Für Sie gelesen:
Das große Lexikon Medien und Kommunikation
Text: Joachim Zischke
Das große Lexikon Medien und Kommunikation
Kompendium interdisziplinärer Konzepte
Herausgeber: Leon R. Tsvasman
Es dürfte immer ein heißes Eisen sein, ein Lexikon, zudem noch ein großes Lexikon, zu einer eng definierten Beschreibung auf den Markt zu bringen. Vor allem dann, wenn es sich bei den Themen Medien und Kommunikation um die aktuell dynamischsten und einem starken Wandel unterworfenen Themenfelder handelt, die sowohl Wirtschaft und Gesellschaft, Wissenschaften und Künste als auch alle Medien und die Kommunikation selbst durchdringen.
Das Werk liefert, laut Definition, für Studierende, Wissenschaftler und Praktiker gleichermassen ein Kompendium interdisziplinärer Konzepte — ein recht schwieriges, wenn nicht gar unmögliches Unterfangen, da die Bildungs- und Wissensvoraussetzungen der avisierten Lesergruppen nicht deckungsgleich sein können. So entschloss sich der Rezensent, das Buch aus einer mehr praktisch orientierten Perspektive zu betrachten.
Die inhaltliche Struktur bildet eine weit reichende Stichwortbrücke über die Disziplinen Pädagogik, Psychologie, Philosophie, Soziologie, Philosophie, Anthropologie und Kybernetik. Auch Begriffe aus Marketing, Politik, Recht, Kultur, Kunst und Ethik werden berücksichtigt. Das Buch liefert verständlich formulierte Erläuterungen, zum Teil auch populär-wissenschaftliche Darstellungen, welche Studierenden wie Praktikern helfen, sich im Dschungel von Theorien und Systemen zu orientieren.
Im Anspruch des Buches entsprechend werden medien-relevante Begriffe, wie Medienberufe, Mediengesellschaft, Medienkompetenz, Medienwirkung, Medienkunst und Medienpsychologie ausführlich behandelt. Dem Rezensenten fällt auf, dass im Themenkomplex Medienrecht die seit geraumer Zeit geführte politische Diskussion über das Urheberrecht keine Erwähnung findet.
Überhaupt wirf die Begriffsauswahl und -gewichtung einige Fragen auf: Unter dem Stichwort Buch findet der Leser auf gut sieben Seiten eine detaillierte Abhandlung. Zum Stichwort Bild, das wohl dem Hauptthema Medien und Kommunikation wesentlich näher stehen dürfte, findet sich gar kein Eintrag. Dafür wird unter Bildjournalismus eine Titel-Abbildung der London News aus dem Jahre 1871 gezeigt; über den Zusammenhang bleibt der Leser im Unklaren. Etwas deplatziert erscheinen Stichwortbeiträge wie Customer Relationsship Management (CRM) oder Farbe. Über den Artikel Liebe muss sich der Rezensent nicht verwundern, wenn er die einleitenden Worte lesen darf:
»Liebe ereignet sich aus der kognitiv-intersubjektiven Haltung der verstärkten Aufmerksamkeit (Anerkennung, Achtung) und wird als [besonders] intensive Zuneigung oder Verbundenheit erlebt.
Der Antrieb der Liebe ist biologischer Natur, ihre anthropologische Eigenart besteht in der kommunikativen Übertragbarkeit auf die Entitäten — Konstrukte und Kategorien — der transsubjektiven Wirklichkeit …«
Das große Lexikon Medien und Kommunikation ist nicht nur dank des großen Schriftbildes leicht zu lesen: Es liefert dem interessierten Studierenden und Praktiker einen, meist kurz und bündig, formulierten Abriss zu den Begriffen. Die Struktur innerhalb der Beiträge ist übersichtlich; Stichwörter, die sich im Stichwortverzeichnis finden, werden im Fettdruck angezeigt. Das Werk schließt mit Kurzbiografien bedeutender Kommunikationsforscher, Verweise auf Grundlagenwerke, Internetadressen und den Biografien der 30 beteiligten Verfasser.
ISBN: 9783899135152; Herausgeber: Leon R. Tsvasman; Verlag: Ergon; Sprache: deutsch; 425 Seiten; 2006.
Veröffentlicht am 03. Juli 2008
Kommentare: 1
1. Redaktion | 03. Juli 2008 11:56
Anonymer Kommentar, von der Redaktion freigeschaltet
Im Vorwort steht genau, dass das Lexikon konzeptionell eine “kompensatorische” Perspektive verfolgt, also sich an erster Linie um Themen bemüht, die im aktuellen Diskurs leider untergegangen sind. Die ohnehin dominanten Diskussionen (wie Urheberecht, Bild) wurden wohl knapper und bündiger gefasst, als die bisher wenig erschlossenen. Da steht auch, dass Themen von Studenten selbst angeregt wurden. Also Bereiche, wo wir uns bis jetzt nur schwer orientieren konnten, waren mit mehr Gewichtung versehen als die ohnehin viel beachteten (diese haben die Verfasser halt auf den aktuellsten Stand gebracht). Also so ein Lexikon versteht sich als Orientierungshilfe in konkreter Studiensituation, und das finde ich überhaupt sehr lobenswert!