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	<title>DIALOGUS &#160; &#187; Kerstin Hack</title>
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	<description>Eine andere Sicht.</description>
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		<title>Mein Pilgern</title>
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		<pubDate>Thu, 01 May 2008 04:56:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kerstin Hack</dc:creator>
				<category><![CDATA[Impulse]]></category>
		<category><![CDATA[Entspannungsübungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gebet]]></category>
		<category><![CDATA[Gehen]]></category>
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		<category><![CDATA[Pilgerreise]]></category>
		<category><![CDATA[Ruhe]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine bewusste Auszeit zu nehmen, weg von der Unruhe des Alltags, von der Reizüberflutung und den Anforderungen und Wünschen anderer Menschen: das kann eine Quelle der Kraft und inneren Ruhe sein. Und der Schlüssel zu ungelösten Aufgaben und Problemen. Kerstin Hack berichtet über ihr ganz persönliches Pilgern und die Methoden, die sie dabei einsetzt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gedanken und Erfahrungen mit dem langsamen Unterwegssein</p>
<p class="abstract">Eine bewusste Auszeit zu nehmen, weg von der Unruhe des Alltags, von der Reizüberflutung und den Anforderungen und Wünschen anderer Menschen: das kann eine Quelle der Kraft und inneren Ruhe sein. Und der Schlüssel zu ungelösten Aufgaben und Problemen. Kerstin Hack berichtet über ihr ganz persönliches Pilgern und die Methoden, die sie dabei einsetzt.</p>
<p>Zu allen Zeiten waren Menschen im Freien unterwegs: Weltenbummler ebenso wie die Pilger des Mittelalters, Alte wie Junge, Menschen mit oder ohne <em>spirituelle Antennen</em>. Meist, um von einem Ort zum anderen zu kommen, häufig jedoch auch, um sich selbst oder auch Gott zu finden. </p>
<p>Die Bewegung außerhalb der eigenen vier Wände erleben viele Menschen als Möglichkeit, Gedanken zu klären und neue Perspektiven zu gewinnen. Ich bin ein Mensch, der im beruflichen Alltag als selbständige Autorin und Referentin viel bewegt, gestaltet und aktiv ist. Regelmäßige Spaziergänge, meist in der näheren Umgebung meiner Wohnung, bei denen ich nachdenke und zur Ruhe zu komme, sind &#8211; neben täglichen Zeiten des Gebetes und der Reflexion &#8211; die Quellen aus denen ich Kraft für den Alltag schöpfe. Ich gehe ein- bis zweimal pro Woche und gönne mir mehrmals im Jahr eine ein- oder mehrtägige Reflexionszeit mit sehr langen Spaziergängen. </p>
<h4><img src="../../../magazin/img/bgOrange.gif" alt="icon" width="30" height="10"/> Die Reizüberflutung eindämmen</h4>
<p>Um eine gewinnbringende Zeit der Klärung zu erreichen, ist es für mich wichtig, erst einmal zur Ruhe zu kommen. Ruhe beginnt für mich damit, dass ich bewusst aus dem Raum des Lärms und der Unruhe heraustrete. Das beginnt bereits vor dem Weg nach draußen. Es fällt mir schwer, zur Ruhe zu kommen, wenn mein Tag mit Reizen überflutet war. Deshalb versuche ich, im Alltag Lärm, Beschallung und überflüssige Reize einzudämmen. So gut ich kann, schränke ich auch die Informationsflut ein, indem ich alles Überflüssige an eMails, Werbezuschriften usw. ausfiltere oder abbestelle. Bin ich unterwegs, bleibt das mobile Telefon zuhause. Es ist eine heilige Zeit für mich, in der die Anforderungen, Anfragen und Wünsche anderer Menschen keinen Raum und Platz haben. Ich wähle bewusst Läden, Cafés und andere Orte mit möglichst wenig akustischer Beeinträchtigung aus. Und wenn ich mich auf den Weg mache, suche ich möglichst ruhige und ungestörte Wege. </p>
<h4><img src="../../../magazin/img/bgOrange.gif" alt="icon" width="30" height="10"/> Heraustreten</h4>
<p>Der erste Schritt zur Ruhe ist für mich ein sehr bewusster: Ich schalte ab und wirklich um. Dabei helfen mir einige tiefe, ruhige Atemzüge oder auch bestimmte Atem- und Entspannungsübungen. <img src="../../../magazin/img/2008/05,kh,2.jpg" alt="keys" class="left"/> Mir hilft es beispielsweise, die Vorbereitungen für das Unterwegssein bewusst zu gestalten: Ich ziehe Jacke und Schuhe an, stecke den Schlüssel ein und schließe die Wohnungstür mit Bedacht ab. Damit signalisiere ich mir: Jetzt beginnt eine andere Zeit. Eine Zeit, in der nicht mehr zählt, was andere von mir erwarten, was ich tun muss, in der auch nicht Arbeit und Geldverdienen im Mittelpunkt stehen, sondern ausschließlich ich als Mensch. Meine Empfindungen, Wünsche, Träume, Gefühle und Enttäuschungen dürfen jetzt ihren Platz einnehmen. </p>
<p>Häufig schwirren mir zu Beginn eines kleinen oder großen Pilgerweges  noch unendlich viele Gedanken durch den Kopf. Meist habe ich einen kleinen Notizblock dabei, um Dinge, die ich erledigen muss, kurz aufzuschreiben und sie so besser zur Seite legen zu können. </p>
<p>Dann erlaube ich meinen Gedanken umherzuschweifen. Ich gehe, betrachte die Umgebung,  und während ich gehe, werden meine Gedanken immer klarer. Manchmal weine ich, wenn ich verspüre, wie mich etwas bewegt. Zu anderen Zeiten weiß ich plötzlich <em>Das ist der nächste Schritt</em> und ich finde den Schlüssel zu Problemen, für die mir vorher &ndash; trotz intensiven Nachdenkens &ndash; keine Lösung einfiel. Manchmal passiert beim Gehen auch gar nichts &ndash; es klärt sich nichts, ich entdecke keine neuen Gedanken und Lösungen. Es tut mir einfach nur gut, draußen zu sein, Blumen, Pflanzen und schöne Gebäude zu betrachten und mich zu bewegen. </p>
<p>Am Ende eines Spaziergangs sortiere ich noch einmal meine Gedanken: Was ist mir wichtig geworden? Was möchte ich behalten? Und kehre dann wieder bewusst in meinen Alltag zurück: Jetzt bin ich wieder da. Ich bin immer noch ich, aber dennoch ein klein wenig innerlich verändert. </p>
<h4><img src="../../../magazin/img/bgOrange.gif" alt="icon" width="30" height="10"/> Meine Pilgerzeiten</h4>
<p>In jedem Jahr verbringe ich mehrmals eine längere Zeit der Stille &ndash; ein bis vier Tage an einem schönen, ruhigen Ort. Aus praktischen Gründen bleibe ich meistens an einem Ort, von <img src="../../../magazin/img/2008/05,kh,3.jpg" alt="clouds" class="left"/> dem aus ich täglich längere Wanderungen unternehmen kann &ndash;  ich schleppe ungern viel Gepäck mit mir herum. Es werden auch organisierte Pilgerreisen angeboten: Das Gepäck wird dabei von einer Übernachtungsstätte zur nächsten transportiert und man trägt nur das Tagesgepäck mit sich.<br />
Nach dem bewussten Abschied von zu Hause und dem Alltag mache ich mich auf dem Weg. Ich komme an dem Ort, den ich mir für diese Zeit gewählt habe, bewusst an. Ich packe den Koffer aus, gestalte den Raum mit etwas Mitgebrachten. Ich setze mich, trinke in Ruhe etwas und schaue aus dem Fenster. Anschließend erkunde ich in einem kleinen ersten Spaziergang die nähere Umgebung. </p>
<p>Ich erlaube mir dabei, kein Programm zu haben &ndash; nicht einmal ein Programm, wie weit ich laufen und kommen will. Wenn mir ein Ort besonders gut gefällt, dann bleibe ich einfach dort, so lange ich will und es mir angenehm ist &ndash; etwa an einem Teich oder auf einem Holzstoß, an einem Ort mit schöner Aussicht oder in einer Höhle.  </p>
<p>Je öfter ich diese <em>Tage des Unterwegsseins</em> praktiziere, umso leichter fällt es mir, zur Ruhe zu finden, auf mein Inneres zu hören und konzentriert über bestimmte Fragen zu reflektieren. Für mich sind diese <em>stillen Tage</em> die Zeiten, in denen ich meine emotionalen und mentalen Reservoire wieder auffülle, Klärung und Neuausrichtung erlebe. Diese Tage der Stille folgen dem gleichen Muster wie meine kürzeren Wegstrecken; sie unterscheiden sich lediglich in der Dauer, die ich für die einzelnen Abschnitte zur Verfügung habe.</p>
<h4><img src="../../../magazin/img/bgOrange.gif" alt="icon" width="30" height="10"/> Reflexion</h4>
<p>Reflexion ist der Kern meines Unterwegsseins. Ich brauche Zeit, um wahrzunehmen und zu spüren, was war, was ist. Ich wechsele zwischen Zeiten nachdenkender und nachspürender Reflexion, <img src="../../../magazin/img/2008/05,kh,1.jpg" alt="reflexion" class="left"/> zwischen Zeiten zusammenfassender und  schriftlich fixierter, Gedanken bündelnder Reflexion ab.<br />
Bei der Ausübung dieser Reflexion hilft mir die Hand-Methode. Ich finde es sehr praktisch, die fünf Finger einer Hand stets parat zu haben. Die Methode eignet sich sowohl für eine kurze Blitzreflexion als auch für ein tieferes Nachdenken und Analysieren. Einsetzbar ist sie in unterschiedlichsten Lebenssituationen, etwa nach einem Arbeitstag, einer Begegnung, einer Arbeitssitzung, einer Vorlesung oder nach dem Urlaub. </p>
<p>Wenn ich meine Gedanken und Gefühle mit Hilfe der Reflexionsmethode sortiert habe, kann ich das, was hinter mir liegt, leichter loslassen. Ich sehe klarer, welche Dinge noch offen sind, weiter durchdacht oder bewegt werden müssen. </p>
<div class="box">
<h4>Reflexion nach der Hand-Methode</h4>
<ul>
<li><strong>Daumen</strong>: Was war gut? Was hat mir an der zurückliegenden Zeitphase (ein Tag, ein Projekt, eine Woche, ein Jahr) gut gefallen und gut getan?</li>
<li><strong>Zeigefinger</strong>: Was will ich mir merken? Was habe ich gelernt? Was ist mir wichtig geworden? Was will ich festhalten?</li>
<li><strong>Mittelfinger</strong>: Was hat mir nicht gefallen? Was stinkt mir? Was war nicht gut? Was lief schief?</li>
<li><strong>Ringfinger</strong>: Was hat mich mit anderen verbunden? Was hat die Verbundenheit mit anderen Menschen gestärkt? Was trug dazu bei, dass ich Menschen nah war?</li>
<li><strong>Kleiner Finger</strong>: Was kam zu kurz? Was hat mir gefehlt? Was hätte ich mir noch gewünscht?</li>
</ul>
</div>
<h4><img src="../../../magazin/img/bgOrange.gif" alt="icon" width="30" height="10"/> Meine Visionsphase</h4>
<p>Ein zentrales Thema, das beim Unterwegssein häufig im Mittelpunkt steht, ist die Frage nach der Vision. Eine Vision ist ein klares Bild dessen, was man gestalten und erreichen möchte. Eine klare Vision geht über allgemeine Wünsche, wie etwa <em>Ich möchte glücklich sein</em>, hinaus. Sie bündelt sich in der konkreten Frage: Was möchte ich mit meinem Leben tun, erreichen, gestalten?</p>
<p>Im Alltag lasse ich mich häufig von vermeintlichen oder tatsächlichen Einschränkungen ausbremsen. Wenn ich unterwegs bin, wird mein Blick weiter: Ich entdecke neue Möglichkeiten, Potentiale, Ideen und beginne zu träumen.  </p>
<p>Doch die besten Ideen nützen nichts, wenn sie unerfüllt bleiben. Deshalb überlege ich mir in und nach der Visionsphase auch: </p>
<div class="box">
<h4>Visionsphase</h4>
<ul>
<li>Wie kann und will ich das umsetzen? </li>
<li>Was will ich in meinem Leben anders machen als bisher? </li>
<li>Was möchte ich konkret erreichen? Wie? Bis wann? </li>
<li>Wie will ich die Zeit, einteilen und gestalten? </li>
<li>Wer oder was sind mir besonders wichtig? </li>
<li>Wer oder was könnten mich bei der Umsetzung unterstützen? </li>
<li>Was benötige ich dazu? </li>
<li>Wann beginne ich? </li>
<li>Welches ist der erste Schritt? </li>
</ul>
</div>
<p>Meine Gedanken und Überlegungen halte ich schriftlich fest, damit ich später, wenn es im Alltag an die Umsetzung geht, darauf zurückgreifen kann. </p>
<h4><img src="../../../magazin/img/bgOrange.gif" alt="icon" width="30" height="10"/> Abschied  in den Alltag</h4>
<p>Nach dieser besonderen Zeit des Unterwegsseins ist es nicht einfach, in den Alltag zurück zu kehren. Ich lese mir meist noch einmal meine Notizen aus dieser Zeit durch und frage mich: Was ist mir in diesen Tagen wirklich wichtig geworden?  Anschließend nehme ich aufmerksam Abschied von den Orten und den Wegen, die ich in diesen Tagen berührt habe. Ich genieße den Rückweg als Zwischenzeit: Gutes liegt hinter mir, Gutes liegt vor mir. Wenn ich wieder zu Hause bin, versuche ich, es ruhig angehen zu lassen, langsam auszupacken, anzukommen und die Tage des Unterwegsseins noch etwas nachwirken zu lassen. <img src="../../../magazin/img/fini.gif" alt="fini" /></p>
<p class="psource">MF</p>
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		<title>Masken ab oder: Wie man sich neu dem Leben öffnet</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Feb 2008 03:52:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kerstin Hack</dc:creator>
				<category><![CDATA[Impulse]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Maske]]></category>

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		<description><![CDATA[Masken wirken meist wie tot. In der Erstarrung und Maskenhaftigkeit sehen wir alle recht ähnlich aus, doch das Lebendige ist bunt und vielseitig, und jeder von uns lebt und wirkt anders. Nur wer von einer Sache auch emotional bewegt ist, kann wirklich etwas bewegen. Das Leben ist viel zu schön, um nicht gelebt, empfunden und gestaltet zu werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="abstract">Masken wirken meist wie tot. In der Erstarrung und Maskenhaftigkeit sehen wir alle recht ähnlich aus, doch das Lebendige ist bunt und vielseitig, und jeder von uns lebt und wirkt anders. Nur wer von einer Sache auch emotional bewegt ist, kann wirklich etwas bewegen. Das Leben ist viel zu schön, um nicht gelebt, empfunden und gestaltet zu werden.</p>
<p>Am Aschermittwoch sind die Jecken zu beneiden: Die legen einfach ihre Kostüme und Masken ab, verstauen sie für die nächste Saison im Schrank und sind wieder die, die sie vorher waren.</p>
<p>Neben den käuflichen Masken, die wir für einen geringen Geldbetrag bekommen, gibt es auch eine Sorte, die wir uns im Lauf unseres Lebens auf ganz andere Art und Weise erwerben. Masken, die wir uns zulegen, weil wir glauben, im Konkurrenzkampf nicht bestehen zu können, die wir aufsetzen, statt uns authentisch und damit vielleicht auch verletzlich zu zeigen. </p>
<p>Manche Menschen beherrschen die Kunst des Maskentragens so perfekt, dass schon ein kurzes Sichtbarwerden ihrer tatsächlichen Emotionen öffentliches Interesse erweckt. In den Medien lesen wir dann: &#8221; … ihm (oder ihr) entglitten die Gesichtszüge.&#8221; Stellen Sie sich einmal die britische Königin vor, die schallend über einen Witz lacht, wie sie eine besondere Delikatesse genussvoll verzehrt oder ihren Ärger über eines ihrer &#8220;ungeratenen&#8221; Familienmitglieder offenkundig zum Ausdruck bringt. Gewann oder verlor ein Bill Clinton an politischer Kraft, als er sich als Mensch mit seinen Vorlieben für das Saxophon (und schöne Frauen) zu erkennen gab? Ist so etwas denkbar? Dürfen Menschen in exponierten Positionen jenseits ihrer öffentlichen Rolle auch als Menschen mit Vorlieben und Abneigungen erkennbar sein? </p>
<p>Und wie ist es im Geschäftsleben: Können wir es uns dort erlauben, unsere Maske fallen zu lassen? Möglicherweise ist es riskant. Aber es ist weitaus riskanter und der Gesundheit sicherlich nicht förderlich, unsere Kraft und Energie darauf zu verwenden, eine Maske aufrecht zu halten. Stundenlang in ineffektiven Meetings zu sitzen, weil niemand es wagt zu sagen: „Mir reicht&#8217;s. Ich empfinde das nicht mehr als gewinnbringend. Können wir keinen anderen Weg finden? Wie wäre die Fortsetzung unserer Arbeit in kleineren Gruppen?“, das ist nicht sehr hilfreich.</p>
<p class="sumup">&raquo;Nur wer von einer Sache auch emotional bewegt ist, kann wirklich etwas bewegen.&laquo; </p>
<p>Häufig setzen wir Professionalität mit emotionaler Kälte gleich. Warum tun wir das? Niemand verbietet uns, hervorragende Mitarbeiter nicht nur sachlich für ihre Leistung zu loben, sondern auch emotional zum Ausdruck zu bringen, wie begeistert wir von ihnen sind. Nur wer von einer Sache auch emotional bewegt ist, kann wirklich etwas bewegen. </p>
<p>Ich nehme mir immer wieder Zeit und prüfe, ob und worin ich erstarrt bin. Ich entwickelte dazu einen Fragenkatalog, den ich Ihnen als kleine Hilfestellung anbiete: </p>
<p class="box"><strong>Eine Maske sieht nicht.</strong> Sehe ich noch – von ganzen Herzen – was um mich herum geschieht? Bin ich so beschäftigt, dass ich nichts mehr wahrnehme?<br />
<strong>Eine Maske ist starr.</strong> Wo bin ich in meinem Denken und Handeln unbeweglich geworden? Wo verfing ich mich in starren Handlungsmustern?<br />
<strong>Eine Maske ist verschlossen.</strong> Vor welchen Menschen, Gedanken, Erfahrungen verschließe ich mich?<br />
<strong>Eine Maske ist handlungsunfähig.</strong> Wo reagiere ich nur noch, statt selbst zu gestalten?</p>
<p>Ergänzend können Sie auch die &#8220;3B Methode für Feedback&#8221; anwenden: </p>
<p class="box"><strong>Beobachten: </strong>Was nehme ich wahr? Wo erstarrt mein Körper, wo zeige ich Symptome von Abwesenheit, Distanz usw.<br />
<strong>Bedeutung:</strong> Wie deute ich das Verhalten/die Körperhaltung?<br />
<strong>Bitte:</strong> Welchen Wunsch habe ich an mich selbst? Was möchte anders erleben?</p>
<p>Damit wir (wieder) anders handeln, offener und lebendiger reagieren können, empfehlen Neurologen und Psychologen, sich ein inneres Bild vom gewünschten Zustand zu machen. Wir stellen uns beispielsweise vor: Wie sähe es aus, wenn ich nicht mehr mit verspanntem Nacken vor dem Computer säße und wie verrückt auf die Tasten haute, sondern stattdessen entspannt und gelassen meine Arbeit erledigte? Wie wäre es, wenn ich nicht mehr durch die Gänge des Büros hetzte, sondern den Gang eine Stufe herrunter schaltete, die Bilder an den Wänden einmal wahrnähme und auf die Kollegen vielleicht mit einem Lächeln reagierte?</p>
<p class="sumup">&raquo;Woran würden andere merken, ob ich wirklich lebendig bin?&laquo;</p>
<p>In der Erstarrung und Maskenhaftigkeit sehen wir alle recht ähnlich aus, doch das Lebendige ist bunt und vielseitig, und jeder von uns lebt und wirkt anders. Hier gibt es keine pauschalen Antworten. Wenn ich mich als lebendig wahrnehme, dann &#8220;entschleunige&#8221; ich mein Leben automatisch:  Ich genieße bewusster, nehme mir Zeit, die Sonne zu sehen. Für andere ist das vielleicht gerade umgekehrt: Sie treten plötzlich intensiv und dynamisch in die Pedale. Weil wir Menschen in unserer Art verschieden und auch unterschiedlich lebendig sind, kann nur jeder für sich selbst überlegen, wie lebendiges Leben für ihn oder sie aussieht. Fragen Sie sich einfach einmal: Woran würden andere &#8211; mein Lebenspartner, meine Kinder oder meine Kollegen &#8211; merken, ob ich wirklich lebendig bin? Was könnte ich gerade jetzt tun, damit diese Lebendigkeit in mir mehr Raum erhält?</p>
<p>Wer es wagt, selbst lebendig zu sein, kann auch Mitarbeiter und Kollegen zur Lebendigkeit ermutigen: &#8220;Frau Müller, mir fällt auf, dass Sie immer mit sehr gebeugtem Rücken vor dem Computer sitzen. Ich vermute, dass Sie das Arbeitspensum sehr stresst. Das finde ich schade. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich ab und zu eine kleine Pause gönnen würden, vielleicht ein paar Takte mit Ihren Kollegen reden.&#8221; Oder: &#8220;Herr Mayer, in den letzten Sitzungen beobachtete ich immer wieder, dass Ihr Gesicht ganz starr war und sie nichts zu den Themen sagten. Ich weiß nicht genau, wie ich das deuten soll. Denken Sie vielleicht, wir finden Ihre Meinung nicht sinnvoll? Ihre Meinung ist uns wichtig. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich in Zukunft mehr am Gespräch beteiligen und uns wissen lassen, was Sie denken.&#8221; </p>
<p>Masken wirken meist wie tot. Sie mögen uns manchmal schützen, aber verhindern doch das Leben. Und das Leben ist viel zu schön, um nicht gelebt, empfunden und gestaltet zu werden.<br />
<img src="../../../magazin/img/fini.gif" alt="fini" /></p>
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