Ideen

Über freie, praktische und neue Künste

Text: Joachim Zischke

Aus der Antike stammen die Freien Künste, sieben an der Zahl, die dem damaligen Bildungsideal entsprachen. Vom Altertum über das Mittelalter bis zur Renaissance entwickelten sich die Praktischen Künste, welche die Fertigkeiten benannten, die dem Broterwerb dienten. Und heute? Heute finden wir eine Vielzahl von Neuen Künsten, darunter vielleicht viele, denen Sie heute zum ersten Mal begegnen.

kunst
Schlafend — © Clara Natoli

Kunst bezeichnet jedes meisterhaft entwickelte, aus einer Fähigkeit zur Fertigkeit gewordene, vorwiegend produktive Können, beispielsweise die Uhrmacherkunst oder die Redekunst. Die Kunst ist als ein wesentliches Teilelement der Kultur und historisch konkretes, variables System der verschiedenartigen einzelnen Künste (Architektur, bildenden Künste, Literatur, Theater, Tanz etc.) eine spezifische Art des menschlichen Weltverhältnisses, der Aneignung der Welt mit allen Wesenskräften. [1]

Die sieben Freien Künste (lateinisch: septem artes liberales) umfassen ein in der Antike entstandener Kanon von sieben Studienfächern, die, nach römischer Vorstellung, die umfassende Bildung eines freien Mannes darstellten. Die Studienfächer setzten sich zusammen aus sprachlich und logisch-argumentativ ausgerichteten Fächern, das Trivium — Grammatik, Rhetorik und Dialektik sowie Logik — und dem weiterführenden Vierweg, das Quadrivium, der mathematischen Fächer Arithmetik, Geometrie, (Kirchen)Musik und Astronomie. [2]

Als Pendant entwickelten sich die sieben Praktischen Künste (lateinisch: artes mechanicae), welche die Fertigkeiten benannten, die dem Broterwerb dienten. Hierzu gehörten u.a. die Bildenden Künste, die Baukunst, das Handwerk, die Landwirtschaft und das Bekleidungshandwerk. [3]

Mit den Neuen Künsten (englisch: new arts) betritt eine Klasse noch nie dagewesener Künste die Weltbühne. Es ist nicht nur ein völlig anderes Können, das ihnen inne wohnt. Auch die Vielseitigkeit macht ein Klassifizieren nach alten Gesichtspunkten nahezu unmöglich. Ein paar Tausend Seiten Internetrecherche zeigen ein Bild dieser neuen, modernen Künste. Sehen Sie selbst.

Ach, übrigens: Wie viele der Neuen Künste beherrschen Sie?

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Die Kunst, vernetzt zu denken
Die Kunst des Small Talk
Die Kunst des Lassens
Die Kunst, Fehler zu machen
Die Kunst, Berliner zu backen
Die Kunst, sitzen zu lernen
Die Kunst, Proteome zu fassen
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Die Kunst, Seife zu blasen
Die Kunst, weniger zu arbeiten
Die Kunst, Wollust zu empfinden
Die Kunst, Unterschiede zu machen
Die Kunst des Mordens
Die Kunst des Krieges
Die Kunst, schneller zu lesen
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Die Kunst, erlöst zu werden
Die Kunst, sachlich zu bleiben
Die Kunst des Sichtbarmachens
Die Kunst, wegzulassen
Die Kunst, Kupferstiche zu restaurieren
Die Kunst, nackt zu tanzen
Die Kunst der Information
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Die Kunst, Saclá Pomodori secchi herzustellen
Die Kunst, Freunde zu managen
Die Kunst, Widersprüche zu überwinden
Die Kunst, vorzubeten
Die Kunst der Verschlüsselung
Die Kunst, Ruinen zu bauen
Die Kunst der Verlangsamung
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Die Kunst, genussvoll zu rauchen
Die Kunst, dezent aufzufallen
Die Kunst, frei zu sein
Die Kunst, Liebesszenen zu schreiben
Die Kunst, Geheimnisse zu bewahren
Die Kunst, Magnetkräfte zu integrieren
Die Kunst, spazieren zu gehen
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Die Kunst des Machbaren
Die Kunst, Ganzheit zu begegnen
Die Kunst, Papier zu falten
Die Kunst der Globalisierungskritik
Die Kunst des Stolperns
Die Kunst der Kinderbesprechung
Die Kunst des Tiefschlafs
blue
Die Kunst des Sinkflugs
Die Kunst des Vorübergehens
Die Kunst, sich an der Macht zu halten
Die Kunst, wohlüberlegt vorbeizureden
Die Kunst, Psychotherapien zu beenden
Die Kunst, Menschen zu führen
Die Kunst, Nein zu sagen
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Die Kunst des Gehens
Die Kunst der Datenquetschung
Die Kunst des Aromatisierens
Die Kunst des Regenmachens
Die Kunst der Täuschung
Die Kunst des Zensur-Vergleichs
Die Kunst, unter der Taucherglocke zu hören
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Die Kunst, gemeinsam zu handeln
Die Kunst, das Komplizierte einfach zu sehen
Die Kunst, untadelhaft zu regieren
Die Kunst der Dienstleistung
Die Kunst der Elternliebe
Die Kunst räumlicher Schaltungsträger
Die Kunst, erwachsen zu sein
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Die Kunst, Absätze zu tragen
Die Kunst, Zeit zu haben
Die Kunst des Friedens
Die Kunst des Lexikonmachens
Die Kunst des schmutzigen Gesprächs
Die Kunst, Geschichten Leben einzuhauchen
Die Kunst des Tempokanons
red
Die Kunst des Bekleidens mit einem Kimono
Die Kunst, Wissenschaft zu erzählen
Die Kunst, Diatomeen zu legen
Die Kunst, Recht zu behalten
fini

Quellen und Links:
[1] Lexikon der Kunst: Kunst, S. 17.156
[2] Freie Künste
[3] Artes mechanicae

Veröffentlicht am 04. September 2008

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Kommentare: 2

  • 1. Jörg Weisner  |  06. Oktober 2008 10:37

    wie wäre es denn mit der Kunst,
    neue Künste zu entdecken, die in mir (oder in anderen Menschen) schlummern ;-)

  • 2. Joachim Zischke  |  06. Oktober 2008 11:46

    »Die Kunst, schlummernde Künste zu entdecken« —

    das gefällt mir sehr gut, nehme ich gerne in den Kanon der Künste auf.

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