Für Sie gelesen: Die Entscheider-Bibel

Die Entscheider-Bibel ist ein Arbeitsbuch, das dem Entscheider Kenntnisse und Werkzeuge in die Hand gibt, seine Entscheidungen optimal vorzubereiten, zu bewerten und durchzuführen. Zugleich dient das Buch als Coach in Fragen der eigenen Vision und persönlichen Mission im Leben.

entscheiderbibelEntscheiden gehört wie das Atmen zu unserem Leben. Meist treffen wir Entscheidungen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind — wir entscheiden intuitiv, aus der Erfahrung heraus, weil wir lernten, wie wir uns in alltäglichen oder typischen Situationen am besten verhalten. Dann wieder sitzen wir über Entscheidungen, die uns alles abverlangen: Wie sollen wir entscheiden? Welche Alternativen gibt es? Welche Entscheidung ist die geeignetste, die günstigste, die optimale?

Mit dem Buchtitel Die Entscheider-Bibel legt der Autor und Entscheidercoach Kai-Jürgen Lietz die Sprunglatte sehr hoch. Bedeutet der Begriff Bibel nicht nur das Buch der Bücher. Im übertragenen Sinne steht Bibel auch für ein Standardwerk eines Sachgebiets. Ist die Entscheider-Bibel nun das Standardwerk für Entscheidungen? Sehen wir uns das Buch näher an.

Schlüsselelemente einer Entscheidung

p In einer Einführung lernen wir die Schlüsselelemente einer guten Entscheidung kennen: Wir brauchen Entscheidungsklarheit. Wir müssen zuerst einmal selbst wissen, was wir wollen. Haben wir noch keine hundertprozentige Klarheit über unser Wollen, benötigen wir attraktive Alternativen, die wir uns erarbeiten. Wir erfahren, dass wir die größtmögliche Unterstützung anderer Menschen brauchen, wenn wir unsere Entscheidung erfolgreich umsetzen wollen. Und wir hören schließlich, dass Entscheiden richtungsgetriebenes Handeln bedeutet, ein Handeln, das unseren ganzen Einsatz erfordert.

Entscheidungsklarheit herstellen

p Wie kommen wir zu einer Entscheidungsklarheit? Lietz sieht hierfür zwei Vorbedingungen, die er ausführlich behandelt. Eine persönliche Vision sei die Grundlage einer jeden Entscheidung, so der Autor, und wir benötigten eine Mission, die sich wie ein roter Faden durch unser Leben zieht. Der Autor verzweigt dabei in einen umfangreichen Workshop zur Entwicklung einer eigenen Vision und persönlichen Mission.

Bedarf konkretisieren

p Das Erfordernis der Entscheidungsklarheit stellt die Frage: Was ist mein Bedarf und was will ich wirklich? Lietz sieht im Bedarf einer der Dreh- und Angelpunkte für die Entscheidungsfindung. Dabei beleuchtet er sehr detailliert die Faktoren, welche den Bedarf ausmachen und beeinflussen. Er stellt auch die Sinnfrage für den Entscheider und benennt hierfür drei Prinzipien: Langfristigkeit, Werte- und Missionsorientierung. Diese machen, so Lietz, zusammen mit den Bedarfsfaktoren persönliche Vision und Mission die Eckpfeiler der Entscheidungsgrundlage aus.

Attraktive Alternativen

p Im Kapitel über den »Stoff, aus dem Entscheidungen sind«, den attraktiven Alternativen, machen wir einem längeren Ausflug in die Themen Kreativität und Zeitmanagement. Die Bibel für den Entscheider verwandelt sich in einen Kursus über Kreativstrategien und -methoden, mit denen der Entscheider erlernen kann, wie er Alternativen erzeugt, vergleicht und sie optimiert.

Entscheider brauchen Unterstützer

p Kein Entscheider lebt auf einer Insel. Für das erfolgreiche Umsetzen seiner Entscheidung ist er häufig auf die Unterstützung Anderer angewiesen. Der Autor behandelt dieses Thema ausführlich und mit vielen Praxisbeispielen, so auch, wie Betroffene zu Beteiligten einer Entscheidung werden können.

Das Entscheider-ABC

p Dieses Kapitel fasst das gesamte Spektrum des Entscheidungsprozesses in kurzen, prägnanten Stichworten zusammen: von Auftrag über Innovation und Nachfolge bis Zielkonflikt. Vorangestellt ist diesem Kompendium eine Kurzbeschreibung der fünfzehn Entscheidungsfallen, die der Autor in seinem bereits 2007 veröffentlichten Entscheider-Buch schilderte.

Fazit

p Die Entscheider-Bibel ist ein an der Praxis orientiertes Arbeitsbuch. Eine gewisse Lust des Autors am Klassifizieren und Typisieren von Sachverhalten erschwert mitunter den Lesefortschritt.

p Der Einsteiger in das Thema des Entscheidens findet fundierte Kenntnisse und Handreichungen, die es ihm ermöglichen, Entscheidungen optimal vorzubereiten, zu bewerten und durchzuführen. Aufgrund der enormen Fülle und Vielfalt des Materials wird es für ihn allerdings nicht immer leicht sein, einen geraden Weg zu gehen. Hier wäre oftmals eine didaktische Aufbereitung der Themen wünschenswert gewesen.

p Dem fortgeschrittenen Entscheider eröffnet das Buch viele Details, welche die Prozesse des Entscheidens vertiefen und aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln sichtbar machen. Durch die mitgelieferten, auf einer speziellen Website auch downloadbaren Workshops besteht die Möglichkeit des Selbststudiums und der Reflexion bisheriger Entscheidungswege.

p Der Profi-Entscheider wird vielleicht Hinweise zur Psychologie des Entscheidens und dem aktuellen Stand der Entscheidungsforschung, etwa der Neuroökonomie, vermissen. Zwar werden die Themen Bauchgefühl und Intuition gestreift, die Anatomie der Ratio im Entscheiden findet in der Entscheider-Bibel keinen Platz. Dabei wäre es beispielsweise durchaus spannend zu erfahren, welche Rolle das emotionale Erfahrungsgedächtnis bei Entscheidungen spielt.

p Die Orientierung des Autors an Themen wie Vision und Mission oder Kreativität lässt erkennen, dass die Entscheider-Bibel eher in die Richtung eines persönlichen Coachings tendiert, als die Aspekte des Entscheidens umfassend, also sowohl in Theorie als auch in Praxis, darstellen zu wollen. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Entscheider-Bibel ein gelungenes und nützliches Werk. fini

Lietz, Kai-Jürgen: Die Entscheider-Bibel. München. 2009

Website Entscheider-Bibel
Blog des Autors Kai-Jürgen Lietz

Kommentare: 4

  • 1. Christiane Windhausen  |  24. März 2009 13:02

    Ein guter Freund von mir hat einmal den Satz gesagt: Verstehen kommt nach der Entscheidung. Diese Weisheit begleitet mich seitdem durch mein Leben…

    Ich erlebe immer häufiger, dass Entscheidungen sich nicht aus rationalen Überlegungen ergeben, sondern eher aus unmittelbarer Leidenschaft entstehen.

    Ich verstehe dann oftmals erst hinterher, wofür meine Wahl eigentlich gut war.

  • 2. Joachim Zischke  |  24. März 2009 15:55

    Hallo Frau Windhausen,

    da sprechen Sie aber ein Thema an: Entscheiden aus Leidenschaft. Welche Art von Entscheidungen könnten wir denn darauf aufbauen? Denken Sie dabei auch an unternehmerische Entscheidungen?

    Ich stimme Ihnen gerne zu, dass nicht immer das rationale Entscheiden die bessere Alternative darstellt. Aber für eine emotionale Entscheidung müssen ja auch die richtigen Voraussetzungen erfüllt sein, beispielsweise durch Erfahrung, intuitives Wissen.

    Ich bin sicher, Kai-Jürgen Lietz hätte dazu eine Menge zu sagen.

    Beste Grüße, Joachim Zischke

  • 3. Kai-Jürgen Lietz  |  26. März 2009 08:36

    Hallo Herr Zischke,

    haben Sie herzlichen Dank für Ihre Rezension! Ein praxisorientiertes Arbeitsbuch — das ist schönes Kompliment, entspricht es doch genau der Absicht des Autors. :-)

    Ich verstehe, dass Sie gerne weitere Themen in der Entscheider-Bibel gesehen hätten. In meinem Beruf arbeite ich mit Praktikern. Menschen, die zu mir kommen, weil Sie Erfolg zu ihren eigenen Bedingungen haben wollen, Macher eben.

    Daher habe ich dieses Buch für Macher geschrieben, bzw. für Menschen, die es gerne werden möchten.

    Ich vertrete einen gänzlich anderen Entscheidungsbegriff als er in der Forschung oft betrachtet wird. Dort wird der Entscheider isoliert in eine Opferrolle gedrängt.

    Ohne jede Vorgeschichte soll er über Alterntativen entscheiden. Danach wird dann überprüft, ob er richtig lag.

    Keiner berücksichtigt dabei, dass wir hier nur über den Spezialfall der Gelegenheitsentscheidung sprechen. Der Probant soll quasi das günstigste Angebot auswählen.

    Ein Macher schafft sich aber seine Alternativen selbst und entscheidet richtungsorientiert, denn er verfolgt langfristige Ziele. Damit kann die Wissenschaft aber nicht dienen, da sie für die Finanzierung ihrer Forschungen auch immer kurzfristig Erfolge vorweisen können muss. :-o

    Meine Entscheidung, was in diesem Buch stehen sollte, habe ich einem Prinzip untergeordnet: Der Leser muss von jeder Seite einen Anwendungsnutzen mitnehmen.

    Das sehe ich zum Beispiel bei der Neuroökonomie nicht erfüllt. Sie liefert ihm nur einen Grund, warum er kein guter Entscheider sein kann. Wie es Tony Robbins einmal sagte: Die Gründe mögen gut sein, aber Gründe haben noch niemals zu Resultaten geführt.

    Mir ist natürlich klar, dass es auch Leser gibt, die Bücher wegen des intellektuellen Stimulus kaufen. Aber ich kann nicht alle Menschen beglücken.

    Ihre Einteilung für Entscheider halte ich für gewagt. Denn die Profientscheider interessieren sich fürs Machen. Für den intellektuellen Stimulus haben sie schlichtweg keine Zeit.

    Ich würde es mal so sagen: Profientscheider sind wir alle, denn wer jeden Tag über 20.000 Entscheidungen trifft, gehört nicht zu Anfängern (Dreijähriger) oder Fortgeschrittenen (Zehnjähriger) :-)

    Mein Buch gibt dem Profi die Mittel an die Hand, sein Potential voll zu entfalten.

    Kai-Jürgen Lietz

  • 4. Kai-Jürgen Lietz  |  26. März 2009 08:44

    Hallo Frau Windhausen,

    echte Macher haben immer eine Leidenschaft für die Sache. Wenn es mir gelingt, mein Leben mit Leidenschaft auf meine Vision hinzuführen, hat die emotionale Betroffenheit, die Sie vermutlich meinen, wenig Platz.

    Sollten Sie sich aber dennoch einmal in emotionaler Aufruhr befinden, haben Sie zwei Möglichkeiten damit umzugehen:

    1. Sie vertagen die Entscheidung, bis Sie sich wieder ausgeglichen fühlen.
    2. Sie nehmen ein Blatt Papier und schreiben aus der Position des neutralen Beobachters, wie Frau Windhausen entscheiden sollte.

    Sie wissen dann, was gut für Sie ist. Vermutlich werden Sie sich dann immer noch anders entscheiden. Aber wenn Sie das ein paar Mal gemacht haben, lernen Sie, auf den neutralen Ratgeber in Ihrem Inneren zu hören.

    Kai-Jürgen Lietz

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