Die Werkzeuge des Denkens
Zweiter Teil: PMI – Ein Denkwerkzeug im Einsatz
Wir lernten, logisch und analytisch zu denken und an Fragestellungen und Probleme auf diese Weise heranzugehen. Die meisten Situationen in unserem beruflichen und privaten Alltag erfordern jedoch eine andere Art des Denkens. Dafür gibt es Methoden, die uns helfen können, anders zu denken: Denkwerkzeuge. PMI ist ein Werkzeug, das hilft, ein Thema umfassend zu sehen, versteckte Potenziale einer Sache zu entdecken, Vorurteile zu hinterfragen oder unsichere Entscheidungssituationen zu erkunden.
Nach einer Einführung in das grundlegende Konzept von Denkwerkzeugen, geht es im zweiten Teil nun um deren konkrete Anwendung.
In Ausgabe 1/2008 der Zeitschrift brand eins erschien ein Beitrag über die Stiftung Global Voter, die sich für eine erweiterte Form der Demokratie stark macht. Global Voter schlägt eine neue Form der Stimmverteilung im Wahlprozess vor. Im Gegensatz zu heute, soll nicht one man one vote gelten, stattdessen kann ein Bürger bis zu zehn Stimmen haben, abhängig von seinem Beitrag für die Gesellschaft. Die Anzahl der Stimmen steigt mit Bildungsabschlüssen und langjährigem gesellschaftspolitischem Engagement. Die maximale Zahl von zehn Stimmen kann jemand nach diesem Modell im Alter von 45–50 Jahren erreichen.
Nun stellen Sie sich vor, wie wohl ein Gespräch oder auch die öffentliche Diskussion zu diesem Thema abläuft. Schnell wird es zwei Fraktionen geben: Eine, die dafür ist und den Vorschlag für eine tolle Idee hält und eine, die dagegen ist. Diejenige, die dafür ist, versucht die andere Seite davon zu überzeugen, warum die Idee gut ist. Die andere Fraktion wiederum ist bemüht das Gegenteil nachzuweisen. Oft nehmen die Diskutanten das vom Gegenüber Gesagte nicht wirklich auf, sondern überlegen, noch während der andere spricht, wie man das Argument entkräften könnte. Zwischen den Gesprächspartnern entsteht oft eine geistige Mauer. Jede Seite hat ihre Position, die sie für richtig hält, ohne zu versuchen, die Inhalte des anderen wirklich zu sehen.
Ein simples aber hoch effektives Denkwerkzeug, das helfen kann, ein Thema umfassender und ganzheitlicher zu betrachten, ist PMI. PMI steht für Plus – Minus – Interessant.
Hierbei betrachtet man nacheinander (!) die Denkbahnen Plus, Minus und Interessant und stellt sich dabei folgende Fragen:
Was sind positive Punkte?
Was sind negative Punkte?
Welche interessanten Fragen ergeben sich aus dem Thema?
Für jede der Denkrichtung nimmt man sich ca. zwei Minuten Zeit und listet alle Punkte, die einem subjektiv zu den Fragen einfallen. Hat man eine Richtung zwei Minuten durchdacht, geht man zur nächsten Kategorie. Die Technik kann sowohl alleine, als auch in der Gruppe einsetzt werden. Während der Übung wird nicht diskutiert oder widersprochen! Außerdem wird nicht zwischen den Denkrichtungen gesprungen.
So könnte ein PMI zum oben genannten Beispiel aussehen:
PLUS
- Es entstehen Anreize sich einzubringen und Ehrenamt wird zunehmen.
- Wer mehr beiträgt, erhält mehr Einfluss.
- Bildung wird gefördert.
- Demokratischer Einfluss hängt von Engagement ab und nicht von Geld oder Stellung.
- Jeder, unabhängig seines Hintergrunds, kann sich einbringen.
- Die Gesellschaft wird solidarischer.
- Die Wertschätzung für Demokratie steigt.
- Menschen werden zum Nachdenken über die Gesellschaft gebracht.
MINUS
- Leute, die mehr Zeit haben, können sich stärker einbringen.
- Der politische Einfluss Älterer nimmt zu, da diese aufgrund ihres Alters mehr Stimmen haben werden. Dadurch kommt es zu einem gesellschaftlichen Ungleichgewicht zwischen Stimm- und Altersverteilung.
- Menschen könnten aus Machtgier zum Engagement getrieben werden.
- Schwer zu messen und zu kontrollieren, wer sich wie einbringt.
- Betrug möglich, durch Bescheinigungen ehrenamtlicher Organisationen.
INTERESSANT
Es wäre interessant zu sehen,
- ob es dadurch mehr Engagement gibt.
- welche Art von Engagement besonders zunehmen würde.
- ob dadurch größere Anreize für Bildung entstehen würden.
- wie hoch der bürokratische Aufwand bei der Messung des Engagements wäre.
- ob Leute mit vielen Wahlstimmen andere Parteien wählen würden.
- wie sich Politiker verändern und wie sich Wahlkampf verändert.
Die Technik ist zeitlich kurz, sehr einfach durchzuführen und bringt sowohl für den Einzelnen, als auch in Gruppen erstaunliche Ergebnisse. Sie hilft dabei, ein Thema umfassend zu sehen, versteckte Potenziale einer Sache zu entdecken, Vorurteile zu hinterfragen, unsichere Entscheidungssituationen zu erkunden und bei (anscheinender) Gewissheit in Hinblick auf ein Thema die eigene Sicht noch einmal zu überprüfen. In einem zweiten Schritt, kann man nun auf das Ergebnis des PMI reagieren.
Im nächsten Artikel erfahren Sie die praktische Anwendung der TOLOPOSOGO-Methode.

