Rubrik 'Leben'
Tagebuch: Beobachtet
Text: Joachim Zischke
Seit einigen Tagen begegne ich ihm häufiger. Der Mann, um die Fünfzig, trägt einen weit geschnittenen Kamelhaarmantel und, wie ich herausfand, original hellbraune Budapester. Ein blendend weißer Seidenschal umhüllt seinen Hals.
Neues Weiß
Text: Joachim Zischke
Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass es immer mehr Produkte in der Farbe Weiß gibt? Was bedeutet das neue Weiß? Soll das Weiß schlicht Aufmerksamkeit erregen, für neue Produkte werben? Oder steckt dahinter die Sehnsucht nach einer heilen, hellen Welt, nachdem sich alles um uns herum ins Schwarze verdüsterte — Schwarzer Montag, Schwarze Listen, Schwarzmaler, schwarze Löcher?
Kirschblüten aus Tokio
Text: Joachim Zischke

vom Pferd steigen lassen,
der Kirschblütenzweig.
Issa (1763-1827)
Sandkastenspiele
Text: Joachim Zischke
Ich habe als Kind nie in einem Sandkasten gespielt. Vor oder hinter dem Block, in dem wir wohnten, gab es keinen Sandkasten. Ich besaß daher auch keinen Plastikeimer, keine Schaufel und keine Förmchen. Wohl beobachtete ich hin und wieder von Ferne, wie das in einem Sandkasten zugeht. [...]
Ziel
Text: Joachim Zischke
»Am Ziel deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern ans Ziel.«
Marie von Ebner-Eschenbach
Unplan und Tod
Text: Joachim Zischke
In seinem 1975 veröffentlichten Theaterstück Death (Tod) zeigt Woody Allen in einer Schlüsselszene die Absurdität des Menschen, durch das Planen, seinem oder dem Leben überhaupt eine gewünschte Richtung zu geben. Der Unplan, das Ungewisse und Unergründliche, führt schließlich zum Tod.
Apfelkerne
Text: Joachim Zischke
Als Junge trug ich stets eine Kollektion von Apfelkernen in meinen Hosentaschen. Ich sortierte sie nie, doch achtete ich darauf, möglichst viele verschiedene Formen und Farben zu sammeln. Sind Apfelkerne eigentlich giftig? Kann aus einem Apfelkern ein Apfelbaum werden? Erinnerungen an eine Sammelleidenschaft.
Paul sagt. Oder: Das neuro-erratische Komplexitätsphänomen
Text: Joachim Zischke
Wenn infolge eines Fehlers eine Sache schief geht, gehen meist alle Versuche, den Fehler zu korrigieren, auch schief. Liegt dieser mehrfach bewiesenen Tatsache eine Gesetzmäßigkeit zu Grunde? Könnten wir dieses Gesetz vielleicht zu unserem Vorteil nutzen? Mein Freund Paul hat diese Frage untersucht.
