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	<title>DIALOGUS &#160; &#187; Oliver Selaff</title>
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	<description>Eine andere Sicht.</description>
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		<title>Meine Jahreserkenntnis</title>
		<link>http://www.dialogus.de/magazin/leben/113</link>
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		<pubDate>Thu, 04 Dec 2008 04:50:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Selaff</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Brüderlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Erkenntnis]]></category>
		<category><![CDATA[Ich]]></category>
		<category><![CDATA[Schamane]]></category>

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		<description><![CDATA[Ungefähr in der Mitte des Jahres stellte sich eine bleibende Erinnerung bei mir ein. Ich traf einen Freund auf einen Espresso und keine Zigarette und sprach mit ihm über Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit in Firmen, Nachhaltigkeit und Klima, Nachhaltigkeit und kommende Generationen, Nachhaltigkeit und Freundschaft. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="../../../magazin/img/2008/12,glasfenster.jpg" alt="glasfenster" class="right"/><span class="firstletter">U</span>ngefähr in der Mitte des Jahres stellte sich eine bleibende Erinnerung bei mir ein. Ich traf einen Freund auf einen Espresso und keine Zigarette und sprach mit ihm über Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit in Firmen, Nachhaltigkeit und Klima, Nachhaltigkeit und kommende Generationen, Nachhaltigkeit und Freundschaft. Dieser Freund hat mehrere Hintergründe. Einer davon ist ein theologischer und deshalb nenne ich diesen Freund in Gesprächen mit anderen meist <i>meinen Theologen</i>. Ich kenne auch einen <i>meinen Soziologen</i>, einige Pädagogen und auch Psychologen. Von den beiden letztgenannten Gruppen erreichte keiner das Prädikat <i>mein</i>. Bisher jedenfalls nicht &mdash; vielleicht auch, weil diese Vertreter, die ich kennen darf, nicht so arttypisch sind.<br />
&raquo;Ist Nachhaltigkeit vielleicht ein neues oder modernes Wort für Brüderlichkeit?&laquo; lautet die Frage in meiner bleibenden Erinnerung. Immer wieder in den letzten sechs Monaten sinnierte ich über diese Frage, habe sie mit vielen Menschen besprochen und von ganz vielen Seiten aus betrachtet. Besonders in den letzten Wochen mit ihren dramatischen wirtschaftlichen Ereignissen, sah ich diese Brüderlichkeit häufig vor meinem inneren Auge. Gibt es Brüderlichkeit in unserer Gesellschaft überhaupt noch? Denkt irgendwer noch daran in dieser egozentrischen, erfolgsorientierten und kampfbetonten Welt? Wie denken Sie darüber?</p>
<p><img src="../../../magazin/img/bgOrange.gif" alt="point" height="10" width="40"/> Ist Theologie eigentlich  spirituell, frage ich mich gerade? Wenn ja, ist das per se so oder ist das eine individuelle Sache? Etwas früher im Jahr lernte ich auch meinen Schamanen kennen. Er heißt Phil. Er sollte nicht der einzige Schamane bleiben, Cloud Eagle und Tokowha kamen noch hinzu. Die Schamanen-Welt ist irgendwie anders als das, was ich vorher kannte. Allerdings ist mir auch klar geworden, dass ich einige Dinge früher einfach nicht beim richtigen Namen genannt habe. Das Bauchgefühl ist beispielsweise so eine Sache, die auch etwas mit weißem Licht und Sehen zu tun hat, das weiß ich jetzt.<br />
Ich erzähle von Schamanen und Spiritualität, weil ich bemerkt habe, dass in den Zeiten der Globalisierung und der Entfremdung in der Gesellschaft eine neue Suche nach Sinn und Werten entstanden ist. Bei all den austauschbaren Produkten ohne Identität, der alleinigen Konzentration auf den Preis oder auf das <i>Schnäppchentum</i>, ist etwas auf der Strecke geblieben: Es hat mit den Werten in uns zu tun.<br />
Der Sozialismus ist durch die Hintertür zurück gekehrt und heißt jetzt IKEA und nicht DDR. Alle kaufen bei Aldi, Lidl und IKEA mit dem Ergebnis, dass jeder das Identische isst und sich mit den gleichen Einrichtungsgegenständen umgibt. Auch deshalb liegt Spiritualität heute im Trend und hat auch mir dieses Jahr die Augen geöffnet. Ich möchte in Zukunft viel mehr als Abenteurer, denn als Krieger unterwegs sein. Und in diesem Bild des Abenteurers möchte ich mit vielen Menschen sprechen, versuchen, ihre Einstellung  zu verstehen und noch mehr als bisher Synergien zwischen Menschen zu stiften. Auch das Vertrauen in mich und meine Familie ist durch den Blick nach innen deutlich größer geworden. Ethisch, oder spirituell gesehen, bedeutet Nachhaltigkeit für mich tatsächlich auch Brüderlichkeit. <img src="../../../magazin/img/bgOrange.gif" alt="point"></p>
<p><img src="../../../magazin/img/bgOrange.gif" alt="point" height="10" width="40"/> Um jetzt auch ein wenig mehr in den wirtschaftlichen Bereich zu gelangen, möchte ich von zwei Büchern erzählen, die mich 2008 positiv geprägt haben: <i>Die Kunst loszulassen &#8211; Enterprise 2.0</i> von Sören Stamer und Willms Buhse und  <i>Grown up digital &#8211; how the net generation is changing your world</i> von Don Tapscott. Bevor ich etwas über Enterprise 2.0 wusste, hatte ich nur eine leise Ahnung wie <i>Neues Denken</i> funktionieren könnte, war mir dennoch sicher, dass der Wandel geschieht. Nachdem ich das Buch gelesen habe, verfüge ich jetzt über einen Plan und ein klares Ziel. Los zu lassen ermöglicht es erst ansatzweise, neu zu denken. Es fällt schwer, macht aber frei. In dieser neu gewonnenen Freiheit fällt mir auf, dass Kontrolle immer  auch Risiko bedeutet, dass Andere sich tief in ihrem Inneren nach freiem Denken sehnen und dass dieser Freiraum nach dem Loslassen viel, viel Platz für Kreativität bietet &mdash; und zwar natürliche, authentische Kreativität. Andere benennen das vielleicht mit innovativ sein. <i>Open Space</i> ist zum Beispiel ein Vorgehen, das mit Freiräumen arbeitet, dass diese Kraft in sich birgt.<br />
Die nachkommende Generation, die sogenannte <i>Generation Internet</i>, der zwischen 1977 und 1997 Geborenen, lebt einfach das, was meine Generation noch mühsam zu erklären versucht und hat einige diese Freiräume quasi in ihrer DNA. Digital aufzuwachsen und das Internet zusammen mit Mobiltelefonen als Leitmedium zu haben (und nicht TV), bedeutet eine radikale Veränderungen in der Art wie wir leben, arbeiten und lieben. Die Generation Internet macht uns das vor, und wenn wir wissen wollen, wie wir auch in Zukunft Geschäfte machen können, wie unsere Wirtschaft beschaffen sein sollte, dann empfehle ich einen sehr intensiven Blick auf diese Menschen, die digital aufgewachsen sind. <img src="../../../magazin/img/bgOrange.gif" alt="point"></p>
<p><img src="../../../magazin/img/bgOrange.gif" alt="point" height="10" width="40"/> Ich bin überzeugt, dass wir in Deutschland und der Welt neues brüderliches Denken und Handeln dringend brauchen. Die kommenden Generationen, die Ergebnisse unseres rücksichtslosen Handelns in der Vergangenheit und die wachsende Ressourcenknappheit weisen uns eindeutig den Weg in diese Richtung. Natürlich gelingt das nicht über Nacht. Umso wichtiger ist es, gleich heute das neue Werk zu beginnen, heute und nicht morgen<br />
Tokowha, der dritte Schamane dieses Jahres, sagt zu dieser Situation: &raquo;Du solltest ein Boot in voller Fahrt nie um 180° herumreißen, es würde sofort kentern. Fahre erst mal weiter, aber merke Dir die neue Richtung und kehre zu gegebener Zeit dorthin zurück.&laquo; Vielleicht gelingt es ja Menschen in diesem Bild, allen anfänglichen Zweifeln zum Trotz, neues Denken und Handeln in ihr Drehbuch zu übernehmen. Auch wenn es nur wenig ist, dann haben unsere Gesellschaft und unsere Welt wieder ein Fünkchen mehr Hoffnung auf eine gute Zukunft gewonnen. <img src="../../../magazin/img/bgOrange.gif" alt="point"></p>
<p>Das hier ist keine Bilanz, eher meine persönliche Jahreserkenntnis. Es ist eine positive Prognose für die Zukunft, die uns viel Neues bringen wird, auf der Basis von Erkenntnissen und Erfahrungen dieses Jahres. So ist sie mehr pragmatisch als theoretisch und damit auch mehr als nur eine bloße Vermutung. Wenn wir uns an gleicher Stelle in einem Jahr wieder treffen werden, dann wird es uns in 2009 gelungen sein, einige dieser Gedanken real werden zu lassen, obwohl diese sehr fortschrittlich und weit entfernt vom Hier und Jetzt waren. Ich freue mich darauf. <img src="../../../magazin/img/fini.gif" alt="fini" /></p>
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		<title>Von steinernen Pers&#246;nlichkeiten und Wohlf&#252;hlorten</title>
		<link>http://www.dialogus.de/magazin/wirtschaft/97</link>
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		<pubDate>Thu, 02 Oct 2008 04:57:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Selaff</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gebäude]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Nutzung]]></category>
		<category><![CDATA[Wert]]></category>

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		<description><![CDATA[Alte Geb&#228;ude wirken auf den ersten Blick oft marode, unattraktiv — aber sie verf&#252;gen über eine eigene Identit&#228;t. Es sind inspirierende Orte, die oft ungewohnte Ausblicke und Perspektiven liefern. Orte, die entschleunigen, an denen man gerne arbeitet und in die gerne eingeladen wird. Es sind energetische Orte, die es verdient haben, weiter im Mittelpunkt unserer Wirtschaft zu stehen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="abstract">Alte Geb&auml;ude wirken auf den ersten Blick oft marode, unattraktiv — aber sie verf&uuml;gen über eine eigene Identit&auml;t. Es sind inspirierende Orte, die oft ungewohnte Ausblicke und Perspektiven liefern. Orte, die entschleunigen, an denen man gerne arbeitet und in die gerne eingeladen wird. Es sind energetische Orte, die es verdient haben, weiter im Mittelpunkt unserer Wirtschaft zu stehen. </p>
<p><span class="firstletter">A</span>allein in Deutschland gibt es weit &uuml;ber 10.000 alte Geb&auml;ude oder Geb&auml;ude-Komplexe, f&uuml;r die Nachnutzer und Mieter gesucht werden. Das Unternehmen Evonik (ehemals Ruhrkohle AG) besitzt einige davon, die Treuhand auch, ebenso die Deutsche Bahn. Viele dieser Geb&auml;ude stehen unter Denkmalschutz. Meist sind es Backsteinbauten mit Stahlelementen, vielfach Zweckbauten aus der Zeit der Industrialisierung. Sie stehen teils nahe den Innenst&auml;dten, teils in Industriebrachen oder in Stadtrandlagen. Parkpl&auml;tze und Platz sind meist reichlich vorhanden. Und h&auml;ufig sieht man auch den Horizont, so großfl&auml;chig sind diese Anlagen. In diesen Geb&auml;uden sp&uuml;rt man geradezu die Tradition, die Entwicklung unseres Landes und eine besondere Identit&auml;t. Geb&auml;ude erz&auml;hlen Geschichten.</p>
<p class="capture"><img src="../../../magazin/img/2008/10,jagdschloss.jpg" alt="jagdschloss" ><br />
Jagdschloss G&ouml;hrde, Niedersachsen | Aufnahme: Oliver Selaff</p>
<p class="sumup">&raquo;Alte Gebäude sind inspirierende Orte.&laquo;</p>
<p>Alte Geb&auml;ude wirken auf den ersten Blick oft marode, unattraktiv, dreckig und speckig &mdash; aber sie verf&uuml;gen &uuml;ber eine eigene Identit&auml;t. Identit&auml;t bedeutet f&uuml;r mich, dass diese Objekte aufgrund ihrer Bauweise eine gewisse Pers&ouml;nlichkeit ausstrahlen, Zeugen intensiver Zeiten sind und Erinnerungen deutlich machen. Oft finden sich Zeichen von Großem: Mannsdicke Rohrleitungen, wie auf der Zeche Zollverein, riesige Bel&uuml;ftungst&uuml;rme, wie in der alten Schultheiss-M&auml;lzerei in Berlin oder großz&uuml;gige Parkanlagen, wie am Jagdschloss G&ouml;hrde. Damit werden die Geb&auml;ude zu Wahrzeichen:  gegen die Beliebigkeit und eine Identit&auml;tslosigkeit. Eine Geb&auml;ude-Identit&auml;t geht &mdash; so meine Beobachtung &mdash; auf die Menschen &uuml;ber, die dort arbeiten. Alte Geb&auml;ude sind inspirierende Orte, die oft ungewohnte Ausblicke und Perspektiven liefern. Orte, die entschleunigen, an denen man gerne arbeitet und in die gerne eingeladen wird. In Hamburg beispielsweise verbindet sich mit diesen Orten auch das Hanseatentum, das f&uuml;r Werte, Fairness und Selbstbewusstsein steht. Wie sollte so etwas auf einen Betonzweckbau &uuml;bertragbar sein?</p>
<p><span class="firstletter">S</span>teigen Sie doch einmal eine Nacht im <i>Hotel Gastwerk</i> in Hamburg-Altona ab. Schon wenn Sie das Geb&auml;ude von außen sehen, vielmehr noch, wenn Sie in die Halle treten, werden Ihre Sinne und Ihre Wahrnehmung von diesem Geb&auml;ude eingenommen, ja fasziniert. Großz&uuml;gige Freifl&auml;chen, alte Industrie-Erinnerungen und indirektes Licht auf altem, rotem Backstein. Eine tolle Mischung. Das <i>East-Hotel</i> in St. Pauli hat es  sehr erfolgreich dem Gastwerk nachgetan.</p>
<p>Oder waren Sie schon mal auf dem Gel&auml;nde des UNESCO Weltkulturerbes <i>Zeche Zollverein</i> in Essen? Ein ganzer Komplex im Bauhausstil, schlicht, direkt, beeindruckend &mdash; und alt. Einst eine der gr&ouml;ßeren Zechen in Europa und heute ein gut erhaltenes Denkmal mit viel Geschichte und vielen Besuchern. Und Zollverein ist offen f&uuml;r Neues: Voller Tatendrang, auf das neue Arbeiter die alte neue Identit&auml;t nutzen und mit Leben und Energie gleichermaßen f&uuml;llen.</p>
<p class="capture"><img src="../../../magazin/img/2008/10,zollverein.jpg" alt="zollverein"/><br />
Energieachse Zeche Zollverein | Aufnahme: Henning Pietsch</p>
<p>Gleiches gilt f&uuml;r die <i>Alte Zeche</i> in Waltrop, in der <i>Manufactum</i>, der Versandh&auml;ndler f&uuml;r <i>die guten Dinge</i>, seinen Sitz hat. Eine der &auml;ltesten Firmen in Deutschland, der Druckkn&ouml;pfe-Hersteller Prym in Stolberg,  dessen Wurzeln bis ins 14. Jahrhundert reichen, wurde 1642 von Aachen nach Stolberg <i>verstoßen</i>. Einige Geb&auml;udeteile gehen auf diese Zeit zur&uuml;ck. Auch in diesen Hallen atmet der Besucher Geschichte pur, die sich an W&auml;nden, Treppenaufg&auml;ngen, wuchtigen sowie selbstbewussten Portalen und alten Mosaikfenstern zeigt.</p>
<p class="sumup">&raquo;Diese Gebäude halten ein wenig von der Kraft, die es braucht, anders zu sein.&laquo;</p>
<p>All diese Orte l&ouml;sen in mir ein Gef&uuml;hl der Geborgenheit aus. Es hat so etwas von <i>nach Hause kommen</i>, besch&uuml;tzt zu werden. Gleichzeitig sp&uuml;re ich Energie, Mut und Schweiß. Vielleicht halten diese Geb&auml;ude ein wenig von der Kraft, die es braucht, anders zu sein, sich zu seinen Wurzeln zu bekennen und kraftvoll nach vorn zu gehen &mdash; ohne Zaudern und Zagen. Und, wie eingangs beschrieben, gibt es eine große Anzahl von Angeboten, die sich auch zu neuen Zentren nachhaltig agierender Unternehmen entwickeln lassen. <i>Neue dritte Orte</i> k&ouml;nnte die Beschreibung f&uuml;r solche Objekte lauten, die eine neue Form des Denkens, Lebens und Arbeitens bereitstellen. Objekte, die fairen Handel, Gastronomie, Edutainment, generations&uuml;bergreifenden Dialog, g&uuml;nstigen Wohn- und Arbeitsraum b&uuml;ndeln.</p>
<p class="box"><strong>Glossar</strong><br />
Der <i>dritte Ort</i> ist ein Fachausdruck der Soziologie. Als erster Ort wird der Wohnraum bezeichnet, der zweite Ort ist der Arbeitsplatz und der dritte Ort ist ein neutraler Ort, an dem man verweilt und soziale Bindungen zur Umwelt aufrecht erhält.</p>
<p><span class="firstletter">I</span>n meiner beruflichen Laufbahn lief ich durch viele Flure, meist auf dumpf klingenden doppelten B&ouml;den, der Vernetzung wegen. In den engen R&auml;umen, die sich monoton und gleichf&ouml;rmig teils &uuml;ber Hunderte von Metern aneinander reihten, konnten Fenster nicht ge&ouml;ffnet werden, daf&uuml;r war das Rauschen einer Klimaanlage st&auml;ndig pr&auml;sent. Ein jeder Raum glich dem anderen, auch in den Stockwerken 2 bis 7 dar&uuml;ber. Es h&auml;tten auch namenlose Ameisen sein k&ouml;nnen, die in diesen Waben hausten und nur im Notfall den Schritt auf den Flur wagten. Außen befanden sich gl&auml;serne Fassaden, in denen sich die Nachbargeb&auml;ude spiegelten, so dass das eigentliche Haus fast unsichtbar war. Unsichtbar und austauschbar.</p>
<p>W&auml;hrend ich das schreibe, kommen mir die Bundesministerien in Bonn in den Sinn, die City Nord in Hamburg, Frankfurt-Niederrad, Eschborn: Betonw&uuml;sten, langweilige Zweckarchitektur. Selbst bei dem Vorzeigeprojekt der Hamburger Hafencity f&auml;llt es mir schwer, eine Identit&auml;t auszumachen. Das Unternehmen <i>China Shipping</i> ließ sein Geb&auml;ude einer Container-Br&uuml;cke nachempfinden und vertritt die Meinung, dass diese Identit&auml;t sehr bedeutend ist. Leider hat der Bau f&uuml;r mich kein Gesicht. Glas und Stahl empfinde ich wenig emotional und versp&uuml;re eher K&auml;lte. Hinzu kommt, dass da f&uuml;nf, sechs weitere <i>Kl&ouml;tze</i> in einem &auml;hnlichen Stil nebeneinander stehen. Weit und breit kein Gr&uuml;n, kein sichtbarer Horizont, nichts, was das Auge zum Verweilen und Betrachten einladen w&uuml;rde. Und das, obwohl die Speicherstadt unmittelbar vis-&agrave;-vis liegt. Auf der einen Seite Glas, ein wenig Holz und viel Stahl &mdash; das k&ouml;nnte auch in Dubai, Hongkong oder Sydney stehen. Auf der anderen Seite Backsteine, Fleete, Verzierungen, uralte Holzbohlen und filigrane Stahlst&uuml;tzen.</p>
<p class="capture"><img src="../../../magazin/img/2008/10,speicherstadt.jpg" alt="speicherstadt" ><br />
Speicherstadt Hamburg | Aufnahme: Holger Elgaard</p>
<p>Am Rande sei erw&auml;hnt, dass ein altes Geb&auml;ude auch finanziell Vorteile gegen&uuml;ber einem Neubau bieten kann. Es gibt eine Reihe von staatlichen F&ouml;rdert&ouml;pfen, welche f&uuml;r die Erhaltung von Denkm&auml;lern und Industriekultur vorgesehen sind. W&uuml;rden die alten Geb&auml;ude erneut genutzt werden, w&uuml;rde auch der Fl&auml;chenverbauch in Randlagen gestoppt werden k&ouml;nnen. Hand aufs Herz: Wer m&ouml;chte schon gerne neben einem Einheitsensemble aus Edeka, Rossmann und Aldi in einem v&ouml;llig seelenlosen Industriegebiet wohnen?</p>
<p>Alte Geb&auml;ude sind große, steinerne Pers&ouml;nlichkeiten und verf&uuml;gen &uuml;ber eine innere Kraft, sicher in die Zukunft zu leiten. Es sind energetische Orte, die es verdient haben, weiter im Mittelpunkt unserer Wirtschaft zu stehen. Sie setzen ein Zeichen f&uuml;r eine Renaissance von Werten wie Best&auml;ndigkeit, Vertrauen, Offenheit und Mut. So k&ouml;nnen sie auch identit&auml;tsstiftende Heimat f&uuml;r noch junge, namenlose Unternehmen werden &mdash; Leitbild inklusive. <img src="../../../magazin/img/fini.gif" alt="fini" /></p>
<p class="quote">Links und Literatur:<br />
<a href="http://www.markenlexikon.com/glossar_d.html" class="linkex">Markenglossar <i>Dritter Ort</i></a><br />
<a href="http://www.gastwerk.com" class="linkex">Umsetzungsbeispiel: Hotel Gastwerk, Hamburg</a><br />
<a href="http://www.zunftwissen.org/de/index.php/Zunftviertel_Zollverein" class="linkex">Umsetzungsbeispiel: Zunftviertel Zollverein</a><br />
Hellmann, Kai-Uwe und Zurstiege, Guido: Räume des Konsums. Über den Funktionswandel von Räumlichkeit im Zeitalter des Konsumismus; 2008.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Leuchtt&#252;rme der Nachhaltigkeit</title>
		<link>http://www.dialogus.de/magazin/wirtschaft/78</link>
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		<pubDate>Thu, 07 Aug 2008 04:56:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Selaff</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Messer]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Wein]]></category>

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		<description><![CDATA[In diesem Artikel m&#246;chte ich Ihnen vier Beispiele guter Praxis f&#252;r nachhaltig arbeitende Unternehmen aufzeigen. Es sind Leuchtt&#252;rme, die der Orientierung f&#252;r andere dienen k&#246;nnen. Ich ermutige Sie, sich Ihr eigenes Bild zu machen. Vielleicht f&#252;hrt Sie dieser Weg ja auch hin zu eigenen tollen Produkten, die anders und nachhaltig sind.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vier Beispiele guter Praxis</p>
<p class="abstract">In diesem Artikel m&ouml;chte ich Ihnen Beispiele guter Praxis f&uuml;r nachhaltig arbeitende Unternehmen aufzeigen. Es sind Leuchtt&uuml;rme, die der Orientierung f&uuml;r andere dienen k&ouml;nnen. Ich ermutige Sie, sich Ihr eigenes Bild zu machen. Vielleicht f&uuml;hrt Sie dieser Weg ja auch hin zu eigenen tollen Produkten, die anders und nachhaltig sind.</p>
<p><span class="firstletter">V</span>ielleicht haben Sie schon viele Definitionen des Begriffs Nachhaltigkeit gelesen, jede war ein wenig oder ganz anders. Ich glaube, Nachhaltigkeit ist etwas sehr Individuelles, das von jedem Menschen anders ausgestaltet wird. Wir k&ouml;nnen keine Nachhaltigkeit per Beschluss oder Projekt anordnen. Nachhaltigkeit in Unternehmen ist die Summe der individuellen Einstellung eines jeden Mitarbeiters. Die Unternehmensf&uuml;hrung spielt dabei eine besondere Rolle, weil von dort die Impulse und Voraussetzungen kommen m&uuml;ssen, wie beispielsweise nachhaltige Lieferanten oder Rohstoffe bestimmt werden k&ouml;nnen.</p>
<p>In diesem Artikel m&ouml;chte ich Ihnen Beispiele guter Praxis f&uuml;r nachhaltig arbeitende Unternehmen zeigen. Es sind Leuchtt&uuml;rme, die der Orientierung f&uuml;r andere dienen k&ouml;nnen. Ich ermutige Sie, sich Ihr eigenes Bild zu machen und auch kritisch zu sein. Vielleicht f&uuml;hrt Sie dieser Weg ja auch hin zu eigenen tollen Produkten, die anders und nachhaltig sind.</p>
<p class="sumup">Coledampfs &mdash; Das K&uuml;chenkulturzentrum</p>
<p><img src="../../../magazin/img/2008/08,ktichen.jpg" alt="ktichen" class="right"/>Coledampfs &mdash; das ist Andreas Langholz. Und Andreas Langholz ist auch und vor allem ein exzellenter Geschichtenerz&auml;hler. Authentische Geschichten hinter Produkten sind aus meiner Sicht eine tragende S&auml;ule in der nachhaltigen Kommunikation. Bei Coledampfs nehmen Sie ein St&uuml;ck aus dem Ladenregal und erfahren vom Personal die Geschichte zu eben diesem St&uuml;ck. Oft hat dieses Produkt &uuml;ber die Geschichte auch eine Verbindung zu einem anderen Produkt (<i>cross selling</i> nennt man das im Marketingjargon). So werden die leblosen Waren authentisch mit Menschen, Orten, oft auch mit Handwerkskunst verkn&uuml;pft. Und Sie werden diese Geschichten weiter erz&auml;hlen &mdash; an Ihre G&auml;ste, wenn Sie mit der vielleicht bei Coldedampfs gekauften Eisenpfanne kochen. Wenn Sie Gl&uuml;ck haben, erhalten Sie zusammen mit der Pfanne, dem Messer oder dem Essig auch eine DVD, auf der Sie erleben k&ouml;nnen, wie Ihr Produkt entstanden ist.<br />
Was hat das jetzt mit Nachhaltigkeit zu tun? Ganz einfach: Die Hersteller der Coledampfs-Produkte haben ihr pers&ouml;nliches Schicksal mit ihren Produkten verbunden, all ihr K&ouml;nnen und ihre Liebe in diese hinein gelegt, damit der Kunde Freude daran hat. So bekommt die vom <i>Geiz ist geil</i> stark gebeutelte Frage <i>Was ist eigentlich was wert?</i> eine neue Bedeutung. Und diese Frage ist untrennbar mit Nachhaltigkeit verbunden. Denn das, was die Hersteller in ihre Produkte hineinlegten, wird bei dem H&auml;ndler Coledampfs weiter gef&uuml;hrt, es wird nicht versch&uuml;ttet, sondern an die Kunden weitergegeben. <img src="../../../magazin/img/bgOrange.gif" alt="fini" /></p>
<p class="sumup">Alles Essig oder Gegenbauer?</p>
<p>Von Andreas Langholz f&uuml;hrt mein pers&ouml;nlicher Nachhaltigkeitskurs direkt zu einem Wiener Leuchtturm: dem Essigbrauer Erwin M. Gegenbauer jun. Ich habe einen Film zum Gegenbauer-Essig bei Coledampfs gesehen. Da wusste ich, dass sich mein Weg mit diesem Essig kreuzen w&uuml;rde. Die Art und Weise wie der Junior von seiner Essigherstellung erz&auml;hlte, war so faszinierend, dass ich seine Essige unbedingt probieren musste. &Uuml;berfl&uuml;ssig zu sagen, dass ich heute ein eifriger und &uuml;berzeugter Kunde der Gegenbauer Essigmanufaktur bin. Gegen die Uniformierung des Geschmacks lautet der Gegenbauersche Leitsatz, <em>die Individualit&auml;t einer jeder Furcht</em> zu erhalten und optimal bei der Herstellung einzubinden. So gibt es bei Gegenbauer bis heute keinen Erdbeeressig, weil es nicht gelang, den Erdbeergeschmack entsprechend den Qualit&auml;tskriterien einzubetten. Und was ist hier nachhaltig? Qualit&auml;t um jeden Preis, um den Kunden zu &uuml;berzeugen und zu begeistern. So bleibt ein Kunde ein Kunde und sorgt gleichzeitig f&uuml;r neue Essigk&auml;ufer. <img src="../../../magazin/img/bgOrange.gif" alt="fini" /></p>
<p class="sumup">Das ultimative Brotmesser: G&uuml;de</p>
<p>Langholz, Gegenbauer &mdash; in meiner K&uuml;che kommt dann f&uuml;r meine G&auml;ste der Auftritt des ultimativen Brotmessers von G&uuml;de. Es ist ein Werkzeug, das wir vererben k&ouml;nnten und das einzige Brotmesser, das wir uns im Laufe unseres Lebens kaufen m&uuml;ssten &mdash; eben ultimativ. In Deutschland, in der Messerstadt Solingen, wird das Brotmesser von echten K&ouml;nnern und den Erfindern des Wellenschliffs hergestellt. An mehr als 30 Arbeitstationen geht das Messer durch die H&auml;nde von Menschen, die um das Wesen von Messern wissen, die sich mit ihren Produkten verbunden f&uuml;hlen. Dahinter steht der Unternehmer Karl-Peter Born, der trotz aller Widrigkeiten weiter an der Fertigung in Deutschland und an traditionellen Fertigungsmethoden festh&auml;lt, wohl wissend, dass dies weder zu Reichtum noch zur Ehre f&uuml;hrt. Das Wissen um die Verfahren der Messerherstellung bleibt erhalten und  sichert gleichzeitig die Qualit&auml;t der Produkte. Das ist mein dritter Leuchtturm der Nachhaltigkeit. <img src="../../../magazin/img/bgOrange.gif" alt="fini" /></p>
<p class="sumup">Faszination Zeit im Wein&reg; &mdash; die K&#038;U Weinhalle</p>
<p><img src="../../../magazin/img/2008/08,casks.jpg" alt="casks" class="left"/>Auch diese Leuchtturmbeschreibung beginnt mit einem Namen: Martin K&ouml;ssler. Mit Martin habe ich f&uuml;r diesen Artikel ein Interview zu den Themen Nachhaltigkeit und Bio gef&uuml;hrt. Mir war aufgefallen, dass auf dem Gegenbauer-Essig keines der weit &uuml;ber 30 in der EU kursierenden Bio-Siegel zu finden war, obwohl der Inhalt ja reine Natur ist. Gleiches beobachtete ich bei den Weinen von Martin. Nat&uuml;rlich bin ich mir bewußt, dass Bio nicht mit Nachhaltigkeit gleich zu setzen ist, dennoch war ich &uuml;berrascht zu erfahren, dass einige Hersteller absichtlich diese offiziellen Siegel nicht verwenden. Martin K&ouml;ssler:<br />
<blockquote>&raquo;Die nachhaltigen Hersteller, die ich kenne, m&ouml;chten sich von dem allgemeinen Trend Bio distanzieren. So finden sich heute auf so vielen Produkten diese Siegel und der wichtige Qualit&auml;ts- und Nachhaltigkeitsanspruch bei der Herstellung findet keine Ber&uuml;cksichtigung. Deshalb schaffen nachhaltige Qualit&auml;tshersteller aus ganz Europa derzeit ihr eigenes Siegel bzw. Zertifikat.&laquo;</p></blockquote>
<p>Die immer schlechter werdende Geschmacksqualit&auml;t bei Bio-Weinen hat diese Entwicklung gef&ouml;rdert, wie sinnvoll ein weiteres Siegel auch immer sein mag. Der Begriff <i>Bio</i> wird dadurch entwertet, dass biologisch gewachsene Trauben zu Wein verarbeitet werden, ohne die Qualit&auml;tsanspr&uuml;che eines nachhaltig arbeitenden Winzers zu ber&uuml;cksichtigen. Dadurch lassen sich dann Preise um zwei bis drei Euro auch f&uuml;r Bio-Wein durchsetzen &mdash; der dann leider nicht schmeckt. Martin K&ouml;sslers Antwort auf diese Entwicklung ist <i>langsamer Wein</i>, ein Wein, der nicht auf einen Einheitsgeschmack getrimmt wird, sondern der die Handschrift des Winzers und den Charakter der Region und des Bodens in sich tr&auml;gt. Ist das nachhaltig? Aus meiner Sicht schon. <img src="../../../magazin/img/bgOrange.gif" alt="fini" /></p>
<p>Das sind meine ganz pers&ouml;nlichen Leuchtt&uuml;rme der Nachhaltigkeit. Es g&auml;be sicherlich noch viele weitere zu erw&auml;hnen. Am Ende bleibt zu sagen: Produkte und Dienstleistungen sind immer dann besonders und wertvoll, wenn diese authentisch mit Menschen verkn&uuml;pft sind. Mit Menschen, die hinter ihren Leistungen stehen, offen sind f&uuml;r Anregungen und die sehr an den Erfahrungen ihrer Kunden interessiert sind. <img src="../../../magazin/img/fini.gif" alt="fini" /></p>
<p class="quote">Links:<br />
<a href="http://www.coledampfs.de/" class="linkex">Coledampf&#8217;s CulturCentrum</a><br />
<a href="http://www.gegenbauer.at/" class="linkex">Gegenbauer</a><br />
<a href="http://www.guede-solingen.de/" class="linkex">G&uuml;de &mdash; die Messer</a><br />
<a href="http://www.weinhalle.de/" class="linkex">K &#038; U Weinhalle</a></p>
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