Die Werkzeuge des Denkens

Erster Teil: Einführung

Von klein auf lernen wir, logisch und analytisch zu denken und an Fragestellungen und Probleme auf diese Weise heranzugehen. Die meisten Situationen in unserem beruflichen und privaten Alltag haben jedoch weniger mit Logik als vielmehr mit Wahrnehmung zu tun. Hier ist eine andere Art des Denkens gefordert. Dafür gibt es Methoden, die uns helfen können, besser zu denken: Denkwerkzeuge.

Stellen Sie sich bitte folgende Situationen vor: Sie sitzen in einer Besprechung, die für Ihr Empfinden bereits viel zu lange dauert und die sich um die immer gleichen Argumente dreht. Sie brauchen ein neues Vertriebskonzept, leider kreisen Ihre Gedanken jedoch immer um dieselben Alternativen. Sie überlegen bereits seit einigen Tagen, ob Sie sich diesen schicken Laptop noch vor Ihrem Urlaub kaufen sollen. Aus Ihrer Sicht spricht viel dafür, wenn da nicht Ihr Partner wäre, der das gar nicht gut findet.

Drei Situationen, die viele von uns in dieser oder ähnlicher Form kennen und schon erlebt haben. Meist versuchen wir, ein Problem logisch zu betrachten und uns selbst oder das Gegenüber mit den richtigen Argumenten zu überzeugen. Ich behaupte nun, dass viele Fragestellungen nicht (ausschließlich) logisch-analytisch zu lösen sind, sondern mit Wahrnehmung zu tun haben. Hierfür bedarf es einer anderen Art des Denkens, bei der uns bestimmte Methoden, die das Denken und die Wahrnehmung bewusst in eine bestimmte Richtung lenken, unterstützen können: Denkwerkzeuge.

Die Dreierbande der griechischen Philosophie

Der abendländische Kulturkreis ist seit Jahrtausenden geprägt vom kritischen Denken. Nach Edward de Bono haben wir dieses Denken den griechischen Philosophen, allen voran Sokrates, durch die von Platon niedergeschriebenen Dialoge und Aristoteles mit seinem System der Kategorisierung zu verdanken. Ein wichtiger Wert der griechischen Philosophie ist die Suche nach der Wahrheit, die sich durch Vernunft erkennen lässt. Durch fortschreitendes Widerlegen von Thesen kommen wir durch logisches Argumentieren und kritische Analyse zur einzig richtigen Wahrheit. Ohne dieses Denken wäre Wissenschaft und der damit verbundene Fortschritt undenkbar. Deshalb ist das kritische Denken besonders in der Wissenschaft, allen voran in der Naturwissenschaft, essenziell.

Soweit, so gut! Mit dieser Art an Dinge heranzugehen, wachsen wir auf und haben diese über Jahre fest in uns verankert. Bei einer Vielzahl von Fragestellungen aus unserem beruflichen und privaten Alltag geht es allerdings nicht darum, die Wahrheit zu finden. Diese gibt es in den meisten Fällen gar nicht. Es gibt nicht die richtige Antwort auf die Frage, ob Sie sich vor Ihrem Urlaub den Laptop kaufen sollten und es gibt nicht die richtige Vorgehensweise, ein Produkt zu verkaufen, sondern viele.

It’s perception, stupid!

Viele unserer Denkinhalte im Alltag haben mit Wahrnehmung zu tun, das heißt damit, wie wir die Dinge interpretieren und vor allem welche Aspekte wir überhaupt sehen. Wahrnehmung wiederum ist ein Prozess, der sich zusammensetzt aus Reizen, die auf uns eintreffen und in unserem Gehirn vorhandenen Konzepten, die von unserem augenblicklichen Zustand abhängig sind. Das bedeutet, Wahrnehmung wird gelenkt von Emotionen und Ereignissen, denen wir Relevanz beimessen. Ob das sprichwörtliche Wasserglas halb voll oder halb leer ist, ist durch logisch analytisches Vorgehen nicht zu klären.
Ob Sie berufliche Selbstständigkeit als eine Form von Freiheit betrachten oder einen Zustand lähmender Unsicherheit, hängt von Ihrer Wahrnehmung ab. Diese haben wir nur teilweise unter Kontrolle. Das Gehirn sucht sich, abhängig von unserem Vorwissen, unseren persönlichen Erfahrungen und unserer Sozialisierung, eine Möglichkeit heraus, eine Situation aufzufassen.

Die Wahrnehmung bewusst lenken

Denkwerkzeuge, sind Methoden und Vorgehensweisen, die unsere Wahrnehmung nach bestimmten Kriterien und Regeln bewusst in bestimmte Richtungen lenken. Allein dadurch, dass wir bisher unbeachtete Aspekte fokussieren, kann sich unsere Meinung ändern. In Besprechungen können so langatmige Diskussionen verkürzt werden, in anderen Situationen können Entscheidungen schneller oder klarer gefällt werden.

Wenn wir uns beruflich verändern wollen und aus eigener Kraft nicht weiterkommen, dann kann ein Coach helfen. Oft richtet dieser durch gezielte Fragen unsere Wahrnehmung auf bisher unbeachtete Aspekte und ermöglicht es uns so, neue Lösungen und Möglichkeiten zu entwickeln.

Vordenker auf dem Gebiet der Denkwerkzeuge ist der bereits erwähnte Edward de Bono, der auch in Deutschland mit Techniken, wie zum Beispiel den Sechs Hüten, vielen ein Begriff ist. fini

Im zweiten Artikel zeigt Florian Rustler praktische Anwendungsbeispiele von Denkwerkzeugen.

Kommentare: 2

  • 1. Wolff Horbach  |  23. Januar 2008 19:45

    Ich liebe die Denkwerkzeuge von Edward de Bono. Schon so einfache Dinge wie PMI (Plus MInus Interesant) können helfen, aus den üblichen Denkschablonen auszubrechen.

    Das Sechs-Hüte-Denken habe ich schon oft angewendet. Das kann man in ein paar Minuten auch Leuten vermitteln, die noch nie etwas davon gehört haben.

  • 2. Florian Rustler  |  24. Januar 2008 07:29

    Ja, es ist schön zu sehen und zu merken, welche Effekte solch “einfache und simple” Werkzeuge haben können. Besonders in Gruppen sind die Sechs Hüte sehr effektiv, wenn sich die Gruppenmitglieder darauf einlassen.

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