Wald statt Wände
Text: Joachim Zischke
Könnte es sein, dass Wände unsere Gedanken und Ideen hemmen, verhindern, uns frei zu entfalten? Könnte es sein, dass Wald, Wiesen und Felder uns inspirieren, uns zu neuen Lösungen führen? Vergleichen Sie die beiden fiktiven Szenarien und überlegen Sie, welche der beiden vom Erfolg gekrönt sein würde.
Vor den Wänden
10 Uhr 3. Tom Trommler trommelt mit den Fingern auf den Konferenztisch. Wo stecken die Anderen nun wieder? fragt er rhetorisch in den Raum. Die drei anwesenden Köpfe nicken zustimmend, sagen nichts, rascheln mit ihren Papieren. 10 Uhr 7. Die Tür geht auf, Willi Wichtig tritt gestikulierend ein, das Handy am Ohr, signalisiert in den Sprechpausen etwas, das Victory oder Ich-brauch-noch-drei-Minuten bedeuten könnte. Wichtig verschwindet wieder. 10 Uhr 11. Peter Planer und Paul Produtzki kommen und schleichen auf die freien Plätze. Ganz schön eng hier, murmelt Planer. Ist ja auch nicht das Chefzimmer, sekundiert Produtzki. Wo bleibt Controlletti? fragt sichtlich ungehalten Tom Trommler. Keiner antwortet. Gut, sagt Tom Trommler, fangen wir also an. Irgendwann müssen wir ja mal anfangen. Die Tür geht auf, es ist Willi Wichtig. Schön, dass Sie uns jetzt auch zur Verfügung stehen, sagt Trommler zu Wichtig. Sorry für den Delay, sagt Wichtig, aber hätten die Kollegen der Serie nicht so eine Oneway aufs Band gelegt — Nun mal halb lang, kommt es aus der linken Ecke. Produtzki richtet sich auf wie ein Dobermann fertig zum Sprung. 10 Uhr 24. Die Tür geht erneut auf. Carlo Controlletti hat seinen Auftritt. Was für eine dicke Luft das hier ist, ruft er, wirft seine Collegemappe auf den Tisch und reißt beide Fensterflügel auf. Der Lärm der vierspurigen Straße und das Pausenzeichen der Grundschule brausen in den Raum. Gibt es heute keinen Kaffee?, fragt Controlletti und ist schon am Telefon. Hallo, Teeküche? Bitte achtmal Gedeck K mit Keksen. Ich dank’ auch schön. Gut, meine Herren, lässt sich Tom Trommler nun vernehmen. Zum TOP 1. In der Diskussion steht, wie Sie alle wissen, die Ausweitung der Produktionskapazitäten für die C-Linie, die gleichzeitig ja auch die Durano-Serien nach Kundenspezifika aufnehmen soll. Peter Planer hat sich — Die Tür geht schon wieder auf, eine rundliche Frau mittleren Alters schiebt einen beladenen Tablettwagen herein. Danke, Frau Freundlich. 10 Uhr 33. Die Kaffeetassen sind gefüllt, die Kekse verteilt. Könnten wir nicht das Fenster wegen Lärmbelastung wieder schließen?, fragt Gerd Grünling. Controlletti, der noch am Fenster steht, schließt einen Flügel. Luftiger, so?, fragt er spöttisch. Meine Herren, sagt Tom Trommler, sichtlich genervt und schwer atmend, es ist jetzt 10 Uhr 45 — Erneut öffnet sich die Tür, alle Augen schauen gebannt dorthin, doch niemand tritt ein.

Vor dem Wald
10 Uhr 3. Ein Van rollt auf den Gutshof und parkt unter den Eichen. Die Türen fliegen auf und acht Männer und eine Frau springen heraus. Ihre Kleidung ist bunt, leger und sportlich. Tom Trommler, der Fahrer und Chef der Truppe, verteilt Yachting-Caps, die auf der Stirnseite ein Logo ziert. Willi Wichtig öffnet die Heckklappe und gibt jedem der Männer einen grünen Rucksack in die Hand. Ganz schön schwer, sagt Carlo Controletti. Musst du immer meckern?, frotzelt Peter Planer. 10 Uhr 7. Die Männer stehen im Kreis, recken die Arme nach oben, wippen nach links, wippen nach rechts, stehen mal auf dem linken, mal auf dem rechten Bein, greifen in die Luft, als würden sie Früchte von den Bäumen ernten. 10 Uhr 15. Danke, das genügt, sagt Tom Trommler, ihr seid wirklich Klasse! Ein guter Anfang!
Nun zu den Details des Tages. Unser Motto lautet: Ideen aufs Laufband bringen. Ungewöhnlich, ich weiß. Denkt einfach ab und zu mal darüber nach. Dann kommt die Lösung fast von selbst.
Es gibt vier Etappen, die ihr zu bewältigen habt. In Etappe 1 arbeitet ihr in Zweier-Teams an einer Aufgabe, die euch Peter gleich in die Hand drücken wird. Im Rucksack findet ihr euer Handwerkszeug: Schreibmaterial, Schreibblock und ein Set mit octopas-Karten. Findet selbst heraus, wie ihr es am besten für eure Aufgabenlösung nutzen könnt. Es gibt mehrere Lösungswege, wie es auch mehrere Waldwege gibt, die euch zum ersten Ziel führen. Eine topografische Karte hilft euch, falls ihr den Weg verlieren solltet.
Phase 2 beginnt, nachdem ihr den Wald passiert und die Anhöhe erreicht habt. O weo mio, murmelt Carlo Controlletti. Wenn dich deine Zahlen nicht schaffen, Carlo, der Berg schafft dich bestimmt, sagt Tom Trommler. Alle lachen. In Phase 2 treffen alle Teams zusammen, um die Ergebnisse aus Phase 1 zu diskutieren und zusammen zu führen, fährt Tom Trommler fort. Dafür gibt es eine Generalaufgabe, die euch Paul dann aushändigen wird. Um Punkt 12 wird Frau Freundlich mit einem leichten Imbiss aufkreuzen. Wer vorher Durst oder Hunger verspürt — in eurem Rucksack ist eine Notverpflegung. Und auch ein Seil und ein Gummiband. Doch dazu und zu den Etappen 3 und 4 später mehr. Ende der Veranstaltung ist gegen 18 Uhr. Dann wird uns ein zünftiges Abendbrot auf dem Gutshof für unsere Mühen belohnen.
Nun noch ein Tipp: Wenn ihr gleich losgeht, beginnt mit einem gemächlichen Schritt. Findet euren Rhythmus im Gehen. Nicht zu schnell, damit ihr nicht ausser Atem kommt. Nicht zu langsam, damit eure Ideen nicht in euch stecken bleiben. Es ist jetzt — 10 Uhr 20. Ich wünsche uns einen spannenden und erlebnisreichen Tag. Auf geht’s! 
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Veröffentlicht am 07. August 2008