Allgemein

Editorial — Salon

Text: Joachim Zischke

Liebe Leser,

an was denken Sie, wenn Sie Salon hören oder lesen? Denken Sie an Ihren Friseur, an eine Genfer Autoausstellung, an ein Spielcasino oder an einen literarischen Treffpunkt?

Salon — das klingt auch nach laisser-faire, verruchte Wildheit, Roulette-Spiel im Hinterzimmer und tanzende leichte Mädchen im Goldstaub. Oder nach Wohnzimmerkonzerten, ein Musikerlebnis in privater Atmosphäre. Vielleicht auch nach dem China Club, jenem Salon im Berliner Hotel Adlon, für die der erfolgreiche Clubaspirant angeblich Zehntausend Euro an Eintrittsgeld zahlen muss.

Wie dem auch sei: Ein Salon ist eine faszinierende Angelegenheit. Weil nicht immer jeder hinein kommen darf, der gerne hinein gehen wollte. Ein Salon ist meist so etwas wie eine geschlossene Gesellschaft: Geladene und empfohlene Gäste bilden einen Kreis von Gleichgesinnten, die sich zu Gesprächen, Vorlesungen und Musikdarbietungen treffen. Salons können auch Foren sein, die sich Themen wie Wirtschaft und Werte widmen.

In dieser DIALOGUS Ausgabe wollen wir Sie ein wenig in die Blütezeit der europäischen Salons des späten 18. Jahrhunderts entführen. Wir berichten von Anekdoten und amüsanten Conversationsspielen. Aber wir erlauben uns auch, kritische Fragen zum Casino-Kapitalismus der neueren Geschichte zu stellen.

Welches Thema Sie auch bevorzugen: Ich wünsche Ihnen eine spannende Lesezeit.

sig
Herausgeber und Chefredakteur

Veröffentlicht am 06. November 2008

Nach oben