Ideen

Probleme liefern Ideen

Text: Joachim Zischke

Ohne Problem keine Lösung. Und ohne Technik keine Problemlösung. Eine Technik, die ganz einfach ist, sich allerdings recht skurril anhört, lautet: Das bewusst unbewusste Denken. Die freien Ressourcen unseres Gehirns werden während der Nacht im Schlaf genutzt. Denn auch dann will das Gehirn anspruchsvoll beschäftigt sein. Und liefert uns durch kreative Verknüpfungen neue Ideen.

palm Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Problem und lösen es buchstäblich im Schlaf. Das sei ein Witz, meinen Sie, das kann gar nicht funktionieren? Lesen Sie bitte meine Geschichte und bilden Sie sich dann ein Urteil.

Vor einigen Jahren, als ich noch Softwarelösungen entwickelte, beschäftigte mich ein Problem, das ich auch durch vieles Nachdenken und Herumbasteln nicht zu lösen vermochte. Ich gab nach drei Tagen des Grübelns auf und wandte mich einer anderen Sache zu. In der Nacht jenes dritten Tages, kurz vor dem Einschlafen, dachte ich noch einmal über mein Problem nach. Das heißt, ich dachte nicht ernsthaft darüber nach, sondern ich amüsierte mich darüber, dass ich das dumme Problem bisher nicht lösen konnte. Ich machte mich über mich selbst lustig. Mit einem hämischen Grinsen schlief ich ein. Am anderen Morgen, kaum hatte sich mein Gehirn in den Wachzustand geschaltet, sprang die Lösung meines Problems vor mein geistiges Auge. Und diese Lösung war ein absoluter Volltreffer. Ich war mir sicher, auf normalem Wege wäre ich nie darauf gekommen.

Diese positive Erfahrung überzeugte mich, von nun an regelmässig diese Art des Problemlösens anzuwenden. Ich betrachtete das unbewusste Denken als Kreativitätstechnik und setzte sie konsequent ein. Im Laufe der Monate entwickelte sich daraus tatsächlich ein wirkungsvolles, anwendbares Konzept, das ich der Einfachheit halber mit Subconscious Thinking, unbewusstes Denken, bezeichnete.

Die Kreativitätstechnik des bewusst unbewussten Denkens nutzt die Ressourcen unseres auch während der Nachtzeit aktiven Unterbewusstseins. Der Kerngedanke dieses Denkens besteht darin, sein Unterbewusstsein mit einem oder mehreren Problemen während des Einschlafprozesses zu füttern. Unser Unterbewusstsein weist zudem die Eigenart auf, Probleme in Bilder und Träume aufzulösen und über die daraus neu geschaffenen Verknüpfungen überraschende Lösungen und Ideen anzubieten. Dies mag auf den ersten Blick absurd und überhaupt nicht kreativ erscheinen, funktioniert dennoch nach einer gewissen Trainingszeit.

Tipps für eine kreative Grundstimmung
Notizbuch
Schreiben Sie jeden Tag in ein Notizbuch, was während des Tages geschah: Erfolge, Ideen, Träume, Probleme. Und tragen Sie das kleine Büchlein stets bei sich. Nichts wäre tragischer als wenn Sie Ihre beste Idee vergessen würden.
Neue Gedanken
Stimulieren Sie Ihre Gedanken durch neue Reize. Lesen Sie Zeitungen oder Zeitschriften, die Sie sonst nicht lesen. Nehmen Sie einen anderen Weg zur Arbeit. Wechseln Sie das Verkehrsmittel. Gehen Sie zu Fuß, fahren Sie mit dem Bus oder dem Fahrrad.
Luft rauslassen
Entspannen Sie sich. Auszeiten sind wichtig. Gehen Sie in den Wald. Liegen Sie faul in der Badewanne. Ihr Unterbewusstsein arbeitet weiter. Geistesblitze beim Gehen oder in Badewanne sind Realität.
Das Leben ist ein Buch
Gehen Sie nach draußen. Oder setzen Sie sich ins Café. Und beschreiben Sie die Szenerie in Gedanken. So, als ob Sie ein Buch schrieben. Protagonisten, Figuren, Lokalitäten, Kapitel, Hauptteil, Schluss. Alles, was dazu gehört. Das inspiriert und trainiert ungemein.

Entscheidend für die Wirksamkeit des unbewussten Denkens ist die Art und Weise, wie wir die Problemstellung an das Unterbewusstsein übergeben. Das zu lösende Problem übergeben wir am besten in Form einer fiktiv erzählten Geschichte an unseren Denkapparat. Das kann in Form eines konstruierten Dialogs, einer Film- oder Theaterszene erfolgen, in der wir selbst oder als Darsteller das Problem erörtern und uns dabei zusehen. Das alles muss leicht und unangestrengt ablaufen. Intensives Nachdenken oder Grübeln behindert, ja, verhindert sogar den Erfolg.

Die Anforderungen an unser Gehirn dürfen ruhig komplex und kompliziert sein. Unser Gehirn möchte sich auch des nachts anspruchsvoll beschäftigen. Eine gewisses gezieltes Überfordern setzt Synergien frei, da das Gehirn mehr Querverweise bilden und ausnutzen kann. Es versteht sich von selbst, dass wir in dieser Phase des kreativen Lösungsfindens unser Unterbewusstsein nicht mit vielen kleinen Alltags-Problemen belasten dürfen, wenn es effektiv arbeiten soll.

Eine Problemlösung oder eine neue Idee wird sich nicht immer über Nacht einstellen. Es ist daher sinnvoll, die erdachten Problem-Geschichten stichwortartig aufzuschreiben, um sie nicht zu vergessen. Als vorteilhaft hat sich ausserdem erwiesen, die Geschichten nach einem festgelegten Zeitplan immer wieder durchzulesen und sie ins Gedächtnis zu rufen, so dass sie erneut für das Unterbewusstsein präsent sind. Ganz wichtig ist, Papier und Stift während der Nachtruhe bereitzuhalten, um die tatsächlich wie Blitze auftauchenden Geistesreaktionen bei Bedarf sofort notieren zu können. Denn nichts wäre enttäuschender, wenn Sie des morgens Ihre beste Idee schon wieder vergessen hätten.

Wenn wir regelmässig unser Gehirn auf diese Art und Weise bewusst mit Problemstellungen versorgen, betreiben wir zugleich ein nützliches Trainingsprogramm. Unmerklich verbessern wir so unsere Problemlösungsfähigkeit. Und wir wundern uns vielleicht, woher wir unsere tollen Ideen holen. fini

Veröffentlicht am 01. Oktober 2009

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