Impulse

Die stille Revolution zum Glück

Text: Wolff Horbach

“Geld allein macht nicht glücklich”, sagt der Volksmund. Und doch streben wir nach immer mehr Reichtum, in der Hoffnung, endlich glücklich zu werden. Ist das der richtige Weg zum Glück? Was brauchen wir zum wahren Glücklichsein?

Wir befinden uns am Vorabend einer neuen Revolution. Einer Revolution, bei der kein Blut fließen wird, sondern höchstens Tränen. Tränen über vergeudete Zeit. Die Revolution wird ohne Lärm ablaufen, es wird niemand verurteilt und niemand wird eingesperrt. Und dennoch werden die Auswirkungen gewaltig sein.

Der Held, der aus dieser Revolution siegreich hervorgeht, wird so ganz anders sein, als die Helden, die früher in Siegesmärschen gefeiert wurden. Sein Triumph wird ein sehr stiller sein. Den Helden der neuen Revolution wird man an einem Lächeln auf den Lippen erkennen.

Werfen wir einen Blick auf die Zeit vor der Revolution. Dazu reichen zehn Minuten. Leider muss ich Sie jetzt bitten, Ihren Platz zu verlassen und auf die Straße zu gehen. Am besten, Sie gehen an eine stark befahrene Straße, morgens, wenn der Berufsverkehr eingesetzt hat. Stellen Sie sich auf die linke Fahrbahnseite, so, dass Sie gut in die entgegenkommenden Autos schauen können. Und jetzt beobachten Sie einmal zehn Minuten lang die Gesichter der Autofahrer. Die meisten Gesichter wirken trüb, missmutig, übellaunig. Der Tag ist noch jung, dennoch scheinen viele schon jetzt gestresst und genervt zu sein. Versuchen Sie die gleiche Beobachtung im Feierabendverkehr: Sie werden leider auch nicht in fröhliche Gesichter schauen, sondern in müde und ausgebrannte.

Was läuft falsch?

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten wir ein großes Bedürfnis nach Ruhe und Wohlstand. Die Trümmerjahre waren vorbei, endlich bewegte sich die Wirtschaft aufwärts. In der Bundesrepublik Deutschland gab es in den 1960er Jahren das bekannte Wirtschaftswunder. Allen ging es besser. Die Größe der Wohnungen wuchs, die Autos erhielten mehr PS. Wir machten uns auf nach Italien, wir arbeiteten weniger und verdienten mehr.

Aus dieser Entwicklung – die in anderen westlichen Staaten, wie den USA und Japan ähnlich verlief – zogen wir den fatalen, fehlerhaften Schluss, dass mehr von demselben uns zu mehr Glück verhilft. Wir richteten fast unser ausschließliches Streben danach aus: eine gute Ausbildung, ein toller Job, viel Geld verdienen, Wohlstand schaffen, und dadurch glücklich sein.

Doch darin lag ein großer Irrtum. Zwar ist der Wohlstand in der westlichen Welt seit dem Zweiten Weltkrieg enorm gestiegen, aber die Menschen wurden nicht glücklicher. Im Gegenteil: Heute sind weniger Menschen glücklich als in den 1960er Jahren. Die Jagd nach Geld und Reichtum bescherte uns eine enorme Hektik und Stress. Selbst Schulkinder leiden schon darunter. Das Burnout-Syndrom greift immer mehr um sich und Depressionen werden zur Volkskrankheit Nummer Eins; die Anzahl der schweren Depressionen hat sich in den letzten Jahren verzehnfacht.

Wie geht es weiter?

Aber Rettung ist in Sicht. Die Rettung kommt durch die Glücksforschung. Psychologen, Neurologen und Wirtschaftswissenschaftler widmen sich der Frage, was Menschen wirklich glücklich macht. Dieser Forschungszweig ist recht jung und hat doch schon erstaunliche Ergebnisse zu Tage gebracht. Die zentrale Botschaft lautet: Glück ist erlernbar!

Glück hängt viel weniger, als bisher angenommen, von äußeren Dingen ab. Der Millionär ist nicht wesentlich glücklicher als der Müllwerker. Im Gegenteil: Sorgen hat nicht nur derjenige, bei dem am Ende des Geldes noch viel Monat übrig ist, sondern auch der Multimillionär: die Sorge nämlich, das Geld richtig anzulegen und die große Angst, es wieder zu verlieren.

Tatsache ist: Wenn bestimmte Grundbedürfnisse gedeckt sind, trägt Geld nur sehr unwesentlich zum Glück bei. Menschen in Bangladesch scheinen durchweg glücklicher zu sein als wir, obwohl sie nur über einen Bruchteil unserer Einkünfte verfügen.

Wahres Glück kommt von innen. Wer erkennt, was ihn wirklich glücklich macht, kann aus den Tretmühlen aussteigen: Es macht einfach keinen Sinn, sich abzurackern, um ein noch größeres Auto zu kaufen. Es ist geradezu verrückt, seine Gesundheit durch Stress zu ruinieren, um noch mehr von dem anzuhäufen, was nicht zum wahren Glück beiträgt.

Was könnten Sie tun?

Fangen Sie bei sich selbst an. Beschäftigen Sie sich mit den Ergebnissen der Glücksforschung, versuchen Sie, damit zu experimentieren. Sie werden schnell positive Erfahrungen erleben. Berichten Sie Freunden davon, denn Glück ist ansteckend.

Entdecken Sie Ihre Begeisterung für andere Produkte und Dienstleistungen: Produkte, die Ihre Gesundheit wirklich fördern, die Ihnen echten Genuss bieten. Als glücklicher Mensch werden Sie vielleicht auf eine berühmte teure Markenuhr verzichten können, die Ihnen die Zeit anzeigt. Reklamieren Sie die Zeit für sich: Zeit für Freunde, Zeit für Liebe, Zeit für Sie ganz allein.

Und wenn Sie immer öfter darauf angesprochen werden, dass Sie in letzter Zeit so fröhlich und entspannt aussehen, dann wissen Sie: Ich bin einer dieser modernen Helden.

Auf zur stillen Revolution Ihres Glücks!
fini

Veröffentlicht am 17. Januar 2008

Nach oben

Kommentare: 4

  • 1. Cordula Schott  |  17. Januar 2008 21:02

    Wie wahr! Ich kann Deine Meinung nur teilen, Wolfgang. Spontan fällt mir dazu mein ganz persönliches Schlüsselerlebnis ein, daß ich gern teile: Ich hatte ein Traumauto, was mir so gut gefallen hat und was ich so gern gefahren hätte. Einen Alfa Spider Cabriolet. Durch glückliche Umstande kam ich ganz spontan zu diesem Auto und nun stand er da vor meiner Tür auf dem Parkplatz. Doch zur gleichen Zeit kriselte es in meinem Privatleben. Und ich werde nie vergessen, wie ich in meinem neuen Alfa saß und dachte – ja, jetzt habe ich mein Traumauto und statt Freude darüber, mir diesen Traum erfüllt zu haben, fühlt es sich völlig unspektakulär an. Von Glücksgespür keine Spur. Was würd ich drum geben, wenn meine privaten Sorgen sich auflösen würden – und dieses Auto leistet keinerlei Beitrag zu meinem Glück.

    Das war eine sehr wertvolle Erfahrung. Und oftmals, wenn sich vermeintlich großer Wunsch nach etwas Materiellen in mir wächst, hilft mir diese Erfahrung, zu relativieren und mich zu hinterfragen. Auch habe ich immer wieder erlebt, daß der Ausspruch “Vorfreude ist die schönste Freude” sehr viel Wahres beinhaltet.
    Meine persönliche Erfahrung ist, daß der Beschleuniger für Glücksgefühle oftmals im Entschleunigen des Tätigkeitsflusses liegt. Dadurch daß ich entschleunige, werde ich achtsamer und dadurch habe ich überhaupt erst die Chance, all die wundervollen kleinen Momente des Tages bewußt wahrzunehmen und somit in mein Glückskapital einzuzahlen.

  • 2. Wolff Horbach  |  18. Januar 2008 08:55

    Liebe Cordula, da hast Du an einem sehr eindrücklichen Ereignis den starken Kontrast gespürt. In der Regel erwarten wir von äußeren Dingen zu viel Glücksgefühl. Dieses Gefühl verfliegt bereits nach kurzer Zeit.

    Wenn man einmal die Glücksbilanz aufstellen würde, die man mit einem Auto erlebt, sähe sie ganz schön negativ aus. Auf der Aktivseite: Besitzerstolz; ein paar schöne Stunden, die man wirklich genussvoll fahren konnte. Auf der Passivseite: Hunderte oder gar Tausende Stunden harter Arbeit, um das Auto kaufen und unterhalten zu können; viele Stunden für die Pflege, Versicherung, TÜV, Wartung, Reparaturen, … Ärger über den ersten Kratzer, Staus, usw.

    Dein “Entschleunigen” gefällt mir sehr gut. Da fällt mir doch gleich genussvolles “Slow food” ein. Und Achtsamkeit ist ein ganz zentraler Schlüssel zum Glück.

  • 3. Kerstin Hack  |  25. Januar 2008 09:57

    In den letzten Jahren habe ich mich viel mit dem Thema “Glück” / Lebensfreude beschäftigt. Geld macht nicht glücklich, aber es ist tatsächlich so, dass die Chance, unglücklich zu sein, höher ist, wenn man so wenig Geld hat, dass es kaum oder nicht zum Leben reicht … (wie auch immer man “zu wenig” definiert). Das liegt weniger an der Menge des vorhandenen Geldes, als vielmehr am Gefühl des Kontrollverlustes.

    Viel Spass beim Glück entdecken …
    Kerstin,
    die sich gerade an dem herrlichen Winterfrühlingssonnenschein freut

  • 4. Johanna Stuttgart  |  02. April 2008 10:24

    Auf der Suche nach dem Glück ging ich seltsame Wege.
    Ich fand es nicht. Als das Glück mich fand, fragte es mich: “Bist du gliücklich?” “Nein, weil …”. Also begann ich dem Glück zu erzählen, warum ich keinen Grund hatte glücklich zu sein.
    Das Glück hörte geduldig zu. Zum Schluss schwieg es eine Weile. Dann sagte es: Ich möchte dir etwas schenken. Ich schenke dir ab heute dein Lächeln. Es lächelte mir zu und ging.
    Jahre vergingen. Immer wieder habe ich darüber nachgedacht. Bis ich die Antwort fand. Ich kann mein Lächeln sein.
    Seit dieser Stunde bin ich glücklich. Und wenn ich einmal unglücklich bin, dann erinnere ich mich an mein Lächeln, das ICH BIN. Und nun bin ich das Glück und darf andere beschenken.
    Johanna Somorai

Nach oben