderen Fall unterstreiche ich im Buch die mir interessant und nützlich erscheinenden Begriffe und Passagen, gleichzeitig vermerke ich am Seitenrand mögliche Anwendungen, zum Beispiel G = Gehen und Denken oder C = Consulting.
Manchmal erfasse ich auf der letzten leeren Buchseite — falls vorhanden — die Seitenzahlen der markierten Seiten. Diese Seitenzahlen gliedere ich in Rubriken. Das erleichtert es mir, zu einem bestimmten Themenkreis schnell auf die gewünschten Seiten des Buches zu springen.
Nachdem ich ein Buch gelesen habe, »verarbeite« ich meine Notizen: Ich gehe anhand meiner Notizen erneut durch das Buch, erstelle Zusammenfassungen meiner Gedanken und Entdeckungen oder übernehme Textteile, die ich dann allesamt in einer Datenbank erfasse.
Textreproduktion aus: Hanns-Josef Ortheil: Lesehunger. Ein Bücher-Menü in 12 Gängen. München, 2009

Kommentar schreiben
Trackback für diesen Artikel | Kommentare als RSS Feed abonnieren