Impulse

Das Frage-und-Antworten-Spiel

Text: Joachim Zischke

coffeeWir sitzen angespannt um den ovalen Tisch. Alle Augen sind auf den Moderator gerichtet. Eine Entscheidung steht heute an. »Wie wird es diesmal ablaufen?«, fragen wir uns insgeheim. »Wird es wieder im Chaos enden, in unkontrollierten Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Meinungs- und Interessengruppen? Solange, bis die ersten Entnervten den Raum verlassen?«

»Guten Morgen, liebe Entscheider«, begrüßt der Moderator freundlich die Runde, und fährt fort: »Ein altes persisches Sprichwort sagt: ’Klug zu fragen ist schwieriger, als klug zu antworten.‘ Und damit sind wir schon mitten in unserem heutigen Thema.« Er macht eine sehr lange Pause. »Wie lautet unsere alles entscheidende Frage für heute?«

Verdutzte Gesichter, sprachlose Minen. Keiner will sich äußern. »Sehr gut«, sagt der Moderator. »Das gefällt mir. Wir machen zuerst einmal das ’Frage-und-Antworten-Spiel‘«, sagt’s und legt jedem eine Moderationskarte auf den Platz. —

Ist Ihnen etwas aufgefallen? Der Moderator spricht nicht vom einem Fragen-und-Antworten-Spiel, sondern er betont die Singularität der Fragestellung. Es geht ihm nur um eine einzige Frage, und die ist entscheidend.

Viele Fragen würden in ebenso viele Antworten münden und es gäbe kein Ende der Fragerei und Antworterei. So aber konzentrieren sich alle Köpfe auf das Wichtige, das Eine worüber entschieden werden soll.

»Aber die Fakten, die Daten, all die Excel-Listen«, hören wir einzelne Stimmen rufen. »Richtig«, sagt der Moderator, »die wollen und dürfen wir natürlich nicht vergessen. Doch sehen Sie diese Ausarbeitungen heute einmal einfach als Vorarbeit auf unsere Entscheidung hin an. All die gesammelten Informationen befinden sich konzentriert und fix und fertig aufbereitet bereits in Ihren Gehirnen. Sie wissen im Grunde schon intuitiv, wohin die Reise gehen soll. Sie müssen es nur noch ausdrücken, indem Sie eine einzige Frage beantworten. Nun – wie lautet Ihre Frage?« fini

Veröffentlicht am 23. Februar 2010

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