Rubrik 'Wissen'
Zeige mir, und ich verstehe
Über die Präsentation von Ideen und Sachverhalten
Wir sprechen über die Präsentation einer Idee oder eines Sachverhalts. Dabei denken wir meist an Softwarelösungen wie PowerPoint oder Keynote. Handgeschriebene Folien sind von gestern, professionell präsentieren heißt, mit einer softwarebasierten Technik zu arbeiten.
Auf den erste Blick sind die Vorteile einer Präsentation mit PP & Co schnell ausgemacht: Vorgefertigte Folien in nahezu unbegrenzter Art, Form und Vielfalt; Text, Grafik, Farbe, Ton, Animation, Überblendeffekte und Videosequenzen lassen sich in beliebiger Form intergrieren und kombinieren. Die Anzahl der Folien innerhalb eines Vortrags ist theoretisch unbegrenzt.
Die Nachteile sind ebenso schnell erkannt: Fällt der Computer oder die Beamerlampe aus, ist es auch aus mit der Präsentation. Aufgrund der technisch orientierten Anwendung klebt der Vortragende meist am Dia, das er gerade vorführt. Die Präsentationsfolie wird zum Mittelpunkt, nicht der Redner oder das, was er sagen will.
Stehen Computer und Beamer einmal nicht zur Verfügung, kommt gerne das Flip-Chart zum Einsatz. Dieses Werkzeug verlangt nach handwerklicher Betätigung, erfordert auch etwas Geschick, die Inhalte lesbar und verständlich auf das Papier oder die Tafel zu bringen.
So weit, so gut. Was wir bis hierher betrachteten, war die äussere Hülle der medialen Präsentation. Wie aber sieht es mit den Inhalten, der didaktischen Umsetzung und dem Lernergebnis aus? Dazu sollten wir zunächst in Erfahrung bringen, wie das optische Wahrnehmungssytem des Menschen funktioniert.
Wir sind Augenmenschen, d.h. wir nehmen über unsere Augen unzählige optische Informationen wahr, die unser Gehirn dann sehr schnell verarbeitet. Das gelingt aber nur optimal, wenn die Information gehirngerecht aufbereitet ist. Was bedeutet »gehirngerecht«?
Wir wissen heute, dass wir die Welt, in der wir uns bewegen, bildhaft aufnehmen und in unserem Gehirn als Muster abspeichern. So lesen wir beispielsweise nicht jeden einzelnen Buchstaben eines Wortes, sondern wir sehen das Wort als Bild.
Unser Gehirn versucht, das wahrgenommene Muster in ähnlichen, bereits gespeicherten Mustern wieder zu erkennen. Erkennt das Gehirn ein Muster, erfolgt die Weitergabe an ein logisches Zentrum, das einen Sinn aus dem Gelesenen entnimmt.
Je mehr unbekannte Begriffe, Zusammenhänge oder Formeln auf unser Gehirn einströmen, umso mehr steigt die Zahl der »Regressionen«, der Rücksprünge zum Wortanfang, um sich der Bedeutung des Wortes zu vergewissern.
wird fortgesetzt
Reise um mein Zimmer
Im Jahr 1795 erscheint mit Xavier de Maistres Reise um mein Zimmer (Voyage autour de ma chambre) das Gegenmodell zu den Expeditionsberichten seiner Zeit: die Erforschung des eigenen Zimmers – und der eigenen Imagination — als welthaltiger Mikrokosmos.
Dieser Text beschäftigt sich mit dem komplementären oder konfliktreichen Verhältnis zwischen Außenraum und Innenraum sowie zwischen Intérieur und dem Innenleben der darin lebenden Subjekte.
Die Literatur des 19. Jahrhunderts (Stifter, Keller, Fontane) konstruiert ihre bürgerlichen Innenräume auf eine detailversessene Weise, die ihre Raum-, Wissens- und Geschlechterordnungen lesbar macht, aber auch die möglichen Bedrohungen: Gegen welche Leere, gegen welche anderen Räume werden die Innenräume so umsichtig abgepolstert? Und welche Rolle spielen dabei Schreibtisch, Bücherschrank, Bett, Bilder, Spiegel, Tapeten, Vorhänge, Lampen? In literarischen Texten des frühen 20. Jahrhunderts (Walser, Kafka, Musil) werden die Schauplätze zunehmend brüchig, was den Zusammenhang von Intérieur und Innerlichkeit nochmals forciert, den Edgar Allen Poe (in seinem Essay Philosophy of Furniture, 1840) und Walter Benjamin theoretisch durchdacht haben. 
[Literarische Interieurs: Raum-, Wissens- und Geschlechterordnungen, moodle-Kurs an der Humbold-Universität zu Berlin 13.11.2011]
Hauptmangel der tätigen Menschen
283
»Hauptmangel der tätigen Menschen — Den Tätigen fehlt gewöhnlich die höhere Tätigkeit: ich meine die individuelle. Sie sind als Beamte, Kaufleute, Gelehrte, das heißt als Gattungswesen tätig, aber nicht als ganz bestimmte einzelne und einzige Menschen; in dieser Hinsicht sind sie faul. — Es ist das Unglück der Tätigen, daß ihre Tätigkeit fast immer ein wenig unvernünftig ist. Man darf zum Beispiel bei dem geldsammelnden Bankier nach dem Zweck seiner rastlosen Tätigkeit nicht fragen: sie ist unvernünftig. Die Tätigen rollen, wie der Stein rollt, gemäß der Dummheit der Mechanik. — Alle Menschen zerfallen, wie zu allen Zeiten so auch jetzt noch, in Sklaven und Freie; denn wer von seinem Tage nicht zwei Drittel für sich hat, ist ein Sklave, er sei übrigens wer er wolle: Staatsmann, Kaufmann, Beamter, Gelehrter.«

[Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: Erster Band. Friedrich Nietzsche: Werke, S. 4585]
Zugunsten der Müßigen
284
»Zugunsten der Müßigen — Zum Zeichen dafür, daß die Schätzung des beschaulichen Lebens abgenommen hat, wetteifern die Gelehrten jetzt mit den tätigen Menschen in einer Art von hastigem Genusse, so daß sie also diese Art, zu genießen, höherzuschätzen scheinen als die, welche ihnen eigentlich zukommt und welche in der Tat viel mehr Genuß ist. Die Gelehrten schämen sich des otium. Es ist aber ein edel Ding um Muße und Müßiggehen. – Wenn Müßiggang wirklich der Anfang aller Laster ist, so befindet er sich also wenigstens in der nächsten Nähe aller Tugenden; der müßige Mensch ist immer noch ein besserer Mensch als der tätige. — Ihr meint doch nicht, daß ich mit Muße und Müßiggehen auf euch ziele, ihr Faultiere? — « 
[Friedrich Nietzsche: Werke und Briefe: Erster Band. Friedrich Nietzsche: Werke, S. 4586]
Über eine Formel zum Durchführen von Innovation
In ihrem Buch Innovationsmanagement. Strategien, Methoden und Werkzeuge für systematische Innovationsprozesse stellen die Autoren Tobias Müller-Prothmann und Nora Dörr die folgende griffige Formel auf: Innovation = Idee + Invention + Diffusion [...]
Artikel lesen …Über das Lernen, das Digitalisieren des Wissens und das Denken
Das Digitalisieren des Wissens verändert nicht nur, wie wir lernen und Informationen aufnehmen. Das verlagern unseres Wissens in externe Informationsquellen verändert auch unsere Denkfähigkeit und Kompetenz des Problemlösens.
Artikel lesen …Was ist spielerisches Lernen?
Spielerisches Lernen hilft uns seit Kindertagen, Zusammenhänge zu erfasssen, Wissen anzueignen und Aufgaben zu lösen. Verblieben ist im Erwachsenenalltag nur das Lernen, häufig auch noch ein erzwungenes Lernen. Das Spiel(en) haben wir zugunsten weniger hilfreicher Methoden aufgegeben. Zeit, uns wieder an das Spielerische in unserem Leben zu erinnern.
Artikel lesen …Vom geträumten Dreisatz
Vielleicht erging es Ihnen früher auch einmal so: In Mathe fürchtete ich mich höllisch vor den sogenannten Textaufgaben, die, meines Erachtens nach, einen Sachverhalt verklausuliert und absichtlich verwirrend darstellten. Wie etwa die folgende Aufgabe:
»Fünf Putzfrauen fegen in 2 Stunden und 40 Minuten eine 480 Quadratmeter große Turnhalle. Wieviele Putzfrauen muss der Hausmeister anheuern, wenn die Halle in 20 Minuten sauber sein soll? Zusatzaufgabe: Berechne die Anzahl der benötigten Besen, wenn jeder Besen eine Fläche von 1,5 Quadratmeter abdeckt.«
Ganz klar, eine Dreisatzaufgabe. Doch: Muss ich jetzt die Putzfrauen durch die 2 Stunden 40 Minuten dividieren und das Ergebnis mit den um 20 Minuten reduzierten Quadratmetern multiplizieren? Oder erst die Anzahl der Besen ausrechnen, um diese dann mit den durch die Quadratmeter geteilten Putzfrauen malzunehmen? Ich bin mir sicher, dass die Zusatzaufgabe ein eisglatter Verwirrtrick unseres Mathelehrers war. — Mann, oh Mann. Zum Glück habe ich diese Aufgabe nur geträumt.
