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Compagnia Fiasco — Geschichte

Text: Joachim Zischke

Über die Bruderschaft des Genusses, des Wortes und des Spiels

cfAn einem Abend im März traf sich im Hinterzimmer eines Gasthauses, dessen Namen und Lokalität wir wegen der dort angebotenen vorzüglichen Speisen und Getränken gerne verraten würden, — denken Sie nur an eine leichte Velouté von Eiszäpfle mit Scampi und Walnüssen oder an einen sizilianischen Thunfisch mit Sichuanpfeffer, Fenchel-Gemüse mit Kichererbsen, Oliven, getrockneten Tomaten und Minze-öl — jedoch aus Gründen des Wettbewerbs gehindert sind bekanntzugeben, traf sich also eine Gruppe von Männern zu ihrer allmonatlichen Tafelrunde. Sie nannten die Gemeinschaft Compagnia Fiasco, sprachen sich mit Bruder an, liebten genussvolles Speisen und fröhliches Zechen und waren alle miteinander durch ein besonderes Ereignis verbunden: Sie alle waren einmal in ihrem Leben gescheitert, freiwillig oder mutwillig, danach fragte niemand.

Bei ihrem Treffen war das Essen und Trinken nicht der Mittelpunkt, sondern das Mittel zum Zweck. Je prächtiger die Speisen, je köstlicher der Wein, umso entspannter und gelöster entwickelte sich die Stimmung und umso heiterer und frischer sprudelten Geschichten, Pikanterien und Zoten. Wer frech und witzig parlieren konnte, wer es verstand, mit paradoxen, unlogischen, ja absurden Gedankenverbindungen zu verblüffen, der wurde gerne als Mitbruder willkommen geheissen.

Der spontanen Aufnahme in die Compagnia stand ein ehernes Statut entgegen. Es war ungeschrieben und befand sich in den Köpfen der Bruderschaft: Der Bewerber musste ein Prüfungsreferat con passione vor der Bruderschaft halten. Grundlage der Abhandlung musste ein fiasco pomposo, ein prächtiger Fehlschlag sein, dessen Thema der Aspirant der Versammlung vorzustellen und genehmigen zu lassen hatte. Die Compagnia beurteilte den Vortrag sehr streng und erteilte, wenn er für gut befunden wurde, dem Bewerber die Exequatur.

An jenem Abend erhob sich, nachdem das Dessert — Mokka-Kardamom-Charlotte mit eingemachten Kirschen und Schokoladensorbet — abgeräumt war, ein Mann namens Paul Plumboom von seinem Platz und begann seine Rede wie folgt …

Auszug aus dem unveröffentlichten Buch: Camou, Philippe; Die Welten des Herrn Plumboom.
fini

Veröffentlicht am 05. Juni 2008

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