Was bedeutet Lebenskunst für Sie?
Im September 2009 stellte DIALOGUS Magazin in Zusammenarbeit mit Dr. Andreas Giger, Sozialwissenschaftler und Zukunftsphilosoph, Menschen die Frage: »Was bedeutet Lebenskunst für Sie?« Wir baten um eine Antwort in nicht mehr als drei Sätzen.
Während Philosophen, Theologen, Schriftsteller und viele Mitglieder des Netzwerkes spirit.ch — Für nachhaltige LebensQualität prompt antworteten, blieben Reaktionen von Politikern und Wirtschaftslenkern so gut wie aus.
Wir wollen den Politikern in Deutschland nachsehen, dass sie sich zu diesem Zeitpunkt in einem Kampf um Volkes Stimme befanden und daher die Frage nicht weit genug in ihr Bewusstsein vordrang. Dass Wirtschaftsleute sich nicht mit der Frage beschäftigten, lässt aufhorchen und viele neue Fragen entstehen.
In der Quintessenz der Antworten können wir sagen: Lebenskunst bedeutet das Beschäftigen mit unserem Selbst und unserer Bestimmung; die Demut, die Geschicke des Lebens zu akzeptieren und dennoch ein Gleichgewicht im Denken und Handeln zu finden; so zu leben, dass nicht nur wir, sondern auch unsere Mitmenschen ein erfülltes und glückliches Leben führen können.
Die Lebenskunst besteht darin, sich dem Gefühl der Verdrossenheit zu stellen und dieses nicht mit erlebnisreicher Kurzweil zu verdrängen. Im Innern mit Stille liegt der Schlüssel zum göttlichen Gespür, das uns hinausträgt über das um sich selbst kreisende Ich. Die Kunst besteht darin, sich selbstvergessend in das Dasein vertrauensvoll hinauszuwagen.«
Udo Manshausen, Theologe, Lebensberater und Gesprächstherapeut
Persönlichkeitsentwicklung
»Mit allen Sinnen in diesem Moment sein, mich dem Menschen, der Aufgabe — hier und jetzt — ganz zuwenden und die Verbindung zu meinem Herzen und zu meinem Atem aufrechthalten. (Hört sich kompliziert an, ist es aber bei täglicher Praxis nicht!)«
Joachim Kamphausen, Verleger
Weltinnenraum
»Lebenskunst bedeutet für mich, immer wieder neu über mein Leben nachzudenken. Was ist daran schön, was nicht, was kann ich verändern, was muss ich akzeptieren? So versuche ich, ein sinnvoller Mensch zu sein und ein erfülltes Leben zu führen.«
Prof. Dr. Wilhelm Schmid, freier Philosoph, außerplanmäßiger Professor für Philosophie an der Universität Erfurt
Philosophie der Lebenskunst
»Jeder Mensch ist dazu berufen, seinem Leben Gehalt und Gestalt zu geben — zu leben statt gelebt zu werden. Die Lebenskunst besteht dann in der Annahme seiner selbst und in der Einübung der Selbsterkenntnis oder Selbstsorge, in der jeder zunehmend zur Übereinstimmung seines Handelns mit dem Selbst gelangen kann (Werde, der du bist!). In der ständig geübten geistigen Dissoziation zwischen sich selbst und der Umwelt gewinnt jeder Mensch Zugang zu den inneren Ressourcen seines Selbst (z.B. durch Meditation), die ihm zusammen mit seinem rationalen Wissen in Konflikten neue Lösungsmöglichkeiten eröffnen und die Lebensfreude erhalten bzw. gewinnen lassen.«
Prof. Dr. Dr. Rudi Ott, Philosoph, Theologe
Philosophie als innovative Lebenskunst
»Lebenskunst bedeutet für mich, den Nächsten wahrnehmen, ohne mich selbst aus den Augen zu verlieren. Mut haben, Nein! zu einer Situation und damit Ja! zu mir zu sagen. Das flott formulierte ich muss, umwandeln in ein ich darf.«
Dr. Petra Urban, Literaturwissenschaftlerin, Schriftstellerin
Petra Urban
»Das Leben als Tanz, mal Salsa, mal Walzer, mal Tango, entspricht meiner Vorstellung von Lebenskunst. Den Dreiklang aus Mut, Übermut und Demut spiele ich dabei immer wieder gerne ein. Denn Mut verleiht Flügel, Übermut schenkt Leichtigkeit und Demut sorgt für Tiefe im Leben.«
Sabine Raiser
Raiser Kommunikation und Strategie
»Lebens-Kunst ist die Fähigkeit, zu erkennen, welche Haltungen und Handlungen zum eigenen Glück und dem Glück der Anderen wirklich beitragen und welche dem Glück eher schaden. Lebens-Kunst ist, sich entsprechend dieser Erkenntnisse Tag für Tag zu verhalten.«
Wolff Horbach, Glücksforscher, Autor
Faktor-G
Das Leben mehr oder weniger nach meinen Vorstellungen für etwas Größeres als mich selbst und immer besser zu gestalten. Was Lebenskunst für mich sicher nicht ist: Überlebenskunst im Sinne von lockerem, stumpfsinnigem Lebensgenuss.«
Bernhard Aebischer
»Die Umwelt (Natur) achten und würdigen. Wissen und Bewusstsein aneignen. Überlebte Werte ausrangieren und neue Werte integrieren.«
B. Schmidt
»Lebenskunst bedeutet für mich, vorgefundene Gegebenheiten zu akzeptieren, manche davon auch wertzuschätzen, darin Handlungsmöglichkeiten zu erkennen und zu ergreifen und auch in bescheidenem Rahmen innovativ zu werden.«
Wolfgang Gerstlauer
»Lebenskunst bedeutet für mich: Sich — allen Widrigkeiten des Lebens zum Trotz — ein friedfertiges, gelassenes und heiteres Gemüt zu bewahren oder dieses anzustreben. Spiritualität kann auf diesem Wege hilfreich sein.«
Inge Votava
»Für mich bedeutet Lebenskunst die Fähigkeit, trotz steigender Konsumsucht der Menschen, penetrant evolutionär verdrängender Verhaltensweisen der Stärkeren gegenüber den Schwachen, trotz all der Misslichkeiten dieser dekadenten Gesellschaft jeden Morgen mit einem Lächeln meinen Tag fröhlich anzupacken und mein Bestes zu geben für meine Lieben!«
Ursula Büchli-Flueler
»Lebenskunst bedeutet für mich: Mit den mir zur Verfügung stehenden Ressourcen die meiner Veranlagung und meinen Wünschen entsprechende Lebensweise unabhängig gesellschaftlicher Normen, jedoch immer mit Respekt und Achtung vor der Umwelt und Sorgfalt den Mitmenschen gegenüber und in Übereinstimmung mit meinem Gewissen ohne Angst, auszuleben.«
Valérie Fojtu-Alder
»Mit 68 Jahren denkt man ein bisschen anders als mit 40 Jahren. Für mich bedeutet Lebenskunst, die Menschen akzeptieren wie sie sind; den Moment genießen und das Leben annehmen wie es gegeben ist; neugierig sein, stets dazulernen und positiv denken. Das klingt einfach, fordert uns dennoch enorm, weil wir hartnäckig an unseren alten verkrusteten Verhaltensmustern hängen. So stelle ich mir Lebenskunst vor, was aber längst nicht für alle Menschen erstrebenswert ist.«
Gertrud Köstli
»Lebenskunst ist für mich das Talent, sich am Schönen zu erfreuen, die Neugier, das weniger Schöne zu hinterfragen, die Wut, Schlechtes zu bekämpfen und dabei dennoch nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten. Lebenskunst ist die Freude am Sonnenaufgang, auch wenn gleichzeitig die Welt untergeht. Lebenskunst ist es, Lebenskunst so zu definieren, dass sie nicht nur für mich selber, sondern auch für andere (nicht alle) stimmt.«
Bernhard Schindler
»Lebenskunst ist die Kunst auf dem Lebensgrat zu wandern, ohne abzustürzen — eine Gratwanderung bleibt es alledem.«
Walter Wenk
»Lebenskunst heißt für mich: Mich selbst bedingungslos lieben und mir selbst vertrauen. Meinen Schatten integrieren und mich selbst entdecken. In Harmonie und Balance zum bewussten Schöpfer werden.«
Otto Wyss
»Für mich ist Lebenskunst, täglich zu versuchen, eine sinnvolle geistige Tätigkeit und deren Resultate in Worte zu fassen, diese Gedanken niederzuschreiben und immer wieder (anhand des Geschriebenen) nach Wochen oder Monaten den eigenen Fortschritt im Denken gegenüber den Mitmenschen, Pflanzen und Tieren feststellen zu können. Dabei ist das Finden der Balance zwischen täglicher Pflicht und frei schwebenden Gedanken auch eine wahre Kunst.«
Peter Langenauer
»Lebenskunst bedeutet für mich, trotz allen Widrigkeiten, Einschränkungen, Handicaps mit sich selbst und der Umgebung, zufrieden zu sein. Es bedeutet auch, Menschen so anzunehmen, zu schätzen und zu lieben wie sie sind.«
Barbara Wenk
»Für mich bedeutet Lebenskunst die Fähigkeit, aus jeder Situation das Beste zu machen. Das heißt, zu ändern, was man ändern kann und zu akzeptieren, was sich nicht ändern lässt. Daraus und durch positives Denken ergeben sich Gelassenheit und Lebensfreude.«
I. Rüegg
»In Dankbarkeit das Jetzt annehmen und voll leben. Wach jede Lernchance darin erkennen und feiern.«
Peter Kessler

