Gully-Splitter
Gully-Marie

Anna-Maria ist düsteren Sinns. Dass der Weibel die Geschichte mit dem Kindsvater nicht geregelt hat, hat sie schwer enttäuscht, mehr noch als der Rauswurf durch die Tittlinen. Er ist doch eine Respektperson, hätte sicher mehr Einfluss gehabt. Sie kann diesen Buben nicht behalten, wenn sie ihr Leben noch ändern will. Sie will eine Familie haben, wie die anderen, mit einem Mann, mit Kindern, einem Vater für die Kinder. Sie sieht immer wieder nach dem Kind, das sich am Bach vergnügt, das in den Büschen verschwindet und dann wieder lachend hervorkommt, hin und wieder eine Hand voll Beeren seiner schwitzenden Mutter in den Mund schiebt. Sie setzen sich in die Ackerfurche. Anna-Maria sieht ihr Kind an, von oben nach unten, als hätte sie es nie ganz betrachtet. Wie das wohl weiter gehen mag mit dem Knaben und ihr? Sie will zum späten Frühstück ins Dorf zurück, zu den anderen Leuten. Der Knabe springt über die Felder den Vögeln nach. Sie will aufbrechen, schreit nach dem Johannesli. Der kommt, widerwillig wie Buben in seinem Alter. Warten macht sie ungeduldig, sie packt den Jungen grob am Arm und geht mit ihm Richtung Mühlenwuhr. Er möchte noch hierbleiben, Beeren suchen, sich den Bauch füllen. Sie gehen auf den Steg zu, beidseits dichtes Gestrüpp, Weiden durchsetzt mit wilden Beeren. Anna-Maria ist einen Augenblick von Sinnen, es wird ihr schwarz in der Seele und vor den Augen. Der Junge zerrt an ihrer Hand. Festhalten – loslassen – festhalten – freimachen. Ein aufgeschreckter Vogel fährt kreischend aus dem Gebüsch. Eine Wolke schiebt sich vor die Sonne, Anna-Maria findet ihr Gesicht nicht mehr auf der plötzlich trüb gewordenen Wasseroberfläche.
Aus: Mengis-Imhasly, Ines: Gully-Marie. Die Geschichte einer Kindsmörderin. Visp, 2005.
Die Verfolgungsjagd
Alter: 7 Jahre
Ort: Bauernhof in Westfalen
Verfolgungsjagd mit dem Fahrrad, beschleunigen auf einer abschüssigen Scheuneneinfahrt auf gefühlte 140 km/h …. Der Verfolgte konnte mit seinem Bonanza-Rad den Streifengully locker überqueren, während ich dummerweise eine Bremsung von 140 auf 0 hinlegte, indem ich einfach mit meinem Vorderrad in den Gullydeckel einfädelte (Vorderrad zu Hälfte im Gully verschwunden). Der Abflug danach (wer ist Jens Weissflog?) war lehrbuchhaft, meine Telemarklandung mit dem Kinn weniger — geblutet wie ein Schwein, heulend nach Hause gelaufen (Fahrrad steckte ja im Gully!) und zu Hause macht der Vater die Tür auf und hat mir mit den Worten “Was hastn jetzt wieder für ne Scheisse gemacht?” direkt noch eine gezimmert. Erst dann war ich wirklich reif fürs Krankenhaus. Acht Stiche zeugen noch heute von meiner profihaften Landung und werden von meiner 8-jährigen Tochter bestaunt.
Forum Kölner-Stadtanzeiger, “Zeigt her eure Narben”, Beitrag von Raimund1969 vom 09.11.2006
Nummernschild befestigen
Ich habe ein kleines Problem. In der Frontstoßstange sind ja zwei Löcher, in denen zwei Metallklammern sitzen, an denen man den Kennzeichenhalter festschraubt. Jetzt ist mir am Wochenende auf der Autobahn eine dieser Klammern kaputt gegangen und als ich den Kennzeichenhalter abgeschraubt habe, ist die andere Metallklammer im Gully verschwunden.
Jetzt überlege ich, das Nummernschild an der Stoßstange festzukleben. Das hätte den Vorteil, dass der Kennzeichenhalter verschwindet und ich keine Löcher in das Nummernschild bohren muss. Würde Silikon da reichen oder sollte ich doch besser Karosseriekleber nehmen? Vielleicht gibt es ja auch gutes doppelseitiges Klebeband, mit dem man das Kennzeichen befestigen kann. Wichtig ist halt nur, dass es auch bei über 200 Sachen auf der Bahn hält.
Hm, also ich würde mir eher neue Klammern kaufen. Wenn fest, dann fest!
Karosseriekleber oder Klammern, wobei du bei Klammern die Teile wieder abbekommst!
Spiegel-Klebeband! Haben meine Eltern seit Jahren am Audi dran. Kann auch Feuchtigkeit ab, weil ja für den Sanitär-Bereich gedacht.
Glaub ich dir, aber es fegt ja auch kein Sturm mit über 200 Sachen durchs Badezimmer (ich meine, hält das auch so ne hohe Geschwindigkeit aus?).
Aus: Opel Vectra Problemforum
Schneller als der Schatten
Wie jeden Morgen rast der Einrad-Eiermann mit seinem Schatten um die Wette. Immer wieder sind Leute nicht vorgewarnt. Gerade erst haben ein Mann und eine Frau ihre Sachen auf die Straße geworfen und sind schreiend geflohen. Der Mann ist in der Kanalisation verschwunden und hat sich erst mal eine Beruhigungszigarre angezündet. Es qualmt aus dem Gully. Max, André und Paula schauen vom Balkon aus zu. Das machen sie immer, wenn der Einrad-Eiermann vorbeikommt. »Da«, ruft Paula, »er kommt wieder«. Doch dann ist er auch schon wieder weg. »Schade, dass man ihn nie richtig sieht.« Jetzt rast der Einrad-Eiermann schon am Sonnenblumenfeld vorbei. Die gelben Blütenblätter fliegen herum. Genauso wie die Einkaufstasche der geflüchteten Frau und die Aktentasche des Mannes, der unterm Gullydeckel sitzt und immer noch raucht. Die Frau steht zu Hause in ihrer Küche und fragt sich: »Was soll ich jetzt kochen ohne mein Gemüse?« Und so rast der Einrad-Eiermann auch heute noch viele, viele Runden mit seinem Schatten um die Wette und verbreitet Angst und Schrecken. Nur die Kinder finden ihn stark.
Aus: Erzählwettbewerb Der Bunte Hund, Rosanna (9), Frankfurt am Main.
Durchsage
»Der Fahrer des Wagens mit dem Kennzeichen XYZ möchte bitte zu seinem Fahrzeug kommen. Der Wagen steht auf einem Gullydeckel und der Kanalarbeiter möchte Feierabend machen …«
Die Welt ohne uns
Was wäre mit unseren Städten, wenn es die Menschen nicht mehr gäbe? Mit New York zum Beispiel? Da die Megacity auf wasserreichem Grund steht, wären sämtliche U-Bahn-Schächte sofort überflutet, weil ohne Menschen keine Pumpen mehr arbeiteten. Wasser würde aus den Gullys schießen und wenn es im Winter friert, springt der Beton: Die Wolkenkratzer stürzen ein. Großstädte in der Nähe von Flussdeltas wie Hamburg, Amsterdam oder Houston wären in 300 Jahren regelrecht fortgewaschen. Nach 500 Jahren wäre das meiste verschwunden. Bis auf die korrosionsbeständigen Aluminiumteile von Geschirrspülern oder Kochtöpfen aus Edelstahl, die aus dem Waldboden herausragen.
Aus: Weisman, Alan: Die Welt ohne uns: Reise über eine unbevölkerte Erde. 2008.
Ist es wahr, dass in der Toilette runtergespülte Essensreste Wasserratten ins Rohr locken?
Im Untergrund unserer Städte und Ortschaften tummeln sich tatsächlich Ratten und andere Schädlinge, die sich von Abfällen im Abwasser ernähren. Wasserratten dürften das aber kaum sein, eher Haus- und Wanderratten. Im Einzelfall sollen solche Tierchen über das Leitungssystem auch in die Wohnungen gelangt sein.
Nahrungsmittelreste haben im Abwasser der Toilette nichts zu suchen. Erstens wegen dem Viehzeug, welches sich davon ernährt und zweitens wegen der Fettablagerungen und Verstopfungsgefahr. Die Biotonne steht nicht umsonst in den meisten Haushalten. Und wenn Du gammelndes Fleisch im Müll in der Wohnung nicht erträgst, bring ihn öfters als gewöhnlich runter. Deine Frau wird´s Dir danken.
Keine Wasserratten, aber Ratten. In Deutschland gibt es Hochhäuser, da schaffen es die Viecher durch die Kanalisation bis auf die 9te Etage.
Das mit den Ratten aus der Klobrille passiert nur in entsprechenden Filmen.
Wie bitte? Deine Frau macht sich Sorgen über aus der Toilette beißende Ratten? Da solltest eher Du … Aber, na ja: Ich nehme an, Du bist kein Sitzpinkler. Also besteht, so gesehen, kein Grund zur Panik.
Aus: Yahoo-Clever Forum
Kinderlied
Aram samm samm, aram samm samm,
gulli gulli gulli gulli, aramm samm samm.
Arafi, arafi,
gulli gulli gulli gulli, aram samm samm.
Aus dem Liederbüchlein der Krabbelgruppe Grafenrheinfeld
