Editorial — Visualisieren
Liebe Leser,
in seinem Buch Der fünfte Berg schreibt Paulo Coelho über eine Schrift, die aus der antiken Hafenstadt Byblos stammte und sich im Orient schnell ausbreitete. Die Idee war damals, die ägyptischen Bildzeichnungen in Laute umzuwandeln und dann jedem Laut ein Zeichen, einen Buchstaben, zuzuweisen. Brachte man die Lautzeichen in eine bestimmte Ordnung, konnte man damit alles Gedachte und Gesprochene ausdrücken, akustisch wie auch visuell.
Das ägyptische System der Bilder nahm zu viel Platz ein, bedurfte großer Geschicklichkeit im Zeichnen und verlangte zudem ein umfangreiches Wissen, um die Zeichen zu deuten. Obwohl politisch nicht mehr bedeutend, konnten die Ägypter lange Zeit einen wirtschaftlichen Vorteil aus ihrer Erfindung für sich verbuchen: Die Verwendung der Papyruspflanze als Datenträger wurde von den Handels- und Kaufleuten bevorzugt, da sie die zu Streifen geschnittenen Blätter, anders als die für die Byblos-Schrift verwendeten Tontäfelchen, leichter in die Tasche stecken konnten. Hinzu kam, dass Papyrus fast ausschließlich am Nil angebaut werden konnte. —
Über die Schrift zu Landkarten, zum Visualisieren von Ideen, Empfindungen, Status und dem, was wir hörend sehen: das ist das Thema unserer heutigen Ausgabe. Wir Menschen sind Augenmenschen. Und so ist das Visuelle nicht nur für unsere Kommunikation, sondern für das Leben auf unserer Erde schlechthin Voraussetzung.
Ich wünsche Ihnen viele schöne Bilder im Kopf und viel Spaß beim Lesen.

Herausgeber und Chefredakteur
Die nächste Ausgabe von DIALOGUS Magazin Nachhaltigkeit erscheint am 7. August 2008.
