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	<title>DIALOGUS &#160; &#187; Petra Urban</title>
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	<description>Eine andere Sicht.</description>
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		<title>Warum lesen? oder  Bücher pflastern meinen Weg</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Nov 2009 04:54:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Petra Urban</dc:creator>
				<category><![CDATA[Entdecken]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Entdeckungen]]></category>
		<category><![CDATA[Lesen]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Gottfried Benn stammt der schöne Satz: &#187;Kommt, reden wir zusammen / wer redet, ist nicht tot ...&#171;. Der Dichter hat Recht. Sprachlosigkeit kommt einer gewissen Erstarrung gleich. Wer Worte sucht und findet, ist lebendig, ist im Fluss. In einem ähnlich lebendigen Wortfluss aber schwimmt auch der, der liest, der sich durch Worte in Weiten hinaus- und hineinlocken lässt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="image250right"><img src="../../../magazin/img/2009/23,lesend.jpg" alt="Lesendes Mädchen"> <span class="legende"> Charles Edward Perugini | Reading Girl, 1878</span></div>
<p><span class="firstletter">V</span>on Gottfried Benn stammt der schöne Satz: &raquo;Kommt, reden wir zusammen / wer redet, ist nicht tot &#8230;&laquo;. Der Dichter hat Recht. Sprachlosigkeit kommt einer gewissen Erstarrung gleich. Wer Worte sucht und findet, ist lebendig, ist im Fluss.<br />
<img src="../../../magazin/img/transparent.gif" alt="p" height="10" width="20"/> In einem ähnlich lebendigen Wortfluss aber schwimmt auch der, der liest, der sich durch Worte in Weiten hinaus- und hineinlocken lässt, die er ohne die Lektüre niemals erreicht oder kennen gelernt hätte, dem sich lesend neue Gefühls- und Denkräume eröffnen. Der Lesende, der gleichsam doppelt lebendig ist.<br />
<img src="../../../magazin/img/transparent.gif" alt="p" height="10" width="20"/> Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich erinnere mich genau an den Augenblick, da ich endlich lesen konnte. Ein geradezu magischer Moment. Der Tisch damals war sorgsam abgewischt. Ein Lieblingssatz meiner Mutter zu jener Zeit lautete: &raquo;Du kannst doch das Buch nicht auf den dreckigen Tisch legen!&laquo; Auf dem sauberen Tisch also mein aufgeschlagenes Lesebuch, in dem ich mühsam die Zeilen entlang holpere und stolpere. Doch plötzlich, als hätte jemand in meinem Kopf einen Schalter umgelegt, plötzlich ist dieses Fließen da, die Buchstaben reihen sich wie geölt aneinander, bilden Einheiten, Worte, Sätze, spucken Sinn aus.<br />
<img src="../../../magazin/img/transparent.gif" alt="p" height="10" width="20"/> Von Stund an pflasterten Bücher meinen Weg und verliehen mir Flügel, auf denen ich mich in andere Welten hinüberschwang. Wie alle Lesenden vergaß ich dabei meine Umgebung, vergaß auch die Zeit. Wohl jeder hat das schon erlebt. Dieses Auftauchen aus der Lektüre und das fassungslose Kopfschütteln darüber, wie viele Stunden man im Bauch des Buches versunken, ja verschwunden war. Nicht selten sind solch Zurückgekehrte von langer Reise, langer Fahrt seltsam Entrückte, die sich &mdash; wie aus tiefem Schlaf Erwachte &mdash; im Hier und Jetzt erst neu orientieren müssen.<br />
<img src="../../../magazin/img/transparent.gif" alt="p" height="10" width="20"/> Nicht von ungefähr ist der lesende Mensch ein beliebtes Motiv in der Kunst. Das anwesend Abwesende an ihm fasziniert. So zeigt ein Gemälde von Caroline von der Embde aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ein <em>Lesendes Mädchen am Fenster</em>. Mit Leichtigkeit könnte sich der Blick des Mädchens hinaus in die idyllische Landschaft verlieren. Aber die Lesende lässt sich nicht locken, hat Augen nur für die Lektüre, die vor ihr auf dem Tisch liegt und der sie im doppelten Sinne des Wortes zugeneigt ist.<br />
<img src="../../../magazin/img/transparent.gif" alt="p" height="10" width="20"/> Wer liest, blendet nicht nur seine Umgebung, sondern auch seinen Alltag aus. Eine Lesezeit lang zumindest lebt er ausschließlich im Buch. Durchlebt und durchleidet alles das, was in und zwischen den Zeilen geschrieben steht. Weint, wenn es traurig ist, wütet, wenn es ungerecht ist, lacht, wenn das Erlesene zum Lachen ist. Bücher sind gigantische Konserven.<br />
<img src="../../../magazin/img/transparent.gif" alt="p" height="10" width="20"/> Konserviertes Leben, das uns nicht nur an langweiligen verregneten Novembernachmittagen bedeutend spannender erscheinen kann als unser eigenes Leben. Alles, was Menschen je gelitten, gefühlt und gedacht haben, ist in Büchern verewigt. Eingeschrieben und festgeschrieben. Und doch sind wir es, die das Buch, das stets dasselbe ist und bleibt, verändern. Indem wir uns hineinlesen. Im buchstäblichen Sinne des Wortes. Wir lesen unsere Lebenserfahrung, unsere eigenen Geschichten in die Geschichte mit hinein.<br />
<img src="../../../magazin/img/transparent.gif" alt="p" height="10" width="20"/> Wenn wir Goethes <em>Wahlverwandtschaften</em> in jungen Jahren für uns entdecken, so können wir den Roman im fortgeschrittenen Alter mit ganz anderen Augen lesen. Denn im Gegensatz zu &raquo;Eduard&laquo;, der nach wie vor ein &raquo;Mann im besten Mannesalter&laquo; ist, haben wir uns im Laufe der Zeit verändert. Vielleicht weinen wir jetzt an anderen Stellen oder auch gar nicht mehr, zürnen viel mehr oder viel weniger als früher, sind gelassener, heiterer, was auch immer.<br />
<img src="../../../magazin/img/transparent.gif" alt="p" height="10" width="20"/> Manchmal lesen wir Bücher auch mehrmals. Vielleicht, weil wir die Hoffnung oder die Kraft brauchen, die von ihnen ausgeht. Als Kind habe ich wieder und wieder die <em>Rote Zora</em> gelesen. Weil ich beim Lesen ein Mitglied der <em>Uskosen</em> und somit selbst ein wenig selbstbewusste rote Zora wurde.<br />
<img src="../../../magazin/img/transparent.gif" alt="p" height="10" width="20"/> Das Schöne beim Lesen ist, dass man aus den Welten, die sich einem erschließen, jederzeit aussteigen kann. Lektüre lässt sich unterbrechen. Leben nicht. Leben will gelebt und verarbeitet werden. Aber genau dabei können uns Bücher helfen. Mit den Tränen, die wir um die Sterbenden in der Literatur weinen, um die Verlassenen, die Betrogenen oder wen auch immer, beweinen wir stellvertretend auch alle schmerzlichen Tode und Verlassenheiten in unserem eigenen Leben.<br />
<img src="../../../magazin/img/transparent.gif" alt="p" height="10" width="20"/> Die Tränen, die ich lesend geweint habe, und das Lachen, das ich lesend gelacht habe &mdash; all das verändert mich. Ich kehre in meine Welt zurück und bin eine andere geworden. Vielleicht eine Bessere. Wie sagt Robert Musil treffend: &raquo;Was bleibt von der Kunst? Wir. Als Veränderte.&laquo; <img src="../../../magazin/img/fini.gif" alt="fini" /> </p>
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		<title>Kreatives Schreiben —Was ist das?</title>
		<link>http://www.dialogus.de/magazin/kultur/560</link>
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		<pubDate>Thu, 04 Jun 2009 04:54:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Petra Urban</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[kreatives Schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>

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		<description><![CDATA[Kreatives Schreiben ist ein Weg zum Glück. Auch wenn er voller Irrungen und Wirrungen verläuft. Schreiben ist ein Abenteuer, zu dem auch das Abenteuer des Vorlesens gehört. &#8212; Petra Urban beschreibt das Erlebnis <em>Schreibwerkstatt</em>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Versuch einer Annäherung</p>
<p class="abstract">Kreatives Schreiben ist ein Weg zum Glück. Auch wenn er voller Irrungen und Wirrungen verläuft. Schreiben ist ein Abenteuer, zu dem auch das Abenteuer des Vorlesens gehört. &mdash; Petra Urban beschreibt das Erlebnis <em>Schreibwerkstatt</em>.</p>
<p><img src="../../../magazin/img/2009/18,typefaces.jpg" alt="typefaces" class="right"/><span class="firstletter">S</span>chreiben heißt, das Glück suchen&laquo;, sagt Georges Bataille. Demnach könnte ich meine Kreativen Schreibkurse, die ich als Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin seit nunmehr zehn Jahren leite, auch <em>Glückskurse</em> oder <em>Suchkurse</em> nennen. Denn suchen tun wir bei jedem unserer Treffen, finden leider nicht immer. Suchen nach Worten, nach Sätzen, nach guten Geschichten. Manchmal sind wir dabei auch glücklich, weil die Suche erfolgreich war und wir auf Gelungenes schauen. Manchmal allerdings sind wir auch unglücklich, weil wir uns verlassen fühlen, nicht nur von allen guten Worten, sondern auch von allen guten Geistern. Denn der Weg vom gut Gemeinten zum gut Gesagten ist oft ein steiniger, ein Weg voller Irrungen und Wirrungen. Immer wieder lauert Ungelungenes zwischen Gelungenem. Sätze wie diese zum Beispiel: &raquo;Der Winter erbrach den Frühling.&laquo; Oder: &raquo;Albert war ohne Bewusstsein, als er wieder zu sich kam.&laquo;</p>
<p class="sumup">Eine literarische Arena</p>
<p>Da sich in meinen Seminaren alles ums richtige und niemals nur ums beinah richtige Wort dreht, müssen Sie sich meine Schreibkurse wie eine Art literarische Arena vorstellen, in der bis zur Erschöpfung semantisch gerauft und gerangelt wird.<br />
Wer da so alles kämpft?<br />
Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Eines allerdings haben sie alle gemeinsam. Sie sind keine unbeschriebenen Blätter. Jeder, der kommt, trägt Leben im Gepäck, Geschichten eben, die er ohne Stift geschrieben hat. Und diese Geschichten fließen ins Geschriebene ein. Ob wir das wollen oder nicht. </p>
<p>Nun verstehe ich meine Seminare als Schreib-Orte, an denen auch diese Geschichten zu Wort kommen dürfen. Und so gebe ich mitunter Titel vor, die den Blick zurück lenken, die es möglich machen, den autobiografischen Wortfaden aufzunehmen und weiterzuspinnen, schreibend sich sozusagen den Gerüchen der Kindheit anzunähern, den Straßen und Stimmen jener vergangenen, aber nicht verlorenen Tage. Gleichzeitig aber versuche ich, die Fantasie, diese unerschöpfliche Kraft in uns allen, zu Wort kommen zu lassen. Damit sie entdeckt und entfaltet werden kann, gebe ich Worte, Wortneuschöpfungen, Anfangssätze, manchmal auch Gedichte vor. Beim kreativen Verfassen von Texten spielen spontane Gedanken, Erinnerungen, Assoziationen und &#8211; wie gesagt &#8211; vor allem die Fantasie eine wesentliche Rolle. </p>
<p>Ein berühmter Mann hat einmal gesagt: &raquo;Was wir im Leben am allermeisten brauchen, ist ein Mensch, der uns dazu bringt, das zu tun, was wir können.&laquo; Mit Verlaub, in meinen Seminaren bemühe ich mich redlich, ein ebensolcher Mensch zu sein und die Anwesenden zu dem zu motivieren, was sie genaugenommen können. Schreiben. Und dabei sehr sorgsam auf ihren Umgang mit Sprache zu achten. Diesen widerspenstigen Stoff, der uns beim täglichen Gebrauch zwar flott über die Lippen huscht, sich aber dort, auf dem weißen Papier, mitunter ziert und sträubt und wehrt und widersetzt. </p>
<p class="sumup">Das Abenteuer Schreiben</p>
<p>Zum Abenteuer Schreiben gehört in meinen Seminaren immer auch das Abenteuer Lesen. Vorlesen. Und so werden alle still, lauschen dem Vortragenden und versuchen im anschließenden Gespräch den Geist des Textes zu erspüren. Gemeinsam wird gelobt und getadelt und jedes noch so tief gründelnde Geheimnis zwischen den Zeilen gelüftet. Nur selten entpuppt sich eine Neugeburt als Totgeburt. Und doch, es kommt vor. Und da Leichen bekanntermaßen beerdigt gehören, landen unsere Verstorbenen schließlich und endlich in unserem Wortmülleimer. </p>
<p>Natürlich verwandelt sich die Lust zu schreiben auch ab und zu in Frust. Dann vor allem, wenn der Wortfluss, diese unversiegbar geglaubte Quelle, plötzlich versickert, der Schreibende von jetzt auf gleich in Sprachlosigkeit versinkt und aufs leere Papier starrt, bis Schwermut eintritt. Blockade nennt man diesen vertrockneten Zustand auch. Nun gibt es für die Betroffenen (und irgendwann ist jeder dran!) zwei Möglichkeiten, sich zu dieser seltsamen Wortleere im Kopf zu verhalten. Entweder geduldig auf die unerwartete Wendung warten, auch Inspiration genannt. Jenen köstlichen Augenblick, in dem die Muse endlich küsst, Fantasie und Geist verschmelzen und ein neues entsteht. Oder aber Stift und Papier aus dem Fenster werfen. Was in meinen Schreibseminaren allerdings niemand zulassen würde. Schließlich streiten wir alle für die gleiche gute Sache. Das Wort.</p>
<p>Sie merken hoffentlich, was ich Ihnen die ganze Zeit sagen will: Wir müssen uns die kreativ Schreibenden als glückliche Menschen vorstellen. <img src="../../../magazin/img/fini.gif" alt="fini" /></p>
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		<title>Vom Gehen</title>
		<link>http://www.dialogus.de/magazin/leben/44</link>
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		<pubDate>Thu, 01 May 2008 04:58:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Petra Urban</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Bewegen]]></category>
		<category><![CDATA[Gehen]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Müßgiggang]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>

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		<description><![CDATA[Gehen, Denken und Schreiben bilden eine symbiotische Wechselwirkung: So wie wir gehen, so denken wir. Und so schreiben wir auch. Das Gehen, das Dichter und Denker intuitiv praktizierten, kann uns heute helfen, unsere menschlich-allzumenschlichen Probleme mit Gelassenheit und Leichtigkeit anzugehen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Leichtfüßige Gedanken zu einem bewegenden Thema</p>
<p class="abstract">Gehen, Denken und Schreiben bilden eine symbiotische Wechselwirkung: So wie wir gehen, so denken wir. Und so schreiben wir auch. Das Gehen, das Dichter und Denker intuitiv praktizierten, kann uns heute helfen, unsere menschlich-allzumenschlichen Probleme mit Gelassenheit und Leichtigkeit anzugehen.</p>
<p><img src="../../../magazin/img/2008/05,gud,2.jpg" alt="gehen" class="left"/>
<p class="poem">&raquo;Ich ging im Walde<br/>so für mich hin, <br/>und nichts zu suchen <br/>das war mein Sinn …&laquo;</p>
<p>Was Goethe hier in genauso schlichten wie berühmten Worten beschreibt, ist schönstes kreatives Tun. Gehen und dabei offen sein für alles, was einem begegnet. Nicht festgelegt sein. Nichts finden müssen. Sich treiben lassen. Innerlich und äußerlich fortschreitend. Ein Müßiggänger mit Gedankengang.</p>
<p>Ob der ausgesuchte Weg nun durch den Wald führt oder ganz woanders herum, ist relativ gleichgültig. Denn nicht der Weg, das Gehen selbst ist das Ziel. Jenes lebendige, ganz und gar ursprüngliche Tun, zu dem wir &ndash; auch in Zeiten aufgeregt klappernder Teleskopstöcke &ndash; tatsächlich nichts anderes brauchen, als passendes Schuhwerk. </p>
<p>Ich selber gehe gern <em>so für mich hin</em>. Und ich mache es oft. Ich gehe, wenn es mir gut geht, und ich gehe, wenn es mir schlecht geht. Und wenn an meinem Schreibtisch so gar nichts geht, dann gehe ich auch. Genaugenommen gehe ich immer. </p>
<p class="sumup">&raquo;Ich schreibe, also gehe ich.&laquo;</p>
<p>Ich gehe, also schreibe ich, könnte ich sagen. Oder umgekehrt. Ich schreibe, also gehe ich.<br />
Ich bin eine Art bewegte Schriftstellerin. Denn die Ideen für meine Geschichten kommen mir nicht im Sitzen. Die kommen mir beim Gehen, draußen, in frischer Luft, unter dem weiten, freien Himmel, wo ich Schritt für Schritt und Aug in Aug mit der Natur laufe.<br />
Und während ich den Blick und auch die Gedanken schweifen lasse, fallen mir Ideen und gute Worte förmlich zu. Ein Zufall, der wohl kein Zufall ist.</p>
<p>Schon Friedrich Nietzsche, dieser dionysische Geher und Denker, dem das Sitzfleisch die <em>Sünde wider den heiligen Geist</em> war, wusste zu berichten, dass ihm beim Gehen die besten Gedanken kommen. <em>So wenig als möglich sitzen</em>, warnt er in seinem <em>Ecce homo</em>, <em>keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung &ndash; in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern. Alle Vorurteile kommen aus den Eingeweiden.</em><br />
Selbst den Fußfaulsten unter uns würde er wohl anraten, so oft wie möglich hinaus ins Freie zu gehen und Körper und Geist zu bewegen. Und auf dem langen Weg zu uns selbst ruhig einmal darauf zu achten, wie wir eigentlich gehen. Denn, so schreibt er: <em>Das Tempo des Stoffwechsels steht in einem genauen Verhältnis zur Beweglichkeit oder Lahmheit der Füße des Geistes &#8230;</em></p>
<p class="sumup">&raquo;Die Kunst des <em>richtigen</em> Gehens üben.&laquo;</p>
<p>Mit anderen Worten, so wie wir gehen, so denken wir auch. (Eine Analogie übrigens, die bereits die Antike kannte.)<br />
Gehen wir beschwingt und belebt, fröhlichen Schrittes also und hoch erhobenen Hauptes, so tanzen auch unsere Gedanken leicht und lustvoll dahin. Gehen wir aber schleppend und gebeugt wie längst erschöpfte Lastenträger, so kommen auch unsere Gedanken nur schwerfällig in Gang und kaum von der Stelle.<br />
Ergo &ndash; warum nicht einmal die Kunst des <em>richtigen</em> Gehens üben. Ganz bewusst einen leichtfüßigen Schritt an den Tag legen. Seelischen Ballast abwerfen. Frei werden. Leer werden. Durchatmen. Mit allen Sinnen auf dem Weg sein. Ausdauernd und hartnäckig. Dabei nichts suchen. Dennoch neugierig sein und offen für die Geschenke des Augenblicks. </p>
<p>Das klingt einfacher, als es ist.<br />
Denn beim Gehen, das wusste schon Jean-Jaques Rousseau, der wohl einsamste Spaziergänger in der Literatur, nehmen wir eines immer mit: Uns selbst. Und das heißt auch und vor allem unsere menschlich-allzumenschlichen Probleme. Und so laufen wir gerade beim Gehen größte Gefahr, uns in Grübelschleifen zu verlieren. Weil wir mit jedem Schritt die immer gleichen Ich-Geschichten quälend und zermürbend im Kopf herum schieben. Und über dieser Sisyphos-Anstrengung gar nicht merken wie und wo wir eigentlich gehen.<br />
Solcherart geistigen Problemlauf dürfen wir getrost mit den Füßen zuleibe rücken. Gehend Einspruch erheben sozusagen.</p>
<p>Das aber heißt, bewusst werden. Wachsam sein. Das Mühlrad im Kopf zum Stillstand bringen, die Seele baumeln lassen. Schritt für Schritt genießen und mit allen Sinnen auf dem Weg sein. Gleichmäßig atmen und das Gefühl von wohliger Ruhe und Weite in der Brust genießen. Und was immer der Augenblick bereit hält, es erspüren. Und sich erfreuen an dem, was ist. Das sind Momente, in denen das Leben lächelnd an unserer Seite geht und uns reich und verblüffend kreativ beschenkt. <img src="../../../magazin/img/fini.gif" alt="fini" /></p>
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