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Editorial — Absurdia

Text: Joachim Zischke

Liebe Leser,

willkommen zur sechsten Themenausgabe des DIALOGUS Magazins. Das ist an sich nichts Besonderes, jedoch eine schöne Gelegenheit, Ihnen, unseren Lesern, und meinen Autorenkollegen für die gemeisame, bis hierher zurückgelegte Wegstrecke recht herzlich zu danken. Wir haben uns jetzt richtig warm gelaufen. —

Absurdia, das Magazin des Absurden, war einmal geplant, ist aber nie erschienen. Heute liefere ich Ihnen Kostproben meiner absurden Denkrichtung, denn die Artikel, die Sie heute lesen, tragen allesamt meine Handschrift. Diese DIALOGUS Ausgabe ist ein Bonbon, das süß und bitter zugleich schmecken kann.

Die Welt und der Mensch sind absurd, schrieb Jean Paul Sartre. Der vielleicht größte Absurdiker, Albert Camus, vermerkte hierzu: Das Absurde kann jeden beliebigen Menschen an jeder beliebigen Straßenecke anspringen. Es scheint, als wäre die Realitätsbezogenheit der Welt mit einem Schlag nichtig und endete in der Absurdität. Geht es darum? Es geht darum, das Absurde nicht mehr für absurd zu erachten, sondern zu erkennen, dass die eigene immer nur eine Absurdität unter vielen ist, die der ständigen Anpassung und Korrektur bedarf.

Absurdia versteht die absurde Welt als einen Prozess, der im ständigen Wandel begriffen ist, ohne dass deshalb die Einnahme eines eigenen Standpunktes unmöglich wäre. Die Absurdität in diesem Sinne ist von Veränderung, Konfrontation, dem Erkennen sowie dem Ausloten verschiedener, dennoch gleichwertig bestehender Perspektiven geprägt. Die Existenz verschiedener Perspektiven ist als eine Möglichkeit zu begreifen, das Eigene in der Konturierung gegenüber dem Anderen besser zu bestimmen, es durch die Erfahrung der anderen Absurditäten überhaupt erst als etwas Absurdes zu erkennen, zu bemerken, dass die absurden Dinge gerade dann nicht mehr absurd sind, wenn sie aus einer anderen Perspektive betrachtet werden. Erst die perspektivische Anerkennung des Absurden eröffnet dem Menschen die Freiheit und Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten.

Absurdia öffnet sich mit Vorliebe auf den Gegenstand hin, der selbst durch nichts besser charakterisiert ist, als durch das Absurde: das Wort. Es ist [zwar] schon alles gesagt, nur noch nicht von allen! (Karl Valentin) Absurdia: Eine Gedankenkollektion für den Kopf, der nicht kopflos den Zeitläuften gegenübertritt.«

Viel Vergnügen beim Lesen wünscht Ihnen

sig
Herausgeber und Chefredakteur

Die nächste Ausgabe von DIALOGUS Magazin Visualisieren erscheint am 3. Juli 2008.

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Veröffentlicht am 05. Juni 2008

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