Editorial — Nachhaltigkeit
Text: Joachim Zischke
Liebe Leser,
der schweizer Innovationsberater Kuno Spirig beschreibt den Begriff der Nachhaltigkeit mit einem einzigen Wort: enkeltauglich. Technokratische oder pseudo-visionäre Begrifflichkeiten, wie conventionals, LOHAS, naturalites, greens, neo greens, green lifestyle, strategischer Konsum, tote Mitte oder neue Mitte, bringen uns nicht weiter. Nachhaltigkeit ist keine Frage der Namensgebung, sondern des konkreten Handelns.
Eine aktuelle Studie der Cornell University in New York kommt zu dem Ergebnis, dass der Verbrauch der nicht erneuerbaren Energien in den USA um bis zu 50 Prozent reduziert werden könnte, würden die US-Amerikaner weniger Fastfood, Fertigprodukte und tierische Produkte essen und sich stattdessen mehr mit Kartoffeln, Reis, Obst und Gemüse ernähren. So sähe eine handlungsorientierte Nachhaltigkeit aus.
Noch immer sind wir linearen Denkprozessen verhaftet. Wir glauben, durch das Meistern einer spezifischen Krisensituation, alle folgenden ähnlich lösen zu können. Wenn es aufgrund der Initiativen eines Carl von Carlowitz in Sachsen, Jean-Baptiste Colbert in Frankreich und der Royal Commission in England zu einer neuen Forstordnung kam, dann nur, weil die Holzknappheit zum gesellschaftlichen Lernen und Handeln zwang. Salzgewinnung, Silberbergbau und die Verhüttung von Eisenerz vernichteten um ein Haar die Wälder Europas. Haben wir unsere Lektionen gelernt? —
Nachhaltigkeit erschöpft sich nicht im nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Unsere Welt ist komplexer. Der globale Klimawandel, die Probleme der Biodiversität und der Armutsbekämpfung, der demografische Wandel in Deutschland mit allen Auswirkungen auf die Entwicklung unserer Städte und das Gemeinwesen erzwingen ein Umdenken.
Nachhaltigkeit funktioniert nicht durch Gesetze und Verordnungen allein. Und es ist nicht nur eine wirtschaftliche Aufgabe. Ein nachhaltiges Leben ist eine zutiefst individuell-persönliche Herausforderung, der sich jeder Einzelne stellen muss. Nachhaltigkeit ist ein Lernprozess, der beim Einzelnen beginnt und bei den Unternehmen nicht endet.
In einem Online-Kommentar zu einem Gedicht fand ich eine schöne Beschreibung für Nachhaltigkeit:
Nachhaltigkeit ist, wenn ein Mensch dich so sehr im Herzen berührt hat, dass du dich auch noch Jahre später an das Gefühl in diesem glücklichen Moment erinnern kannst.
Für das ernste Thema dieser Ausgabe wünsche ich Ihnen Muße zum Lesen und Nachdenken.

Herausgeber und Chefredakteur
Die nächste Ausgabe von DIALOGUS Magazin Konflikte erscheint am 4. September 2008.
Veröffentlicht am 07. August 2008
Kommentare: 1
1. Sebastian Backhaus | 08. August 2008 15:02
[...Leseempfehlung: Das 2008 gegründete Online-Magazin Dialogus befasst sich im...]